Umbau ehemaliges Industriegebäude Diagonal, Maag-Areal

Als architektonisch interessanter Zeuge der Industriegeschichte des Ortes, der ehemaligen MAAG Zahnradfabrik, konnte das Diagonal-Gebäude erhalten bleiben. Die Tragkonstruktion und die Fassaden wurden sorgfältig saniert. Die noch bestehenden feinen Glasprofile wurden instand gesetzt und durch innere isolierende Verglasungen ergänzt. Das Diagonal enthält ein Restaurant im Erdgeschoss und Ausstellungsräume in den Obergeschossen.

Ort Zürich

Nutzung Denkmalgeschütztes Industriegebäude, mit Restaurant im Erdgeschoss, Kunstgalerien, Büroflächen

Wettbewerb 2004, 1. Preis

Bauherrschaft Swiss Prime Site AG, Olten
Bauherrenvertretung: Perolini Baumanagement AG, Zürich

Geschossfläche 2‘759 m2

Team G/G Planung/Ausführung: Stefan Thommen (Team/Projektleitung) Pieter Rabijns (Projektleitung), Alex Zeller, Urs Meyer, Raffaella Bisceglia
Wettbewerb: Stefan Thommen

Totalunternehmung ARGE Prime Tower
Losinger Construction AG und Karl Steiner, Zürich

Landschaftsarchitektur Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, Zürich

Kosten/Terminplanung Bauprojekt /TU-Submission: b+p baurealisation ag, Zürich

Statik Wettbewerb (W): Dr. Schwartz Consulting AG, Zug
Submission (S): Dr. Schwartz Consulting AG, Zug und Dr. Lüchinger + Meyer AG, Zürich und Freihofer & Partner AG, Zürich
Ausführung (A): Walt + Galmarini AG, Zürich mit Dr. Schwartz Consulting AG, Zug, Dr. Lüchinger + Meyer AG, Zürich, Bänzinger Partner AG, Richterswil, Freihofer & Partner AG, Zürich

Elektrotechnik S: IBG Graf AG, St.Gallen
A: Hefti Hess Martingnoni, Zürich

Brandschutz S: Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See
A: Gruner AG, Basel mit Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See

Heizung/Kälte S/A: PB P. Berchtold, Sarnen

Lüftung W/S: Waldhauser AG, Münchenstein
A: Hans Abicht AG, Zürich

Sanitär S: PB P. Berchtold, Sarnen
A: GRP Ingenieure, Rotkreuz

Sprinkler S: PB P. Berchtold, Sarnen
A: GRP Ingenieure, Rotkreuz

Fotos © Valentin Jeck
© Walter Mair
© Thies Wachter

Auszeichnung Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich 2011–2015

Anbau/Renovation einer historischen Villa, Kastanienbaum

Die spätklassizistische Villa im Stil eines italienischen Landhauses wurde 1860 als Sommerhaus in einem grossen Park oberhalb des Vierwaldstättersees erbaut. Der Bau wird dem Architekten Xaver Waller zugeschrieben. 1927 wurde die Villa im Inneren tiefgreifend umgestaltet und um einen Anbau für die Küche ergänzt.

Für den heutigen Besitzer der Villa wurde ein Projekt erarbeitet, das unterschiedliche Eingriffstiefen vorsah. Die Spannbreite des Umbaus reichte von der Reinigung, der Abtragung von Tapeten, der Instandsetzung und Wiederherstellung über punktuelle, explizit dialektische Eingriffe bis hin zum Ersatz des angebauten Küchenflügels durch einen Neubau. Auf eine Rekonstruktion der ursprünglichen räumlichen und statischen Gegebenheiten vor dem ersten Umbau wurde jedoch verzichtet.

Zur ersten Kategorie zählen unter anderem die Ausbesserungen der Sandsteingewände, das Schleifen und Ölen der vorgefundenen Parkettböden sowie die teilweise Verwandlung von einfach verglasten Holzfenstern zu Doppelverglasungsfenstern unter Verwendung der bestehenden Gläser und Fensterflügelrahmen. Besondere Erwähnung verdient das kleine Turmzimmer: Die von Tapeten befreiten Wände zeigten eine so beeindruckende Patina und überdies Bleistiftzeichnungen von früheren Handwerkern, dass dieser rohe Zustand sichtbar belassen wurde.

Unter den punktuellen Eingriffen sind der Einbau eines Cheminées aus Messing im grossen Salon zu nennen sowie des zentralen Küchenkorpus aus Chromstahl im kleinen Salon. Auch die Renovation der Bäder, deren Lage beibehalten wurde, gehört in diese mittlere Kategorie. Sie wurden mit neuen Apparaten, Bodenbelägen aus Eichenholz sowie Wandbelägen aus geätzten Spiegelflächen ausgestattet. Die freistehende Badewanne wurde eigens für das grosse Badezimmer angefertigt.

Den radikalsten Eingriff bildete der Abbruch des ehemaligen Küchenanbaus aufgrund seines schlechten baulichen Zustands. An seiner Stelle wurde eine Garage mit angrenzendem Werkatelier errichtet, deren Dach als Terrasse dient und sowohl von der Villa als auch vom Garten her zugänglich ist. Spaliergitter verkleiden den eingeschossigen Baukörper aus Beton und überspannen den darüberliegenden Terrassenraum. Durch diese Art «Überhöhung» erhält der Anbau im Verhältnis zur Villa eine angemessene Grösse und Proportion. Die typischen Architekturelemente der Villengärten des 19. Jahrhunderts, die Gartenlaube und die Remise, werden hier gewissermassen «verschränkt» und der Villa angegliedert. Zwischen die Grüntöne der Sandsteinarbeiten der Villa und die des Parks «flechten» sich die Olivtöne des Gitters und des eingefärbten Betons und verbinden Haus und Garten auch auf der Ebene der Farben.

