Hörsaal Universität Zürich

Ein neuer, grosser, unmittelbar der Universität angegliederter Hörsaal mit fünfhundert Sitzplätzen wurde unter die talseitige Terrasse des Universitätsgebäudes von Karl Moser von 1913/1914 eingebaut. Der Raum dient als neues Auditorium Maximum sowie als zweite Aula und soll überdies während der Wochenenden und der Semesterferien von Dritten als Kongresssaal gemietet werden können.
Über ein Foyer im Erdgeschoss, den ehemaligen Skulpturen-Ausstellungsraum, der zwischenzeitlich als Institutsbibliothek genutzt wurde, wird der Hörsaal sowohl von aussen als auch vom Universitätsgebäude her erschlossen. In den Nischen der Kreuzgewölbe angeordnete zweiläufige Treppen führen zum tiefer gelegenen Hörsaal. Ein weiterer, rollstuhlgängiger und mit Lift erschlossener Zugang erfolgt von der Seite der Mensa.

Das Innere des Hörsaals ist – in Analogie zum farbig gestalteten Inneren des Moser-Gebäudes – mit farbig lackierten Platten ausgekleidet. Diese Platten übernehmen die Schallabsorption sowie die Verkleidung der Lüftungs- und Elektroinstallationen. Der Künstler Adrian Schiess hat für diesen Raum einen Farbklang von hell- und dunkelrosaroten, hellblauen und graugrünen Tönen entworfen, während die Verglasungen der Dolmetscherkabinen mit einem golden reflektierenden Verlauf bedruckt sind, um die Festlichkeit des Raumes zu unterstreichen.

Ein Oberlicht über der weissen Projektionswand versorgt den Raum mit Tageslicht. Von aussen betrachtet verweist der erhöhte Oberlichtkörper auf den darunterliegenden Hörsaal. Dieselbe Funktion erfüllt indirekt auch ein Wasserbecken, das mittig auf der Terrasse über dem Hörsaal liegt. Die kräftige Farbe des Anstrichs irritiert die gewohnte Wahrnehmung, die ein grünes Bassin erwartet wie diejenigen, die sich in den benachbarten Gartenflächen der Universität befinden. Das Bassin mit seiner reflektierenden Wasserfläche und künstlichen Farbigkeit wirkt wie eine eigenständige, horizontale Skulptur.

Als zusätzlicher Hinweis auf die ‚Raumhaltigkeit‘ des Sockels sind die Stützmauern zur Künstlergasse aus Ortbeton gegossen, dessen Schichten unterschiedlich eingefärbt sind. Von unten nach oben nimmt die Farbigkeit des Betons graduell ab. Die letzten Schichten der Stützmauern sind nur noch fein, und die Betonbodenbeläge der Terrasse und der Beton des Bassins schliesslich gar nicht mehr pigmentiert. Sie werden von der farbigen Beckeninnenseite kontrastiert.

Ort Zürich

Nutzung unterirdischer Hörsaal mit 500 Sitzplätzen, Projektionsraum, Lager, Technikräumen
Umbau bestehendes Foyer im Erdgeschoss als Zugang zum Hörsaal; farbiges Wasserbassin auf der Terrasse über dem Saal

Beauftragung 1996

Planung/Ausführung 1996–2002

Bauherrschaft Hochbauamt Kanton Zürich

Geschossfläche 2‘545 m2

Team G/G Annette Gigon / Mike Guyer, Architekten, Zürich
Mitarbeit: Christian Brunner (Projektleitung), Stefan Gasser, Michael Bucher

Bauleitung Annette Gigon / Mike Guyer Architekten, Zürich
Mitarbeit: Thomas Hochstrasser

