Projektkategorie: Museen
Erweiterung Josef Albers Museum Quadrat Bottrop «Josef-Albers-Galerie»
Auszeichungen
– Architekturpreis NRW 2024 BDA (Bund Deutscher Architekten) Nordrhein-Westfalen
– Architekturpreis 2023 BDA (Bund Deutscher Architekten) Vest Recklinghausen Gelsenkirchen, Auszeichnung
– Arc Award 2023 Siegerprojekt
Das im historischen Stadtgarten von Bottrop gelegene «Josef Albers Museum Quadrat» wird um einen zweigeschossigen Neubau erweitert, um dort künftig Wechselausstellungen zu zeigen und Raum für die Museumspädagogik, das Kunstdepot und die Werkstatt zu schaffen.
Das Gebäudeensemble, bestehend aus der 1913 errichteten Amtsrichtervilla und den Museumsbauten von Bernhard Küppers aus den1970er und 80er Jahren, erfährt mit dem Neubau eine Ausdehnung nach Nordosten. Die Form, Materialisierung und Farbgebung der Erweiterung sind so gewählt, dass die Architekturen der unterschiedlichen Zeitabschnitte ablesbar bleiben und gleichwohl ein neues harmonisches Ganzes entsteht. Der neue Baukörper hat einen rechteckigen Grundriss wie die historische Villa und rückt leicht nach Südosten vor, um den Baumbestand zu schonen und auch den nordöstlichen Ausblick aus den bestehenden Räumlichkeiten frei zu lassen. Der Teich – nach der letzten Bauetappe in den 80er Jahren angelegt – wird um einige Meter zur Ankunftsstrasse hin verschoben und gewinnt dadurch mehr Präsenz.
Im Unterschied zu Küppers Pavillons aus Stahl und Glas ist der aktuelle Neubau ein kompaktes Volumen mit wenigen, spezifisch gesetzten Öffnungen. Gleichwohl nimmt er hinsichtlich Materialität und Farbe Bezug auf den Bestand. Eine Fassadenhülle aus pulverbeschichteten Metallplatten umschliesst den Baukörper und formt eine Krempe um die Oberlichtkonstruktion, ein Sheddach. Beim letzten Oberlicht neigt sich die Verkleidung nach aussen und bildet einen Lichttrichter. Auch die Nordwestfassade faltet sich auf und schafft für die Anlieferung einen geschützten Aussenbereich.
Auf der Ebene des Stadtgartens liegen die Werkstatt, das Kunstdepot, ein Büro und die Bibliothek sowie die beiden Museumspädagogikräume. Letztere werden über das Ausstellungsgeschoss erschlossen und orientieren sich zum Teich.
Die Museumsbesucher betreten den Neubau über eine Verbindungsbrücke, von der aus ein Fenster die Sicht auf den Park freigibt. Die Passage erscheint auf dem Hinweg durch die Trapezform der Brücke optisch verlängert und auf dem Rückweg verkürzt.
Der Rundgang führt teils mäandrierend, teils geradlinig durch acht unterschiedlich dimensionierte Ausstellungsräume. Vier grosse Fenster auf je einer Seite gewähren den Besuchern Ausblicke in den Stadtgarten und gleichzeitig den Spaziergängern von aussen Einblick in das Museum. Für die gleichmässige Beleuchtung der Kunstwerke mit Tageslicht sorgen aber vor allem die Oberlichter des Sheddachs. Die Proportionen der Räume, die Tür- und Fensteröffnungen, sowie die Materialien sind so gewählt, dass sie der Wahrnehmung der Kunstwerke dienen. Die Kunst hat Vorrang: Sie erhält mit dem Erweiterungsbau mehr als Hänge- und Stellflächen, ihr wird «Raum gegeben».