Ort Kastanienbaum

Nutzung privates Wohnhaus; Renovation bestehende Villa: Salon mit Cheminée, Sekretariat mit Möblierung, Zimmer, Kücheneinbau, Badeinbauten
Anbau: Garage mit Werkstatt/Atelier, Dach als Terrassenraum/Gartenlaube

Beauftragung 2002

Planung/Ausführung 2002–2004

Bauherrschaft privat

Geschossfläche 1'070 m2

Team G/G Barbara Schlauri (Projektleitung)

Bauleitung Ruoss Witzig Architekten, Zürich

Statik Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Zürich

Elektrotechnik Bühlmann Engineering AG, Luzern

Haustechnik 3-Plan Haustechnik AG, Winterthur

Fotos © Lucas Peters

Auszeichnung Schweizer Denkmalpreis der Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger, 2009

Umbau Kunstmuseum Basel und Bibliothek Laurenzbau

Die räumliche Expansion des Kunstmuseum Basel in das benachbarte ehemalige Bankgebäude ermöglichte massgebliche Verbesserungen in der räumlichen Organisation des Museumsgebäudes und erlaubte es, zusätzliche Ausstellungsflächen zu schaffen. An beiden historischen Gebäuden, dem Kunstmuseum der Architekten Rudolf Christ und Paul Bonatz von 1936 ebenso wie dem Laurenzbau – dem ehemaligen Gebäude der Nationalbank von 1926, entworfen von den Architekten Suter & Burckhardt – waren dafür in Teilbereichen bauliche Modifikationen notwendig. Auf einen Anbau für Wechselausstellungen, wie noch beim Wettbewerb von 2001 angedacht, wurde verzichtet.

Der Charakter und die Eingriffstiefe der verschiedenen baulichen Massnahmen sind sehr unterschiedlich und reichen vom Schaffen neuer räumlicher Zusammenhänge über Rekonstruktionen des originalen Zustands bis zu sanften ‚Pinselsanierungen‘. Um den Museumsbetrieb möglichst wenig zu stören, vollzogen sich die Umbauarbeiten in mehreren Etappen.

Im Museumsgebäude wurden insbesondere die ehemaligen Bibliotheksräume zu Ausstellungsräumen und zu einem Bistro umgebaut. Grosszügige Vitrinen, Türen und Fenster in den Arkaden ‚öffnen‘ das Museumsgebäude nun zur Strasse, sind Willkommensgesten für Bistrogäste und Museumsbesucher. Eine Treppen-Rampen-Anlage aus grauem Sandstein erhebt sich aus dem rotgrau geäderten Sandsteinbelag der Arkaden und führt zum neuen Bistroeingang.

Der ehemalige schmale Bibliotheksgang bildet neu den Gastraum des Bistros. Auf dem langgestreckten Ledersofa sitzend, schauen die Gäste durch die neuen Fenstertüren hinaus auf das Geschehen im grossen Skulpturen- und Eingangshof des Museums. In der angrenzenden Bar bildet eine Theke aus blankem, glänzendem Messing den Mittelpunkt. Diese Materialbehandlung steht in einem auffälligen Gegensatz zu den matten und dunkelbraunen Oberflächen der verwandten Baubronze, die bei Fenstern und Türen ebenfalls Verwendung fand – bei den historischen wie bei den neuen.

Der Umgang um den kleinen Hof und die hohe Eingangshalle wurden nur sanft renoviert, alle Eingriffe aber so gestaltet, dass die Halle wieder zum zentralen Ausgangspunkt und Verteilraum werden kann. Ein lasierender Farbanstrich, eine neue Beleuchtung und die inselartige Anordnung des Kassenkorpus sind die wenigen Veränderungen in diesem Raum. Das Freispielen des Umgangs um den kleinen Hof im Erdgeschoss war daneben ein wichtiger Schachzug im Umbauprojekt. Dieser Umgang und Korridor wurde ursprünglich bereits als Ausstellungsraum genutzt, zwischenzeitlich aber als Café und Garderobenraum verwendet. Mit einer neuen Beleuchtung versehen, neu verputzten Wänden und Decken und einer reduzierten Anzahl von Türöffnungen dient der Umgang nun als grosszügiger Ausstellungsraum für zeitgenössische Skulpturen und Reliefs.

Ort Basel

Nutzung Räumliche Neuorganisation, Umbaumassnahmen und Rekonstruktionen Kunstmuseum Basel und Laurenzbau; Umbau der ehemaligen Bibliotheksräume im Kunstmuseum zu Ausstellungsräumen und Bistro, Sanierung Kupferstichkabinett; Renovation Eingangshalle und Skulpturen-Umgang; Umbau Laurenzbaus in Bibliothek

Wettbewerb 2001, 1. Preis (Neubau und Umbau)

Planung/Ausführung 2003–2007 in vier Etappen (Umbau ohne Erweiterung)

Bauherrschaft Hochbau- und Planungsamt, Hauptabteilung Hochbau
Baudepartement des Kantons Basel-Stadt

Geschossfläche 6‘500 m2

Team G/G Planung/Ausführung: Christian Maggioni (Projektleitung), Florian Isler
Wettbewerb: Barbara Schlauri, Sergej Klammer, Christof Bhend

Bauleitung Annette Gigon / Mike Guyer Architekten, Zürich
Mitarbeit: Thomas Hochstrasser

Statik Rapp Infra AG, Basel

Elektrotechnik Elektrizitäts AG, Basel

Haustechnik Aicher, De Martin, Zweng AG, Luzern

Möblierung Annette Gigon / Mike Guyer Architekten, Zürich
mit Hannes Wettstein, Zürich

Fotos © Heinrich Helfenstein

Auszeichnung Bautenprämierung des Heimatschutz Basel, 2007

Umbau Kunstmuseum Basel

Bibliothek Laurenzbau

Wohnüberbauung und Umbauten Pflegi-Areal

Auf dem Areal des ehemaligen Spitals Pflegerinnenschule formt die neue Wohnüberbauung, zusammen mit den Bestandesbauten der Gebrüder Pfister von 1934 eine grossmassstäbliche Anlage mit weiten Hofräumen und Garten. Die gestufte Höhenentwicklung der beiden langezogenen Neubauten vermittelt zwischen den freistehenden, kleinmasstäblichen Wohnhäusern des Quartiers.

Die 2,5 bis 6,5 Zimmer-Wohnungen sind mehrheitlich Etagenwohnungen. Eine mittige Anordnung der Nebenräume und Nasszellen ermöglicht einen Rundlauf und beheizbare «Jahreszeitenzimmer» lassen sich bei schönem Wetter zu offenen Loggien wandeln.

