Hotel Park Hyatt

Textilien gehören zu jenen Dingen, mit denen die Gäste von Hotels versorgt und umgeben werden – mit frischer Bettwäsche sowie Badetüchern einerseits und mit Vorhängen, Bettüberwürfen und Teppichen andererseits. Textilien bildeten seit Urzeiten die Utensilien von reisenden Menschen. In Form von Zelten, Decken und Teppichen waren sie deren Schutzhüllen und mobile Behausungen. Wohl gerade weil Textilien tragbar und einfach handelbar sind, waren sie als kostbar gewirkte Kleider oder als reich verzierte häusliche Gewebe beliebte Darstellungsmittel des Wohlstandes ihrer Besitzer.

Beim Hyatt Hotel Wettbewerbsprojekt wird das Textile eingesetzt, um dem Charakteristikum des Hotels – eine «Behausung auf Zeit» zu sein – Ausdruck zu verleihen. Darüber hinaus sollen diese Stoffe den Luxus des Grand Hotels nach innen und aussen kund tun.

Die Wände der Gästezimmer sind mit Stoff-Tapeten ausgekleidet. Die «vierte Wand» der Zimmer, die Glaswand kann mit gleichfarbigen Nachtvorhängen geschlossen werden, um einen monochromen bzw. monotextilen Raum entstehen zu lassen – analog den Zeltzimmern des letzten Jahrhunderts.

Die beiden Höfe, der Tuchhof und der Grünhof, bilden den eigentlichen räumlichen Reichtum des Hotels.

Der Tuchhof ist überdacht. Lichtdurchlässige Tuchbahnen machen aus diesem Innenhof einen mächtigen, prismenförmigen «Zeltraum» – das eigentliche Zentrum des Hotels. Abends, wenn die Umgänge beleuchtet sind, verwandeln sich die Tuchbespannungen in glühend leuchtende Wände – ähnlich riesigen Lampenschirmen.

Die gläsernen Wände des Aussen- und Grünhofes sind mit hängenden Efeupflanzen vorhangartig be­wachsen. Die Bodenfläche dieses grossen Binnenraums ist mit Wasser bedeckt.

Die Fassadenhaut besteht aus hochisolierenden Gläsern und deren Metallhalterungen. Transparente Gläser wechseln mit gewebehaltigen, transluzenten und opaken Gläsern ab, wobei der Rhythmus der Fassadenteilung überlagert wird durch das Spiel der geordnet hängenden oder gerafften Tag- und Nachtvorhänge.

Der allseitig zurückgesetzte Gebäudekörper mit seinen beiden Höfen «changiert» zwischen zwei städtebaulichen Haltungen: Der Hofrandbebauung, um das sukzessiv gewachsene Stadtgewebe zu vervollständigen, und dem Solitär, der den bestehenden Strassenraum ausweitet und einen Vorplatz bzw. eine Vorfahrt bildet. Doppeldeutig will auch die rundumschliessende Bepflanzung mit Bäumen in­terpretiert sein: als Fortsetzung der teilweise bestehenden Alleen einerseits und als dem Hotel zugehöriger eigener Grünraum andererseits, in den das Gebäude einbeschrieben ist.

Ort Zürich

Wettbewerb 1993, 1. Preis

Team G/G Michael Widrig, Rina Plangger, Raphael Frei, Dieter Bachmann

Landschaftsarchitektur Raderschall Landschaftsarchitekten AG, Meilen

Statik Aerni + Aerni, Zürich