Würth Haus Rorschach
Das Würth Haus Rorschach, zwischen See und Hauptbahnhof gelegen, zeigt sich Spaziergängern und Passanten als grünlich gläserne Erscheinung, die zwischen Transparenz und Reflexion changiert und die Besonderheiten des Ortes vielfach wiedergibt.
Das gegliederte, reliefartige Volumen reagiert gegenüber dem Bahnhofsgebäude mit niedrigeren Kuben und gegenüber der Weite des Parks und des Sees mit einem höheren Baukörper. Zur Strasse hin formt das Volumen verschiedene Aussenräume aus: in der Mitte den Eingangsbereich mit mächtigem Vordach, gegen Osten den Zufahrtsbereich mit Demowerkstätten und Würth-Shop und gegen Westen den zum See hin erweiterten Bahnhofsplatz. Ahornbäume zeichnen diesen Raum aus und beleben ihn.
Nähert man sich vom Bahnhof her, betont das weite Vordach den Haupteingang. Die verschiedenen Benutzergruppen, die Ausstellungsbesucher und die Gäste, Kursteilnehmer und Mitarbeitenden betreten das Gebäude über einen hohen Eingangsraum, von dem aus sich ihre Wege zum ersten Mal aufteilen.
Die Geschäftsräume der Würth Group, die Schulungs- und Konferenzräume, der Kongresssaal sowie das Restaurant sind um ein grosszügiges Foyer mit zentralem Lichthof gruppiert und werden durch eine ausgreifende Treppenanlage miteinander verbunden. Sowohl der Kongressbereich für fünfhundert Gäste im Westen als auch die öffentlichen Ausstellungsräume des Forums Würth im südlichen Gebäudeteil sind dank direkter Zugänge auch unabhängig vom restlichen Gebäude nutzbar.
Die Besucher des Forums Würth werden vom Haupteingang über einen Empfangsbereich und Museumsshop in zwei unterschiedlich grosse, zenital belichtete Ausstellungsräume im ersten Obergeschoss geführt. Die Konstruktion des Shed-Oberlichts der Ausstellungsräume trägt dabei gleichzeitig die Auskragung des Vordachs.
Im höchsten, nicht öffentlichen Gebäudeteil befinden sich auf vier Geschossen Büroräumlichkeiten. Begegnungsbereiche mit seeseitigen Balkonen, transparente oder geschlossene Sitzungszimmer und Büros wechseln sich hier mit offenen Bürozonen ab.
Eine gläserne Hülle verkleidet das gesamte Gebäude. Diese äussere, hinterlüftete Glasschicht wird mit versetzt angeordneten, leicht grünlichen Glasscheiben mit einer feinen, metallisch glänzenden Gewebeeinlage gebildet. Es entsteht ein feingliedrig rhythmisierter gläserner „Vorhang“, der das Gebäude nicht nur vor Seewind und Strassenlärm, sondern auch vor Wärmeeintrag und Auskühlung schützt. Die innere Haut besteht aus dreifachem Isolierglas sowie Wärmedämmungen mit Blechverkleidungen. Auf den Dachflächen setzt sich die gläserne Materialisierung in Form von Photovoltaik-Elementen und grünen Glasscherben aus Recyclingglas für die Dacheindeckung fort.
Besucherzentrum des Museums Kalkriese
Der Neubau des Besucherzentrums wurde dem Archäologischen Museum und Park Kalkriese ergänzt und markiert nun dessen Zugang. Im Erdgeschoss liegen Funktionen des Eingangsbereiches mit Museumsshop und Kindermuseum. Der Saal im Obergeschoss ist multifunktional nutzbar, er kann als zusätzliche grosse Ausstellungsfläche dienen oder, durch mobile Trennwände in kleinere Räume unterteilt, als Sitzungs- und Tagungsort. Dazu bietet der Raum durch grossformatige Fensteröffnungen zu beiden Seiten Ausblicke ins Freie.