Ortbeton wurde für die Baukonstruktion, die Fassaden wie auch die Bodenbeläge im Inneren verwendet. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Adrian Schiess wurden matte, mineralische Farbeanstriche für drei Längsfassaden vorgesehen und damit insbesondere die Stimmung der Freiräume geprägt. Im Carmenhof stehen sich ein Gelbgrün und Weiss gegenüber und ein starkes Blau bildet die «Hintergrundsfarbe» für den Baumbestand im Garten.

Ort Zürich

Nutzung Neubauten mit 48 Wohnungen, 11 Ateliers, 1 Arztpraxis; Tiefgarage 112 Stellplätze; Umbau Bestand (ehemaliges Spital) zu Büroräumen

Wettbewerb 1999, 1. Preis

Planung/Ausführung 1999–2002

Bauherrschaft Stiftung Diakoniewerk Neumünster
Schweizerische Pflegerinnenschule, Zürich

Geschossfläche 15’199 m2

Team G/G Planung/Ausführung: Neubauten: Christian Maggioni (Projektleitung), Gaby Kägi, Philippe Vaucher, Ivo Lenherr, Arnault Biou
Altbauten: Christian Maggioni (Projektleitung), Peter Steiner (Bauleitung), Andrea Fiechter, Eva Geering
Wettbewerb: Gaby Kägi, Pascal Müller

Bauleitung Neubauten: Ruoss Witzig Architekten, Zürich
Altbauten: Annette Gigon / Mike Guyer Architekten Zürich
Mitarbeit: Peter Steiner

Landschaftsarchitektur Zulauf Seippel Schweingruber, Baden

Statik Basler & Hofmann AG, Zürich

Haustechnik Basler & Hofmann AG, Zürich

Bauphysik Basler & Hofmann AG, Zürich

Farbgestaltung Adrian Schiess, Zürich und Mouans-Sartoux, Frankreich

Fotos © Seraina Wirz
© Heinrich Helfenstein
Historische Luftaufnahme: © Baugeschichtliches Archiv, Wolf-Bender

Auszeichnung Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich, 2005

 

Umbau und Anbau Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz»

Die Villa am Römerholz erfährt mit dem An- und Umbau ein weiteres Mal eine bauliche Veränderung. 1915 wurde das Wohnhaus im Auftrag des damaligen Besitzers Heinrich Ziegler-Sulzer vom Genfer Architekten Maurice Turrettini im Stil eines französischen Landhauses gebaut. 1924 erstand Oskar Reinhart das Haus und liess 1925 vom selben Architekten einen Galerieanbau zur Unterbringung seiner im Wachsen begriffenen Kunstsammlung erstellen. Nach seinem Tod 1965 vermachte Oskar Reinhart die Liegenschaft mitsamt der international bedeutenden Sammlung der Eidgenossenschaft. Nach einem grundlegenden Umbau wurden 1970 das Erdgeschoss des Wohnhauses und die Galerieräume als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die neuerlichen Umbau- und Renovationsarbeiten gelten den veränderten lichttechnischen, betrieblichen und sicherheitsmässigen Anforderungen, die heute an Museumsräume gestellt werden. Das Hauptaugenmerk kommt dabei der verbesserten Präsentation der hochkarätigen Kunstwerke zu. Die architektonischen Mittel zur Erreichung der divergenten Anforderungen reichen vom Ersetzen zweier bestehender Ausstellungsräume durch neu gebaute über einfache Renovierungssarbeiten bis hin zum weitgehenden Wiederherstellen der historischen Raumdispositionen und Materialisierungen. Die Bauaufgabe gliedert sich in der Folge in eine Vielzahl von differenzierten Eingriffen. Darunter fallen beispielsweise die räumliche Trennung des Eingangsraumes von der Garderobe - um mehr Platz für den Empfang der Besucher zu schaffen-, die Rückführung der räumlichen Anordnung des ehemaligen Esszimmers, die Wiederherstellung von ehemaligen Fenstern zur Belichtung von Skulpturen, die Rekonstruktion der früheren Parkettböden in den Galerieräumen, aber auch das Hinzufügen von vorgehängten, geätzten Gläsern im Laternenbereich der grossen Galerie oder das Einsetzen von sensorgesteuerten Lamellen zur Regulierung der Lichtstärke.

Die gewichtigste Änderung sind die drei neuen Ausstellungsräume, welche den Übergang zwischen dem ehemaligen Wohnhaus und dem Galerieteil markieren. Die drei Räume besitzen entsprechend ihren künftigen Exponaten verschiedene Grössen und Proportionen. Der grössere Raum soll Ölbilder aufnehmen, die beiden kleineren Räume sind für lichtempfindliche Grafiken vorgesehen. Alle drei Räume werden durch Tageslicht belichtet; elektronisch gesteuerte Lamellen dämpfen die Lichtintensität. Eine lampenartig von der Decke abgehängte Oberlichtverglasung verteilt das Licht gleichmässig im Raum.

Nach aussen zeichnen sich die neuen Ausstellungssäle mit den Oberlichtaufbauten als geschlossene, sich nach oben verjüngende Kubaturen aus Beton ab. Gelenkartig zwischen den Wohnbau und den Galerieteil geschoben, schliessen sie den Eingangshof stirnseitig ab. Die Dachflächen sind wie der bestehende Galerieteil mit Kupferblechen eingedeckt. Grosse, vorgefertigte Betonelemente bilden die Verkleidung der Wände und der zurückspringenden Oberlichtaufbauten - Betonelemente, denen zwei der hauptsächlichen Materialien der bestehenden Villa, Jurakalkstein und Kupfer, als zerkleinerte Ingredienzen beigefügt wurden. Das Kalksteinmehl und das Kupferpulver führen kombiniert zu einer rasch einsetzenden Oxidation und damit zu einer Grünfärbung der Betonplatten. Mit Kupferionen angereichertes Dachwasser verstärkt den Verfärbungsprozess der Fassaden im Lauf der Zeit noch. Der Neubau soll durch diese beschleunigte Patinierung eine Art ‚Zeitreise' zu den beiden älteren, historisierenden Gebäudeteilen machen - im Sinne einer ‚alchemistischen' Adaption des Neubaus an den genius loci.