Landschaftsarchitektur Hager Landschaftsarchitektur AG, Zürich

Kosten/Terminplanung Othmar Brügger, Davos

Statik SKS Ingenieure AG, Zürich

Farbgestaltung Adrian Schiess, Zürich und Mouans-Sartoux, Frankreich

Fotos © Heinrich Helfenstein

Erweiterung Ausbildungswerkstätten Appisberg

Die Erweiterung der Anlage Appisberg besteht aus einzelnen Baukörpern, welche sich gegen­über den bestehenden Bauten aus den 1930er Jahren der Architekten Pestalozzi und Schucan entlang einer internen Erschliessungsstrasse aufreihen. Das Prinzip der Reihung bestimmte schon die Positionierung der bestehenden Gebäude. Entsprechend der ursprünglichen Freiraumgestaltung der Gebrüder Mertens bleibt die Mitte der Anlage in Form einer ausgedehnten Freifläche unbebaut und geht im Osten in die freie Landschaft über.

Aufgrund der Anordnung der Baukörper längs zur Blickrichtung wird die Sicht auf den See und das Bergpanorama akzentuiert, jedoch nicht verstellt. Hinsichtlich ihrer Proportionen lehnen sich die Neubauten an die Massstäblichkeit der be­stehenden Bausubstanz an.

Spannung und Rhythmisierung entstehen durch die Anordnung der neuen Volumina in ihrer Bezie­hung zu den bestehenden Gebäuden. Feine Unterschiede in der Dimension und Form der einzelnen Baukörper bereichern das Spiel. Das Gewächshaus mit gänzlich anderer Materialisierung bildet als Kontrast den Abschluss und Übergang zur Land­schaft.

Mit Ausnahme des Gewächshauses sind alle Gebäude mehrheitlich aus Ortbeton erstellt. Die Boden- und Deckenplatten werden durch die Aussen­wände und die aussteifenden Kernbereiche getragen. Die robuste Materialisierung der Aussenwände und Fenster reagiert auf die Anforderungen, die an die Ausbildungs- und Werkstattgebäude gestellt werden.

In der bestehenden Situation sind vor allem zwei Farbtöne vorherrschend. Das Orange der historischen Gebäude steht den unterschiedlichsten Grüntönen der Umgebung gegenüber: dem Dunkelgrün des Waldes, dem satten Grün der Wiesen, den gelbgrünen Feldern in der unmittelbaren landschaftlichen Umgebung und dem blassen Grün der entfernten Hügel.

Der gelbgrüne Farbton der Neubauten ,schlägt sich auf die Seite' der Umgebungsfarben. Die leuchtende Intensität der Farbe wird durch lasierendes Auftragen erreicht. Trotz mehrerer Farbschichten ist die Materialität des Betons immer noch sichtbar, so dass, aus der Nähe gesehen, ein feines Farbenspiel von Grün- und Gelbtönen erkennbar wird. Je nach Wetter- und Lichtverhältnissen sowie Jahreszeiten wirken die Volumen unterschiedlich, bilden einen Einklang mit der landschaftlichen Umgebung oder setzen sich ab.

Ort Männedorf

Nutzung Erweiterung bestehende Anlage um vier Neubauten: Berufliche Abklärungsstelle, 2 Werkstattgebäude, Gärtnerei mit Unterstand; Erneuerung Bestands: Werkstatt, Administration/Verpflegung, Unterkünfte

Wettbewerb 1998, 1. Preis

Planung/Ausführung 1999–2002

Bauherrschaft Gemeinnütziger Verein Appisberg, Abklärungs- und Ausbildungsstätte, Männedorf

Geschossfläche 3‘611 m2

Team G/G Planung/Ausführung: Markus Lüscher (Projektleitung), Mathias Brühlmann
Wettbewerb: Markus Lüscher, Simone Reiter

Bauleitung Caretta Weidmann Baumanagement AG, Zürich

Landschaftsarchitektur Zulauf Seippel Schweingruber, Landschaftsarchitekten, Baden

Farbgestaltung Harald F. Müller, Öhningen, Deutschland

Fotos © Heinrich Helfenstein
© Harald F. Müller

Francis Bouygues Gebäude, Ecole CentraleSupélec

Auf dem Plateau de Saclay südöstlich von Paris ensteht auf der Grundlage eines langfristig angelegten Masterplans ein Cluster verschiedener Universitäten und Forschungseinrichtungen. Der Neubau Francis-Bouygues, stellt die Verbindung zwischen dem bestehenden Universitätsgebäude und dem neuen Gustave-Eiffel Gebäude her und vermittelt durch seine Lage zwischen Campus und Natur.