Das Gebäude ist allseitig mit einem Verblendmauerwerk aus Backstein verkleidet. Das bestehende Gehöft und der Neubau verbinden sich über die Materialität der Fassaden zu einem schlüssigen Ensemble und bilden durch ihre Anordnung einen gefassten Aussenraum.
Verkehrshaus der Schweiz – Halle für Strassenverkehr
Das Konzept für die neue Halle für Strassenverkehr weicht vom ersten Entwurf des Wettbewerbs von 1999 ab. Während dort ein dreistöckiges Gebäude mit Betonwandscheiben, tragender, verglaster Fassadenkonstruktion und aussen liegenden brückenartigen Rampen angedacht war, soll der neue Bau zweigeschossig, kostengünstiger und insbesondere flexibler nutzbar sein. Es ist ein Ausstellungsgebäude, das in seiner rudimentären Einfachheit und als ‚dark grey/black box‘ auch an all jene Architekturen erinnert, welche üblicherweise der Aufbewahrung und Behausung von Automobilen dienen – Parkgaragen und Autowerkhallen. In seinem Inneren kommt denn auch ein automatisiertes Parksystem zum Einsatz. Ein von einem Roboterlift bedientes Gestell zeigt die Automobilsammlung dicht übereinander gestapelt und vor Berührungen geschützt. Auf Knopfdruck können die Besucher jedes der Fahrzeuge zu sich bringen lassen und aus der Nähe betrachten. Die offenen Flächen im Erd- und ersten Obergeschoss erlauben parallel dazu unterschiedliche thematische Ausstellungen. Eine einsehbare Fahrzeugwerkstatt zeigt den Besuchern, wie die Fahrzeuge gepflegt und repariert werden.
Die Fassadenhülle des mehrheitlich geschlossenen Baukörpers besteht aus Blechtafeln in verschiedenen Grössen und Farben. Es sind jedoch nicht gewohnte Fassadenbleche und auch nicht (wie noch im Vorprojekt angedacht) die Bleche von Autokarosserien, sondern es sind Verkehrstafeln, die hier wiederverwendet werden: Hinweis-, Gebots- und Verbotstafeln, Richtungs-, Orientierungs- und Ortsschilder. Die Schilderwände, die die Halle für Strassenverkehr räumlich begrenzen, sprechen indirekt von der grossen Freiheit des Individualverkehrs, der mithilfe solcher Tafeln gelenkt und reguliert wird. Die Tafeln verweisen aber auch auf nahe und ferne Ortschaften und Städte, aus denen die Besucher mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln und über verschiedene Verkehrswege zum Verkehrshaus der Schweiz anreisen, um hier mehr über (ihre) Mobilität zu erfahren. Auf der den Nachbargebäuden zugewandten Seite sind die Schilder verkehrt herum montiert. Die bedruckte Seite ist dort zum Gebäude, die unbehandelte, metallene Seite nach aussen gerichtet. Die Nachbarn sehen diese Tafeln folglich so, wie Verkehrsteilnehmer die Schilder des Gegenverkehrs wahrnehmen – von der Rückseite.
Préau des Enfants
Der Préau* des Enfants ist Teil des im Schloss von Mouans-Sartoux angelegten Kunstzentrums Espace de l’Art Concret. Auf Initiative des Stifters wurde der kleine Ausstellungspavillon für das kunstpädagogische Programm kurz nach der Eröffnung des Museumneubaus erstellt.
Der im Schlosspark liegende Baukörper ist über mehrere Pfade fussläufig erreichbar. Ähnlich einem grossen Fenster öffnet er sich zur Natur und rahmt diese. Dabei bildet die horizontale Struktur des hellen, in Sichtbeton gefertigten Pavillons, einen Kontrast zu den dunklen, senkrechten Stämmen der Bäume.
