Archäologisches Museum und Park Kalkriese

Aufgrund zahlreicher archäologischer Funde gilt das Gebiet bei Kalkriese, Osnabrück, als Ort der berühmten Schlacht der Germanen gegen die Römer 9 n. Chr. – «Varusschlacht» oder auch «Schlacht am Teutoburger Wald» genannt.

Das Projekt umfasst einige wenige Massnahmen, an die die Vorstellung der Besucher des hier Geschehenen anknüpfen soll. Die gewählten landschaftsgestalterischen und architektonischen Mittel sind in ihrer Charakteristik mehrheitlich abstrakt statt darstellend, symbolisch statt figurativ: Rodung und Neuaufforstungen, eine partielle Rekonstruktion der ehemaligen Landschaft, die Visualisierung des Wallverlaufs mittels Stahlstangen, drei Wegsysteme im Gelände sowie drei Pavillons und ein Museumgebäude.

Unregelmässig ausgelegte Stahlplatten, mit vereinzelten historischen und zeitgenössischen Schriftfragmenten, zeichnen den wahrscheinlichen Verlauf der Route der römischen Legionäre nach und führen den Besucher über das ehemalige Schlachtfeld. Die Stellungen der Germanen im Wald werden mit schmalen, netzartig angelegten Holzschnitzelpfaden dargestellt und versinnbildlichen ihre Tarnung, ihre vielfältigen Angriffs- und Rückzugsmöglichkeiten. Ein der Gegenwart zugeordnetes Wegenetz aus Kies erlaubt den Besuchern, neben den Standorten der Römer und der Germanen, das ganze Gelände zu erkunden und «die Seiten zu wechseln». Auf der Route der Römer, von Platte zu Platte fortschreitend und die Informationsbruchstücke «vom Boden sammelnd», vervollständigt sich im Kopf des Besuchers Stück für Stück eine Vorstellung von der damaligen kriegerischen Situation.

Drei Pavillons im Feld – «Sehen», «Hören» und «Fragen» – fungieren als «Wahrnehmungs­instrumente». Sie vertiefen und relativieren die im Freien gewonnenen Eindrücke.

Der Museumsbau besteht aus einem vom Erdboden abgehobenen, eingeschossigen Baukörper und einem turmartigen Aufbau. Analog zu den Pavillons ist er als Stahlskelett-Konstruktion errichtet und mit grossflächigen rostenden Stahlplatten beplankt. Aus einer Höhe von fast vierzig Metern kann das Gelände des einstigen Schlachtfeldes vogelschauartig überblickt werden. Im Rumpf des Gebäudes befindet sich die eigentliche Ausstellung, in der die Fundgegenstände zu sehen sind. Das Sparsame und Abstrakte der Landschaftseingriffe wird in der Ausstellung durch Figuratives aufgewogen. Ab und an erhellen grosse seitliche Fenster partiell den Raum und gewähren Ausblicke zurück auf die Landschaft, auf das frühere Schlachtfeld.

Ort Osnabrück, Deutschland

Nutzung 20 Hektar ehemalige Landwirtschaftsparzelle als Ort der Varusschlacht (9 n. Chr.): drei Wegesystemen im Gelände, Visualisierung Wallverlaufs, Rodungen/Neuaufforstungen, partielle Rekonstruktion ehemalige Landschaft; Neubau Museum mit 40 Meter hohen Aussichtsturm, drei Pavillons «Sehen», «Hören», «Fragen»; Umbau Gehöft zum Besucherzentrum, Restaurant, Shop, Kindermuseum, Büros

Wettbewerb 1998, 1. Preis
In Zusammenarbeit mit Zulauf Seippel Schweingruber Landschaftsarchitekten, Baden

Planung/Ausführung 1999–2002

Bauherrschaft Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH
Museum und Park Kalkriese, Deutschland

Geschossfläche 2‘290 m2 (Museum und Pavillons)

Team G/G Planung/Ausführung: Volker Mencke (Projektleitung), Caspar Bresch, Christian Brunner, Massimo Wüthrich
Wettbewerb: Markus Lüscher

Bauleitung pbr Planungsbüro Rohling AG, Osnabrück, Deutschland

Landschaftsarchitektur Planung/Ausführung: Zulauf Seippel Schweingruber, Landschaftsarchitekten, Baden
Bauleitung: Heimer + Herbstreit, Hildesheim, Deutschland

Statik Gantert + Wiemeler Ingenieurplanung, Münster, Deutschland

Ausstellungsarchitektur Integral Concept, Paris/Baden: Ruedi Baur (1. Ausstellungskonzept Museum), Lars Müller (Ausstellungskonzept Pavillons)

Fotos © Heinrich Helfenstein
© Klemens Ortmeyer

Auszeichnung BDA-Preis Niedersachsen, Landesverband Bund Deutscher Architekten, 2003
Deutscher Stahlbaupreis, 2003
Weser-Ems-Preis für Architektur und Ingenieurbau, 2001

Museum

Landschaft

Pavillon «Sehen»

Pavillon «Hören»

Pavillon «Fragen»