Der Neubau füllt die gesamte Parzellenfläche, mit Ausnahme von drei volumetrisch prägenden Rücksprüngen, die die Zugänge zu dem Gebäude definieren. Zwei Aufbauten verstärken die Gebäudeecken entlang der Strasse. Im Inneren bildet ein dicht begrünter Patio das Zentrum des Gebäudes. Über drei Geschosse ist die Schule um die grosse Halle organisiert, als öffentlicher Raum verbindet sie die drei Departemente und verleiht dem Gebäude seine Identität. Nach dem Motiv einer Stadt sind die Univers genannten Departemente als Quartiere konzipiert, mit Strassen, Gassen und Plätzen. Die Halle ähnelt einer künstlichen Topografie, die verschiedene Arbeits- und Aufenthaltsbereiche im Erdgeschosse und auf den erhöhten Ebenen miteinander verbindet und einen kontinuierlichen, differenzierten Raum mit Orten unterschiedlicher Vertrautheit schafft.

Die tektonisch gestaltete Fassade aus emaillierten – glatt, gewellt und kanneliert – profilierten Keramikelementen reagiert in der Ausbildung auf die Umgebung und widerspiegelt in der Farbe die Departemente der Schule. Je nach Lichtsituation changiert die Farbigkeit der modulierten, glänzenden Oberflächen und bereichert die visuelle Wirkung des Gebäudes.

Ort Paris Saclay, Frankreich

Nutzung Universitätsgebäude, Auditorien, Unterrichts- und Laborräume, Theater, Musikräume, Mehrzweck- und Turnhallen, Bibliothek, Restaurant, Cafeteria, Büros, Hotel, Tiefgarage

Wettbewerb 2014, 1. Preis

Planung/Ausführung 2015–2017

Bauherrschaft Kluster (Bouygues Bâtiment Ile-de-France, Bouygues Energies & Services, HICL Infrastructure Limited)

Geschossfläche 27‘400 m2

Auslober Wettbewerb CentraleSupélec

Team G/G Planung/Ausführung: Pieter Rabijns (Teamleitung), Elisabeth d’Aubarède, Dina Hool, Bryan Grossenbacher, Christoph Dober, Andy Gratwohl, Arend Koelsch, Milica Vrbaski
Wettbewerb: Pieter Rabijns (Teamleitung), Martin Schwarz, Kathrin Sindelar, Christoph Dober, Martin Feichtner, Andy Gratwohl, Arend Koelsch

Kontaktarchitekten Synthèse Architecture, Arceuil, Frankreich

Bauleitung Bouygues Bâtiment Île-de-France Ouvrages Publics, Guyancourt, Frankreich

Generalunternehmung Bouygues Bâtiment Île-de-France Ouvrages Publics, Guyancourt, Frankreich

Landschaftsarchitektur Bassinet Turquin Paysage, Paris, Frankreich

Kosten/Terminplanung Bouygues Bâtiment Île-de-France Ouvrages Publics, Guyancourt, Frankreich

Statik Bouygues Bâtiment Île-de-France Ouvrages Publics, Guyancourt, Frankreich

Haustechnik EGIS, Paris, Frankreich

Bauphysik AMOES, Asnières-sur-Seine, Frankreich

Brandschutz BTP Consultants, Villebon-sur-Yvette, Frankreich

Akustik Jean-Paul Lamoureux Acoustics, Paris, Frankreich

Signaletik Integral Ruedi Baur, Zürich (Konzeption)
Bureau Brut, Paris, Frankreich (Planung/Ausführung)

Farbgestaltung Harald F. Müller, Öhningen, Deutschland

Fotos © Philippe Ruault
© Harald F. Müller
filmstills: © Severin Kuhn