Ort Winterthur

Nutzung Renovation und Umbau ehemaliges Wohnhaus Villa «Römerholz»: Eingangshalle, Ausstellungsräume, Café
Neubau: 3 Ausstellungsräume

Wettbewerb 1993, 1. Preis

Planung/Ausführung 1995–1998

Bauherrschaft Bundesamt für Bauten und Logistik, Bern

Geschossfläche 136 m2 (drei neugebaute Ausstellungsräume)
Hauptnutzfläche (SIA 416): 1‘000 m2 (gesamte renovierte Ausstellungsfläche)

Team G/G Planung/Ausführung: Andreas Sonderegger (Projektleitung), Markus Jandl, René Kümmerli
Wettbewerb: Raphael Frei, Michael Widrig, Judith Brändle

Landschaftsarchitektur Kienast Vogt Partner, Zürich

Elektrotechnik Elkom Partner AG, Chur

Haustechnik Waldhauser Haustechnik AG, St.Gallen

Tageslichttechnik Institut für Tageslichttechnik Stuttgart, Deutschland

Kunstlichttechnik Lichtdesign Ingenieurgesellschaft mbH, Köln, Deutschland

Signaletik Trix Wetter, Zürich

Fotos © Andrea Helbling
© Harald F. Müller

Hörsaal Universität Zürich

Ein neuer, grosser, unmittelbar der Universität angegliederter Hörsaal mit fünfhundert Sitzplätzen wurde unter die talseitige Terrasse des Universitätsgebäudes von Karl Moser von 1913/1914 eingebaut. Der Raum dient als neues Auditorium Maximum sowie als zweite Aula und soll überdies während der Wochenenden und der Semesterferien von Dritten als Kongresssaal gemietet werden können.
Über ein Foyer im Erdgeschoss, den ehemaligen Skulpturen-Ausstellungsraum, der zwischenzeitlich als Institutsbibliothek genutzt wurde, wird der Hörsaal sowohl von aussen als auch vom Universitätsgebäude her erschlossen. In den Nischen der Kreuzgewölbe angeordnete zweiläufige Treppen führen zum tiefer gelegenen Hörsaal. Ein weiterer, rollstuhlgängiger und mit Lift erschlossener Zugang erfolgt von der Seite der Mensa.

Das Innere des Hörsaals ist – in Analogie zum farbig gestalteten Inneren des Moser-Gebäudes – mit farbig lackierten Platten ausgekleidet. Diese Platten übernehmen die Schallabsorption sowie die Verkleidung der Lüftungs- und Elektroinstallationen. Der Künstler Adrian Schiess hat für diesen Raum einen Farbklang von hell- und dunkelrosaroten, hellblauen und graugrünen Tönen entworfen, während die Verglasungen der Dolmetscherkabinen mit einem golden reflektierenden Verlauf bedruckt sind, um die Festlichkeit des Raumes zu unterstreichen.

Ein Oberlicht über der weissen Projektionswand versorgt den Raum mit Tageslicht. Von aussen betrachtet verweist der erhöhte Oberlichtkörper auf den darunterliegenden Hörsaal. Dieselbe Funktion erfüllt indirekt auch ein Wasserbecken, das mittig auf der Terrasse über dem Hörsaal liegt. Die kräftige Farbe des Anstrichs irritiert die gewohnte Wahrnehmung, die ein grünes Bassin erwartet wie diejenigen, die sich in den benachbarten Gartenflächen der Universität befinden. Das Bassin mit seiner reflektierenden Wasserfläche und künstlichen Farbigkeit wirkt wie eine eigenständige, horizontale Skulptur.

Als zusätzlicher Hinweis auf die ‚Raumhaltigkeit‘ des Sockels sind die Stützmauern zur Künstlergasse aus Ortbeton gegossen, dessen Schichten unterschiedlich eingefärbt sind. Von unten nach oben nimmt die Farbigkeit des Betons graduell ab. Die letzten Schichten der Stützmauern sind nur noch fein, und die Betonbodenbeläge der Terrasse und der Beton des Bassins schliesslich gar nicht mehr pigmentiert. Sie werden von der farbigen Beckeninnenseite kontrastiert.

Ort Zürich

Nutzung unterirdischer Hörsaal mit 500 Sitzplätzen, Projektionsraum, Lager, Technikräumen
Umbau bestehendes Foyer im Erdgeschoss als Zugang zum Hörsaal; farbiges Wasserbassin auf der Terrasse über dem Saal

Beauftragung 1996

Planung/Ausführung 1996–2002

Bauherrschaft Hochbauamt Kanton Zürich

Geschossfläche 2‘545 m2

Team G/G Annette Gigon / Mike Guyer, Architekten, Zürich
Mitarbeit: Christian Brunner (Projektleitung), Stefan Gasser, Michael Bucher

Bauleitung Annette Gigon / Mike Guyer Architekten, Zürich
Mitarbeit: Thomas Hochstrasser

Landschaftsarchitektur Hager Landschaftsarchitektur AG, Zürich

Kosten/Terminplanung Othmar Brügger, Davos

Statik SKS Ingenieure AG, Zürich

Farbgestaltung Adrian Schiess, Zürich und Mouans-Sartoux, Frankreich

Fotos © Heinrich Helfenstein

Wohnüberbauung Entrepôt Macdonald

Im Nordosten von Paris, unweit des Parc de la Vilette, entstanden auf der grossmassstäblichen Struktur einer ehemaligen Lagerhalle Wohnbauten, Büros und Läden. Das ehemalige «Entrepôt Calberson-Macdonald» wurde 1969 von dem Architekten Marcel Forest entlang der Bahngleise errichtet und gibt heute mit seiner markanten Betonstruktur und einer Länge von mehr als 600 Metern die Rahmenbedingung für die Erweiterung und städtische Verdichtung vor.

Auf der bestehenden Gebäudestruktur wurden die neuen Aufbauten der 15 beteiligten Architekturbüros, im Rahmen der städtebaulichen Vorgaben, errichtet. Der Bestand zum Boulevard, mit der charakteristischen langgestreckten Fassade, blieb dabei weitgehend erhalten und bildet den Sockel als verbindendes Element des Ensembles. Der Mittelteil des 80 Meter tiefen Gebäudes wurde für die notwendige natürliche Belichtung und zugunsten eines begrünten Hofes bis auf das durchgehende Erdgeschoss abgebrochen.