Die massiven Wände und das Dach des Préaus laufen nach innen flügelförmig zusammen. Eine mittig freistehende Wand, mit wettergeschützt eingelassenen Schaukästen zu beiden Seiten, teilt den offenen Raum, so dass zeitgleich Kurse und Veranstaltungen stattfinden können. Zwei lange niedrige Bänke aus Massivholz entlang der offenen Seiten bieten Platz für ganze Schulklassen und dienen als Sitz- oder Stellfläche.
Die Innenwände sind glatt ausgeführt und weiss beschichtet. Aussen ist der Beton roh belassen, dessen sichtbare Holzschalung der Oberfläche eine organische Textur verleiht. So fügt sich das objekthafte Gebäude in seine Umgebung ein, zwischen zeitgenössische Kunst und Natur.
* franz.: überdachter offener Schulhof Pavillon
Umbau Kunstmuseum Basel und Bibliothek Laurenzbau
Die räumliche Expansion des Kunstmuseum Basel in das benachbarte ehemalige Bankgebäude ermöglichte massgebliche Verbesserungen in der räumlichen Organisation des Museumsgebäudes und erlaubte es, zusätzliche Ausstellungsflächen zu schaffen. An beiden historischen Gebäuden, dem Kunstmuseum der Architekten Rudolf Christ und Paul Bonatz von 1936 ebenso wie dem Laurenzbau – dem ehemaligen Gebäude der Nationalbank von 1926, entworfen von den Architekten Suter & Burckhardt – waren dafür in Teilbereichen bauliche Modifikationen notwendig. Auf einen Anbau für Wechselausstellungen, wie noch beim Wettbewerb von 2001 angedacht, wurde verzichtet.
Der Charakter und die Eingriffstiefe der verschiedenen baulichen Massnahmen sind sehr unterschiedlich und reichen vom Schaffen neuer räumlicher Zusammenhänge über Rekonstruktionen des originalen Zustands bis zu sanften ‚Pinselsanierungen‘. Um den Museumsbetrieb möglichst wenig zu stören, vollzogen sich die Umbauarbeiten in mehreren Etappen.
Im Museumsgebäude wurden insbesondere die ehemaligen Bibliotheksräume zu Ausstellungsräumen und zu einem Bistro umgebaut. Grosszügige Vitrinen, Türen und Fenster in den Arkaden ‚öffnen‘ das Museumsgebäude nun zur Strasse, sind Willkommensgesten für Bistrogäste und Museumsbesucher. Eine Treppen-Rampen-Anlage aus grauem Sandstein erhebt sich aus dem rotgrau geäderten Sandsteinbelag der Arkaden und führt zum neuen Bistroeingang.
Der ehemalige schmale Bibliotheksgang bildet neu den Gastraum des Bistros. Auf dem langgestreckten Ledersofa sitzend, schauen die Gäste durch die neuen Fenstertüren hinaus auf das Geschehen im grossen Skulpturen- und Eingangshof des Museums. In der angrenzenden Bar bildet eine Theke aus blankem, glänzendem Messing den Mittelpunkt. Diese Materialbehandlung steht in einem auffälligen Gegensatz zu den matten und dunkelbraunen Oberflächen der verwandten Baubronze, die bei Fenstern und Türen ebenfalls Verwendung fand – bei den historischen wie bei den neuen.
Der Umgang um den kleinen Hof und die hohe Eingangshalle wurden nur sanft renoviert, alle Eingriffe aber so gestaltet, dass die Halle wieder zum zentralen Ausgangspunkt und Verteilraum werden kann. Ein lasierender Farbanstrich, eine neue Beleuchtung und die inselartige Anordnung des Kassenkorpus sind die wenigen Veränderungen in diesem Raum. Das Freispielen des Umgangs um den kleinen Hof im Erdgeschoss war daneben ein wichtiger Schachzug im Umbauprojekt. Dieser Umgang und Korridor wurde ursprünglich bereits als Ausstellungsraum genutzt, zwischenzeitlich aber als Café und Garderobenraum verwendet. Mit einer neuen Beleuchtung versehen, neu verputzten Wänden und Decken und einer reduzierten Anzahl von Türöffnungen dient der Umgang nun als grosszügiger Ausstellungsraum für zeitgenössische Skulpturen und Reliefs.
