Büro- und Servicecenter

Das Projekt sollte ein architektonischer «Massanzug» sein für die Aufgabe, im Industriegebiet des kleinen Ortes Coesfeld für das Textilhandelsunternehmen Ernsting’s Family ein Service-Center zu bauen. Der Standort im gewerblich genutzten Areal Coesfeld-Lette, in der Nachbarschaft des Vertriebs- und Anlieferungsgebäudes und einer Betonfabrik, legte eine Architektur nahe, die bezüglich ihrer Kubatur, aber auch ihrer Materialität und Konstruktion eine Verwandtschaft zu gewerblichen Bauten aufweist.

Der neue Baukörper ist nahe an die Strasse gesetzt, um eine spannungsvolle Konfiguration mit dem unmittelbaren Nachbarbau zu bilden und überdies einen möglichst grossen Freiraum zu belassen für zukünftige Erweiterungen. Infolgedessen entwickelt sich der Baukörper in die Höhe statt in die Tiefe. Die zunächst einfache Grundform des Bauvolumens wird durch die Addition verschiedener Volumina zu einer komplexen Figur gesteigert. Eingangshalle, Kantine, Konferenzraum, aber auch die tentakelartige Passerelle und der Dachaufbau lagern sich an die Grundform an.

Das frei bleibende Grundstück im Süden ist das Bindeglied zur angrenzenden kleinmassstäblichen Bebauung mit Einfamilienhäusern. Die Fläche sollte patternartig in Grünflächen und  befestigte Flächen aufgeteilt sein. Gegossene grossflächig gefugte Betonplatten bilden den Bodenbelag für den Aussensitzplatz, für die Erschliessungsstrasse und die Parkplätze. Die Grünflächen selbst werden weiter unterteilt in längliche Felder, die mit dicht belaubten Bäumen heckenartig bepflanzt sind, in Flächen, welche mit Obstbäumen hainartig bewachsen sind, und in kleinere Rasenflächen. Sie laden die Mitarbeiterinnen dazu ein, im Sommerhalbjahr die Mittagspausen im Freien zu verbringen und von den Fruchtbäumen Obst zu pflücken.

Das Projekt sieht nicht nur konventionelle Büros für administrative Arbeiten vor, sondern auch Räume für die Bearbeitung von Stoffen und Kleidern, die bezüglich Höhe und Lichtverhältnissen an Ateliers erinnern. Der viergeschossige Empfangsraum stellt das räumliche Verbindungselement zwischen den Büros und den Textilbearbeitungsräumen dar. Er erstreckt sich über vier Niveaus und bildet den Ort für kleine festliche Anlässe und Ausstellungen.

Die Architektur des Gebäudes, das als Dienstleistungszentrum für die siebenhundert kleinen Ernsting's Family Läden verstanden wird, nimmt Bezug auf das Erscheinungsbild des Unternehmens.

Die für die Corporate Identity der Firma charakteristischen Farben und Formen werden zu architektonischen Komponenten – sie bilden den «Stoff», aus dem die Architektur «geschneidert» wird: Rot, Weiss, Schwarz einerseits und eine Metallfassade als Träger der Farben andererseits – analog  zu den Lieferwagen, die täglich von Coesfeld ausschwärmen.

Ort Coesfeld, Deutschland

Wettbewerb 1998

Auslober Wettbewerb Ernsting’s Family

Team G/G Pascal Müller, Stefan Thommen