Gigon/Guyer wurden mit dem Bau von 84 Sozialwohnungen im östlichen Teil des Grundstücks beauftragt. Das entlang des Boulevards Macdonald gelegene Gebäude mit einer Nord-Süd Ausrichtung umfasst acht Geschosse, wovon zwei Teil des Bestands sind. Es galt, innerhalb der urbanistischen Vorgaben des Gesamtprojektes und den Möglichkeiten des sozialen Wohnungsbaus, die Überbauung als eigenständige Architektur mit einer Vielfalt unterschiedlicher Wohntypologien zu entwickeln.

Das längliche Hauptgebäude und zwei vertikale Hofbauten bilden einen kammartigen Grundriss mit zwei inneren Erschliessungskernen in den Kreuzungspunkten. Gartenseitig wird so der Aussenraum gegliedert, zugleich ermöglicht die grossflächige Fassadenabwicklung eine optimale Süd-Ost, Süd-West Ausrichtung der Wohnungen und vielfältige Grundrisse. Die kleineren Wohnungen sind einseitig ausgerichtet, die grösseren Wohnungen orientieren sich beidseitig, mit Küche und Wohnzimmer zum ruhigen Hof. In den Anbauten sind die ebenerdigen Wohnungen doppelgeschossig zum Hof gelegen und verfügen über private Gärten. In den beiden obersten Geschossen finden sich Duplex Wohnungen mit Schlafzimmern in der Attika und Dachterrassen.

Zum Hof sind die Fassade und die Balkone in Abhängigkeit der verschiedenen Wohnungstypen unterschiedlich zueinander geknickt. Dadurch setzt die Fassadengestaltung das Thema der Verschränkung von Innen- und Aussenraum im Hauptvolumen fort. Sie ist mit vertikal fein gewellten, glänzenden Aluminiumblechen verkleidet, die je nach Lichtsituation unterschiedlich wirkt und dem Gebäude seine Leichtigkeit verleiht. Verstärkt wird der Eindruck der Transparenz durch die Perforierung der brüstungshohen Paneele. Diese laufen als durchgehendes Band über die gesamte Länge des Gebäudes, werden boulevardseitig in den mittleren Geschossen fortgeführt und betonen die horizontale Struktur der Fassade. Vor den Balkonen falten sich die gelochten Elemente nach Aussen, verblenden die französischen Fenster und lassen den roten Anstrich durchscheinen.

Der Masterplan sieht boulevardseitig eine Fassadengliederung in horizontalen, kristallinen und  mineralischen Schichten vor – mit einem markanten Rahmen aus Leichtbetonelementen, der die obersten drei Geschosse zusammenfasst. Das Erdgeschoss ist verglast, die beiden Sockelgeschosse mit den breiten horizontalen Bändern und den feinen Gliederungen sind im bestehenden, sorgfältig renovierten Beton materialisiert. Ein feingliedriges, vertikales Geflecht von goldig eloxierten Profilen mit zurückgesetzten Fenstern und geschlossenen Flächen bilden die Füllung der gerahmten, obersten drei Geschosse, in Referenz zur horizontalen Teilung im Betonsockel. Auf Höhe des zweiten und dritten Obergeschosses öffnet ein grosses Stadtfenster den Block und gibt Ein- und Ausblick in den innenliegenden Hof und auf den belebten Boulevard.

Koordination Architekten/Masterplan:
FAA+XDGA / Floris Alkemade et Xaveer de Geyter Architects, Arge, Paris, Frankreich

Ort Paris, Frankreich

Nutzung 84 Sozialwohnungen, 1–5 Zimmer (Ladenlokale im Erdgeschoss nicht durch G/G)

Beauftragung 2008

Planung/Ausführung 2008–2015

Bauherrschaft SNC Paris Macdonald Promotion, Paris, Frankreich
S.A.S. ICADE CAPRI, Paris, Frankreich

Geschossfläche 10‘855 m2

Team G/G Caspar Bresch (Teamleitung bis 2010), Pieter Rabijns (Teamleitung ab 2011), Martin Schwarz (Projektleitung), Eric Sommerlatte

Kontaktarchitekten DVVD Ingénieurs – Architectes - Designers, Paris, Frankreich

Bauleitung Vinci, Paris, Frankreich

Generalunternehmung Vinci, Paris, Frankreich

Landschaftsarchitektur Michel Desvigne, Paris, Frankreich

Kosten/Terminplanung Arcoba, La Plaine Saint Denis, Frankreich

Statik Arcoba, La Plaine Saint Denis, Frankreich

Haustechnik Arcoba, La Plaine Saint Denis, Frankreich

Akustik Acouphen, Pusignan, Frankreich

Fotos © Philippe Ruault
© Cyrille Weiner

Adresse 193–199 Boulevard Macdonald, 75019 Paris

Hotel Züri, Heinrichstrasse

Im ehemaligen Industriegebiet von Zürich-West, eingegliedert in eine gründerzeitliche Blockrandbebauung, wurde in den 1980er Jahren das Hotel «Senator» errichtet. Dieses sollte zum «Hotel Züri by Fassbind» umgebaut werden. Dabei konnte die konstruktive Grundstruktur mit Betondecken und Trennwänden fast unverändert erhalten bleiben – mit Vorteil, denn ein Ersatzbau wäre aus baurechtlichen Gründen kleiner ausgefallen, bei höherem Verbrauch von grauer Energie. Das Dach und die Fassaden wurden jedoch komplett erneuert. Ein Merkmal der historischen Wohn- und Fabrikbauten des Quartiers sind Klinkersteine, ob vorgemauert oder in Rahmenstrukturen eingefüllt. An der Hotelfassade wurden sie in die selbsttragenden, vorgestellten Betonelemente als «Intarsien» eingegossen. Ebenfalls ersetzt wurde der gesamte Innenausbau mitsamt Bädern und Installationen. Sowohl die innere als auch die äussere Erscheinung sind von Gegensatzpaaren geprägt: Tag und Nacht, hell und dunkel, Liegen und Stehen, gemessene Materialfarben und starke Spektralfarben.

So wurden zur Strasse hin dunkelbraune Klinkersteine in die vorfabrizierten Elemente der Fassadenverkleidung eingelegt, zum Hofraum hin beige. Unterschiedlich grosse «Betonköpfe» formen jeweils die oberen beziehungsweise seitlichen Abschlüsse und erklären dabei die Konstruktionsweise mit Elementen. Manche der Pfeiler und Stürze sind gänzlich in Beton gehalten, desgleichen das schützende, schwere Vordach des Eingangsbereichs. Wie die 4 cm tiefen Klinkersteine mit Hilfe von Matrizen in der Betonschalung fixiert wurden, kann man im Durchgang zum Hof nachvollziehen – dort wurden die Matrizen nämlich ohne eingesetzte Steine ausgegossen.