Umbau Kunstmuseum Basel
Bibliothek Laurenzbau
Donation Albers-Honegger Espace de l’Art Concret
Das neue Museumsgebäude des Espace de l’Art Concret (EAC) wurde für die Donation Albers-Honegger geschaffen, deren Kunstsammlung seit den 1990er-Jahren mit wechselnden Exponaten im kleinen Schloss von Mouans-Sartoux gezeigt wurde. Die Räume im Schloss werden künftig vor allem für Wechselausstellungen verwendet.
Das neue Museum ist nach dem ebenfalls von Albers-Honegger initiierten Kindermalatelier (‚Espace Art, Recherche, Imagination‘) des Architekten Marc Barani der zweite freistehende Ergänzungsbau. Ein drittes kleines Bauwerk, das Préau des Enfants, wurde kurz nach dem Museumsgebäude erstellt. Museumsgebäude und Préau sind in das teilweise sehr steil abfallende Waldstück des Schlossparks gesetzt.
Durch den minimalen, quadratischen Grundriss und die turmartige Höhenentwicklung des Museumsgebäudes mit Auskragungen wurde der Baumbestand des Waldes weitestgehend geschont.
Die Positionierung in der steilen Waldböschung ermöglicht ebenerdige Zugänge auf mehreren Geschossen. Eine Auskragung bildet den Eingangsraum zum Museum und formt gleichzeitig eine Brücke zum bestehenden Weg. Der Zugang zum öffentlichen Konferenzraum und die Anlieferung heben sich ebenfalls durch Ausstülpungen vom Volumen des Baukörpers ab.
Die Positionierung in der steilen Waldböschung ermöglicht ebenerdige Zugänge auf mehreren Geschossen. Eine Auskragung bildet den Eingangsraum zum Museum und formt gleichzeitig eine Brücke zum bestehenden Weg. Der Zugang zum öffentlichen Konferenzraum und die Anlieferung heben sich ebenfalls durch Ausstülpungen vom Volumen des Baukörpers ab.
Der Eingang zum Museum liegt ein halbes Stockwerk über dem ersten Ausstellungsgeschoss. In einem spiralartig angelegten Rundgang werden die halbgeschossig versetzten Stockwerke des Museums über offene Treppen erschlossen. Zwei geschlossene Treppenhäuser mit Oberlicht dienen als Fluchttreppen, bieten den Besuchern aber auch eine Abkürzungsmöglichkeit am Ende des Rundgangs. Sie stellen zusammen mit dem Lift die innere vertikale Verbindung zwischen dem Konferenzraum und den Nebenräumen in den unteren Geschossen her.
Die Anordnung der Ausstellungsräume entlang den Fassaden, die Belichtung mit seitlichen Fenstern und insbesondere die Raumproportionen erinnern eher an die Räumlichkeit eines grossen Wohnhauses als an diejenige eines klassischen Museums. So ergibt sich zwar nicht die vielerorts gewünschte museumsartige, gleichmässige Belichtung der Räume, doch erlaubt diese Lösung gemäss dem ausdrücklichen Wunsch der Stifter ein lebendiges ‚In-Bezug-Setzen‘ der Kunst zur Aussenwelt und eine Wahrnehmung der Werke unter verschiedenen Lichtverhältnissen. Die Fensteröffnungen sind in den verschiedenen Räumen unterschiedlich hoch angeordnet. In Anlehnung an den Typus des Kastenfensters kommen zwei Verglasungen zum Einsatz. Die äussere, auf die Fassade aufgesetzte Glasscheibe übernimmt primär den Wind- und Regenschutz, die innere, zu öffnende Verglasung ist für die Dichtigkeit und die Wärmeisolation verantwortlich. Der Sonnenschutz in Form eines Stoffrollos ist dadurch wind- und wettergeschützt zwischen den beiden Fenstern angeordnet. Dieser Sonnenschutz dient auch dazu, das Fenster bei Bedarf in einen reinen ‚Lichtspender‘, ein leuchtendes Paneel ohne Aussicht, zu verwandeln.