In die grosszügigen Fassadenöffnungen sind raumgrosse Holz-Metall-Fenster aus massivem, dunklem Eichenholz eingefügt. Für die Belichtung der neuen Dachzimmer werden die Chromstahl-Dachflächen abwechselnd von Lukarnen und Dachflächenfenstern durchstossen. Je zwei zusammengefügte Lukarnen akzentuieren die Ecken des Hofflügels – und bereichern im Inneren die zeltartigen Dach-Eckzimmer mit einer «Tageslichtlaterne».

In den Hotelzimmern bestehen die Einbaumöbel aus hellem und dunklem Eichenholz. Grossflächige Spiegel leiten in den Raum und weiten ihn – ebenso wie die Fenster, die die Zimmer zur Stadt hin öffnen. Eine textil bespannte Bank dient als Kofferablage und Sitzgelegenheit. In den grau-beigen Teppichen formulieren eingewobene Buchstaben Guten-Tag- und Gute-Nacht-Wünsche in englischer, französischer, italienischer und deutscher Sprache. Partielle Farbflächen an den Wänden tönen das Licht in den Räumen – das Tageslicht und vor allem das Kunstlicht der eigens für diese Räume geschaffenen LED-Wand- und Stehleuchten.

Grosse Leuchten und Farbflächen akzentuieren auch die Hotelkorridore und «verkürzen» sie optisch. Robuste metallische und zementöse Brusttäfer schützen die Wände vor Rollkoffern und Wäschewagen, und wiederum dämpfen hier schrifttragende Teppiche die Schritte.

Die Lobby im Erdgeschoss weitet sich zusammen mit der Lounge und dem Frühstücksbereich zu einem Raumkontinuum, das sich mit grossen «Schau-Fenstern» zur Heinrichstrasse und zur Stadt ausrichtet. Die Klinkersteine der Fassade bilden hier als eingegossene Scherben den robusten Bodenbelag. Eine Rezeption aus Eiche und Schwarzblech sowie langgezogene Sitzbänke entlang den Wänden und speziell gefertigte Tische, Stühle und Hängelampen empfangen die Gäste.

An der Heinrichstrasse lädt ein weiter Vorplatz mit gegossenen Betonflächen unter dem Halbschatten der Bäume zum Frühstücken im Freien. Im Hof wird das Patchwork der Bodenbeläge mit grobem Kies ergänzt, und grosse Pflanzkörbe aus Armierungseisen ermöglichen den neu gesetzten Laubbäumen oberhalb der Tiefgarage Wurzeln zu schlagen.

Ort Zürich

Nutzung Umbau Hotelgebäude aus den 1980er Jahren (ehemals Hotel Senator)
neu: 167 Zimmer, 317 Betten (vorher: 121 Zimmer, 242 Betten), Lobby mit Lounge und Frühstücksraum, Wellnessbereich, Tiefgarage
Erhalt des Gebäudevolumens und der konstruktiven Grundstruktur, neu: Fassaden, Dach, Innenausbau, haustechnische Installationen

Beauftragung 2012

Planung/Ausführung 2012–2017

Bauherrschaft Hotels by Fassbind

Geschossfläche 6‘280 m2

Team G/G Bauprojekt und Ausführung: Martin Feichtner (Projektleitung), Cornelia Schmidt (Projektleitung Stellvertretung), Eva Rosenova, Matthias Clivio, Christian Gammeter, Nicolas Hunkeler, Maxim Moskalenko, Luisa Wittgen
Vorprojekt bis Baueingabe: Pieter Rabijns (Teamleitung bis Baueingabe), Markus Seiler (Teamleitung bis Vorprojekt), Franziska Bächer (Projektleitung), Martin Schwarz, Meret Morgenthaler

Bauleitung Ghisleni Partner AG, Rapperswil (Subplaner)

Landschaftsarchitektur Rainer Zulauf, Studio Vulkan Landschaftsarchitektur, Zürich

Statik Henauer Gugler AG, Zürich

Elektrotechnik pbp ag engineering, Zürich

Haustechnik Gruenberg + Partner AG, Zürich

Bauphysik Gartenmann Engineering AG, Zürich

Brandschutz Basler & Hofmann AG, Zürich

Akustik Gartenmann Engineering AG, Zürich

Fotos © Roman Keller

Umbau ehemaliges Bauernhaus, Kanton Aargau

Das Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde mehrfach erweitert und umgebaut. In seiner heutigen Nutzung als Wohnhaus sollte es eine Aktualisierung erfahren. Gemeinsam mit der Bauherrschaft wurden verschiedene Eingriffe entwickelt – sanfte Rekonstruktionen, aber auch tiefgreifende, kontrastierende Massnahmen: von neuen Holztäfelungen bis zu tragenden Holzdecken, von ergänzten Vorfenstern nach traditonellem Vorbild bis zu modernen Metallfenstern mit Isolierverglasungen. Dabei waren die vielschichtige Bausubstanz, energetische und denkmalpflegerische Gesichtspunkte sowie erhöhte statische Anforderungen abzuwägen, nicht zuletzt beeinflusst durch den Schädlingsbefall an bestehenden Balken und Täfelungen.

Der Baubestand umfasst das ehemalige Bauernhaus, eine grosse Scheune und freistehende Nebengebäude. Der Gebäudekern mit dicken Geröllsteinmauern und schönem Gewölbekeller erfuhr 1943 die wesentliche Vergrösserung zu den heutigen Dimensionen. Ende der 1980er Jahre wurde Richtung Südosten unter dem verlängerten Dach ein Nebenraum zum geschützten Sitzplatz mit Feuerstelle umgebaut und ein gedrungener Balkon unter dem Vordach ergänzt. Das Haus bekam damals auch eine Zentralheizung sowie eine zusätzliche Tannenholztäfelung im Inneren. Beim aktuellen Umbau konnten die Aussenmauern und die bestehende Dachkonstruktion erhalten werden. Die mittlere Tragwand musste aus Gründen der Erdbebensicherheit ersetzt werden. Deren statische Aufgaben übernimmt eine neue, raumhaltige Sichtbetonstruktur mit Öffnungen und Nischen für Schränke und eine Feuerstelle mitsamt Kamin, die den vormaligen Ofen ersetzt.

Der Küchenraum reicht neu über zwei Geschosse. Er erhält zusätzlich zenitales Licht über ein grosses Dachfenster, dessen Trichter den Dachboden durchstösst. Ein Betonsteg quert den hohen Raum und verbindet die Schlafkammern im Obergeschoss. Mit rohen Betonflächen, verputzen Mauern und einem Fussboden aus zerbrochenen Betonplatten formt die Küche einen «steinernen» Raum. Die umliegenden Räume sind in Analogie zum vormaligen Innenausbau als hölzerne Einbauten konzipiert: Neue Konstruktionen aus Tannenholz bilden nun die Decke über dem Erdgeschoss, die Trennwände und die Treppe. Bodenbelag und Wände sind aus roh belassenen, massiven Tannenholzbrettern.

Die Aussenmauern wurden mit Innendämmung und zwei neuen, grossen Fensteröffnungen versehen. Drei der bestehenden Öffnungen wurden vergrössert und leicht versetzt; die Mehrzahl blieb jedoch unverändert. Die Fenster selbst wurden auf ungewohnte Art «rekonstruiert»: In die bestehenden und neuen Steinleibungen wurden traditionelle, hölzerne Vorfenster mit Fenstersprossen eingesetzt. Kontrastierend dazu bilden Isolierverglasungen in schlanken, schwarzbraunen Stahlprofilen jeweils das innere Fenster. Dunkle Metallbleche verkleiden die tiefen inneren Leibungen. Die hölzernen Fensterläden wurden überarbeitet und auch bei den neuen Fenstern hinzugefügt.

Dort, wo der Fassadenverputz erneuert oder ergänzt werden musste, wurde er jeweils mit einer anderen Struktur ausgeführt – grober Kellenwurf auf den fein verputzten Seiten, feiner Abrieb an den Fassaden mit grobem bestehendem Putz. Für den Ersatz der hölzernen Giebelverkleidung gegen Südosten kamen braun gebeizte, versetzt angeordnete Holzlatten zum Einsatz. Mit breiteren Abständen finden sie sich auch beim rekonstruierten, aber tiefer gesetzten Balkon und beim vormals verglasten Sitzplatz, der damit die Anmutung eines Vorbaus zurückgewinnt.

Der Ersatzbau für die ehemalige eternitverkleidete Garage besteht aus tragenden, roh belassenen Holzverbundplatten. Die Wände sind wiederum mit vertikalen dunkelbraun gebeizten Holzlatten verkleidet. Unter dem gekantetem Blech der Dachbedeckung bleiben Dachlatten und Konterlatten jedoch unbehandelt. Die Lage der ehemaligen freistehenden Hühner- und Schweineställe ist als versteinerter Fussabdruck in Form einer Betonplatte ablesbar, die nun einen sommerlichen Sitzplatz mitten auf der Wiese bildet.

Ort Kanton Aargau

Nutzung Wohngebäude

Planung/Ausführung 2015–2017

Bauherrschaft privat

Geschossfläche 402 m2

Team G/G Christian Maggioni (Team- und Bauleitung), Franziska Bächer (Projektleitung, stv. Bauleitung)

Bauleitung Annette Gigon / Mike Guyer Architekten, Zürich

Kosten/Terminplanung Annette Gigon / Mike Guyer Architekten, Zürich

Statik Bänziger Partner AG, Baden

Elektrotechnik Enerpeak Salzmann AG, Dübendorf

Haustechnik Polke, Ziege, von Moos AG, Zürich

Bauphysik BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH, Zürich

Fotos © Roman Keller

Löwenbräu-Areal – Kunstzentrum, Wohnhochhaus und Bürogebäude

Die Geschichte des Löwenbräu-Areals, einer ehemaligen Bierbrauerei, ist geprägt durch häufiges Umbauen, Ergänzen und Ersetzen bestehender Gebäudeteile. Hierbei stellt die Umnutzung vom Brauereibetrieb zum Kunsthallen- und Galeriekomplex in den 1990er-Jahren einen entscheidenden Wendepunkt dar. Das neue Projekt basiert auf dieser jüngsten, erfolgreichen Umnutzung und ergänzt und steigert die Vielfalt des bestehenden Komplexes nochmals um neue Wohn-, Büro- und Ausstellungsnutzungen. Der denkmalpflegerische Erhalt der Bausubstanz bildet dabei eine wichtige Massnahme für die Identität des ehemaligen Industriequartiers und belässt ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte lesbar.