Der Baukörper besteht aus gegossenem Ortbeton. Den Moos- und Algenbefall der Betonoberflächen antizipierend, der sich durch die Nähe zu den Bäumen einstellen wird, ist der Beton grünlich gelb gestrichen. Der helle Gelbgrün-Ton erzeugt interessanterweise zwei vollkommen gegensätzliche Effekte – einerseits eine kontrastierende, leuchtende Wirkung und andererseits eine harmonische Überlagerung mit den wechselnden Farbschattierungen der Bäume.
Archäologisches Museum und Park Kalkriese
Aufgrund zahlreicher archäologischer Funde gilt das Gebiet bei Kalkriese, Osnabrück, als Ort der berühmten Schlacht der Germanen gegen die Römer 9 n. Chr. – «Varusschlacht» oder auch «Schlacht am Teutoburger Wald» genannt.
Das Projekt umfasst einige wenige Massnahmen, an die die Vorstellung der Besucher des hier Geschehenen anknüpfen soll. Die gewählten landschaftsgestalterischen und architektonischen Mittel sind in ihrer Charakteristik mehrheitlich abstrakt statt darstellend, symbolisch statt figurativ: Rodung und Neuaufforstungen, eine partielle Rekonstruktion der ehemaligen Landschaft, die Visualisierung des Wallverlaufs mittels Stahlstangen, drei Wegsysteme im Gelände sowie drei Pavillons und ein Museumgebäude.
Unregelmässig ausgelegte Stahlplatten, mit vereinzelten historischen und zeitgenössischen Schriftfragmenten, zeichnen den wahrscheinlichen Verlauf der Route der römischen Legionäre nach und führen den Besucher über das ehemalige Schlachtfeld. Die Stellungen der Germanen im Wald werden mit schmalen, netzartig angelegten Holzschnitzelpfaden dargestellt und versinnbildlichen ihre Tarnung, ihre vielfältigen Angriffs- und Rückzugsmöglichkeiten. Ein der Gegenwart zugeordnetes Wegenetz aus Kies erlaubt den Besuchern, neben den Standorten der Römer und der Germanen, das ganze Gelände zu erkunden und «die Seiten zu wechseln». Auf der Route der Römer, von Platte zu Platte fortschreitend und die Informationsbruchstücke «vom Boden sammelnd», vervollständigt sich im Kopf des Besuchers Stück für Stück eine Vorstellung von der damaligen kriegerischen Situation.
Drei Pavillons im Feld – «Sehen», «Hören» und «Fragen» – fungieren als «Wahrnehmungsinstrumente». Sie vertiefen und relativieren die im Freien gewonnenen Eindrücke.
Der Museumsbau besteht aus einem vom Erdboden abgehobenen, eingeschossigen Baukörper und einem turmartigen Aufbau. Analog zu den Pavillons ist er als Stahlskelett-Konstruktion errichtet und mit grossflächigen rostenden Stahlplatten beplankt. Aus einer Höhe von fast vierzig Metern kann das Gelände des einstigen Schlachtfeldes vogelschauartig überblickt werden. Im Rumpf des Gebäudes befindet sich die eigentliche Ausstellung, in der die Fundgegenstände zu sehen sind. Das Sparsame und Abstrakte der Landschaftseingriffe wird in der Ausstellung durch Figuratives aufgewogen. Ab und an erhellen grosse seitliche Fenster partiell den Raum und gewähren Ausblicke zurück auf die Landschaft, auf das frühere Schlachtfeld.