Das städtebauliche Konzept sieht innerhalb der bestehenden Anlage eine Konzentration auf drei bauliche Eingriffe in Form von Neubauten vor: den Neubau West als Erweiterung der Kunstnutzungen, den Büroneubau Ost und das Wohnhochhaus Mitte. Letzteres prägt als Hochhaus zusammen mit dem Stahlsilo und den Silos der Swissmill die Silhouette des Areals und ein Stück weit sogar die der Stadt neu.
Durch die Ergänzung des Gebäudebestandes mit Neubauten entsteht auf selbstverständliche Art eine neue städtebauliche Einheit mit dem Wohnhochhaus Mitte als herausragender Figur. Die langgestreckten Altbauten mit dem Brauereihauptgebäude an der Limmatstrasse werden durch die Aufstockung des Kunstraums im Westen und den höheren Kopfbau des Büroneubaus Ost am Bahnviadukt eingefasst.
Die Öffentlichkeit kann das neue Löwenbräuareal nunmehr aber nicht nur von der Strasse und von fern, sondern auch über seine zwei Höfe erfahren. Der historisch geschützte ehemalige Brauereihof erschliesst die angrenzenden Gebäude und gewinnt als verkehrsfreier Aussenraum Aufenthaltsqualitäten. Am offeneren Kunsthof befinden sich der neue hofseitige Eingang zu den Kunstinstitutionen, die Besucherparkplätze und die Anlieferung.
Der Neubau West bildet zusammen mit den Gebäudeteilen ‚Erschliessung Kunst‘ und der ‚Aufstockung Kunst‘ einen gewinkelten Körper, der hofseitig an die vormaligen Werkstätten angebaut ist. Er enthält Ausstellungsräume für Kunst, ein Boarding House und Büros. Die Ausstellungsräume sind zusammen mit einem multifunktionalen Raum frei einteilbar, über Seitenfenster belichtet und direkt vom Bauteil ‚Erschliessung Kunst‘ her zugänglich. Die ‚Erschliessung Kunst‘ bietet eine neue, grosszügige Treppenhalle mit Liften. Die Treppenhalle ist im Erdgeschoss an den durchgehenden Eingangsraum mit Zugängen von der Limmatstrasse und an den Kunsthof angeschlossen.
Das Wohnhochhaus Mitte mit seiner grossen Auskragung nach Süden beinhaltet pro Geschoss eine bis vier Wohnungen, insgesamt 37, mit jeweils mehrseitiger Orientierung und Aussicht auf die Stadt, den See und das Limmattal. Das Hochhausvolumen geht in einen winkelförmigen Sockelbau über, der im Brauereihof fusst. Die 21 Wohnungen im Sockel sind nach Süden auf den ruhigen Hof orientiert. Im Erdgeschoss befinden sich eine Passage zwischen den beiden Höfen, die Eingangshallen der Wohnungen sowie Dienstleistungsnutzungen.
Der Büroneubau Ost ist ebenfalls ein winkelförmiges Volumen mit einem höheren Gebäudeteil an der Limmatstrasse und einem niedrigeren zwischen dem Dammweg und dem Brauereihof. Im Erdgeschoss ist unter der Auskragung die Eingangslobby der Büros angeordnet, im Hof befindet sich der Zugang zu den Galerie- und Ladenräumen. In den oberen Bürogeschossen lassen unterschiedliche Raumtiefen verschiedene Bürotypen zu.
Die Fassaden der Neubauten Wohnhochhaus Mitte und Büroneubau Ost sind in Anlehnung an die farbigen Ziegelsteine der Altbauten aus profilierten keramischen Elementen konzipiert, die schwarz und rot glasiert sind. Doppelte Aluminiumfenster mit zusätzlichen Lüftungsflügeln bestehen aus einem äusseren Einfachglas, einem inneren Isolierglas und einem dazwischenliegenden Sonnenschutz. Speziell für das Wohnhochhaus konstruierte Kipp-Hub-Fenster lassen sich grossflächig unter die Decke fahren und verwandeln in den warmen Jahreszeiten den Innen- in einen Aussenraum.
Der Wohnturm Mitte ragt hinter der vielfältigen Gebäudezeile mit Alt- und Ergänzungsbauten entlang der Limmatstrasse als dunkel glänzende Figur auf. Die Wandflächen bilden Gitterstrukturen, deren Keramikoberflächen je nach Lichtsituation in die Fensterflächen übergehen und der Stadt wechselnde Ansichten bieten.
Der rote Büroneubau Ost orientiert sich nicht nur hinsichtlich seines Materials, sondern auch farblich an der Grundstimmung der Altbauten. Die Wellenstruktur, der Materialglanz und die bündigen Fenster verankern das Gebäude jedoch auch in der Gegenwart.
Der Neubau West ist als innen gedämmte, homogene Konstruktion aus weissem Beton konzipiert. Die Fenster in den Kunsträumen sind Kastenfenster. Während Neu- und Altbauteile hier volumetrisch und bezüglich ihrer Nutzung eng miteinander verschränkt sind, setzt sich die Materialität des Ergänzungsbaus vom Bestand ab. Es entsteht ein Ensemble, das den dreidimensional ausgreifenden Neubaukörper ablesbar belässt und die neuen Kunstnutzungen innerhalb des Komplexes auszeichnet.

Ort Zürich

Nutzung Umbau und Erweiterung einer ehemaligen, zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Bierbrauerei; Museen, Galerien, Veranstaltungssaal, Ateliers, Ladenflächen, 58 Wohnungen 2.5–5.5 Zimmer (21 Hofwohnungen, 37 Turmwohnungen), Büroneubau, Lagerflächen, Tiefgarage

Wettbewerb 2003, zwei 1. Preise: Gigon/Guyer und Atelier WW Architekten

Planung/Ausführung 2005–2014

Bauherrschaft PSP Properties AG

Geschossfläche 48‘328 m2

Team G/G Wettbewerb:
Gigon/Guyer: Volker Mencke
Atelier WW: Martin Danz
Planung/Ausführung:
Mitarbeit Gigon/Guyer:
Volker Mencke (Planungs-/Teamleitung), Bettina Gerhold, Daniel Friedmann, Reto Killer, Kathrin Sindelar, Damien Andenmatten, Yvonne Grunwald, Alex Zeller, Pieter Rabijns

Totalunternehmung Steiner AG, Zürich

Landschaftsarchitektur Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, Zürich

Statik Arbeitsgemeinschaft Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Zürich Henauer Gugler AG, Zürich

Elektrotechnik Planung/Submission: Schneider Engineering + Partner Zürich AG, Zürich
Ausführung: Mosimann & Partner, Zürich; Schmidiger + Rosasco, Zürich

Haustechnik Gruenberg + Partner AG, Zürich

Bauphysik braune roth ag, Binz

Brandschutz Makiol + Wiederkehr Dipl. Holzbau-Ingenieure HTL/SISH Beinwil am See

Fassadenplanung Planung/Submission: gkp fassadentechnik ag, Aadorf
Ausführung: Josef Gartner GmbH, Gundelfingen

Signaletik Integral Ruedi Baur, Zürich
Umbau Eingangsbereich: Teo Schifferli, Zürich
Signito, Zürich

Farbgestaltung Harald F. Müller, Öhningen, Deutschland

Fotos Löwenbräukunst, Umbau Eingangsbereich: © Roman Keller
© Thies Wachter
© Shinkenchiku-sha, Tokyo
Kunsthalle Zürich Ausstellungen: © Stefan Altenburger Photography
Luma Westbau Schwarzescafé: mit freundlicher Genehmigung Luma Westbau | Luma Stiftung © Stefan Altenburger
Wohnung Hof: © Laura Egger
© Christian Scholz
Baustelle: © Thomas Zwyssig

Kunstzentrum

Wohnturm

Brauerei Hauptgebäude

Büroneubau Ost

Geschichte