Museum
Landschaft
Pavillon «Sehen»
Pavillon «Hören»
Pavillon «Fragen»
Kunstmuseum Appenzell
Dem Werk der beiden Appenzeller Maler Carl August Liner und Carl Walter Liner gewidmet, gehört der Bau zum Typus der monographischen Museen. Gleichwohl sind die Ausstellungsräume nicht speziell für bestimmte Kunstwerke des einen oder des andern Malers dimensioniert oder gestaltet. Vielmehr sind sie so beschaffen, dass sie sich für die Hängung der Werke beider Künstler ebenso eignen wie für periodische Wechselausstellungen auch zeitgenössischer Kunst.
Somit handelt es sich um allgemeine, nicht um spezifische Räume. Es sind stille, schlichte Räume, welche die Kunstwerke weder überhöhen noch erdrücken wollen. Zurückhaltend im Detail, haben sie helle Wände, einen Fussboden aus gegossenem Beton und werden jeweils von oben, über ein befenstertes Giebeldach, mit Tageslicht erhellt.
Verhältnismässig geringe Raumgrössen erlauben es, für die einzelnen Bilder ein möglichst konzentriertes Umfeld zu schaffen. Die gesamte Ausstellungsfläche gliedert sich in zehn Räume von jeweils 30 bis 50 Quadratmetern. Die verschiedenen Raumgrössen entstehen einerseits durch eine asymmetrisch angeordnete Mittelwand, andererseits durch die sukzessive Verringerung der Raumtiefen von Süden nach Norden. Eine wechselweise mäandrierende oder geradlinige Wegführung durch das Museum ergibt sich durch das Versetzen oder das Hintereinanderschalten der Türöffnungen - zum Zwecke der Verlangsamung des Schritts. Zwei Seitenfenster erlauben den Besuchern den Ausblick ins Freie wie auch die Orientierung im Gebäude. Eine kleiner Leseraum und ein Raum für Dia- und Videovorführungen befinden sich am nördlichen Ende des Gebäudes, also in der Mitte des Museumsrundgangs. Den architektonischen Auftakt zum Museumsbesuch bildet die grosse Eingangshalle mit dem Empfangs- und Verkaufstresen. Als grösster Raum ist sie der geeignete Ort für Versammlungen, Ansprachen und Vorträge.
Die Tragkonstruktion des Gebäudes besteht aus gegossenem Beton und gemauerten Gasporen-Betonsteinen. Die Massivität der Konstruktion und die Nordorientierung der Dachfenster ergibt bei minimaler Klimatisierung ausgeglichene Temperatur- und Feuchtigkeitswerte in den Ausstellungsräumen. Das aus dem Volumen herausgestülpte Vestibül aus Sichtbeton veranschaulicht die Materialität und Massivität der Gebäudekonstruktion auch gegen aussen.
Das Belichtungssystem der Ausstellungsräume mit unterschiedlich hohen und breiten Giebeln ergibt eine ‚Zick-Zack-Form' des Bauvolumens, die zum einen entfernt an die zusammengebauten Satteldächer der Appenzeller Ortschaften erinnert, zum andern aber auch an die regelmässigeren Shed-Dachformen von Gewerbe- und Agrarbauten denken lässt. Einerseits um Diffusität des reflektierten Lichts, andererseits um Neutralität der Lichtfarbe zu erzielen, sind die Dachflächen mit sandgestrahlten Chromstahlblechen verkleidet. Die Fassadenflächen bestehen aus dem gleichen Material. Sowohl die schuppenähnliche Überlappung der Bleche als auch die matt grau schimmernde Farbe des Materials erinnern an die von der Witterung silbern ergrauten Schindelfassaden und vormals auch Schindeldächer der traditionellen Appenzeller Bauweise. Identisch materialisiert, verbinden sich die Fassaden mit den unterschiedlich geneigten Dachflächen zu einem kleinen ‚Volumengebirge' - vor dem Hintergrund des Alpsteins.