Hotel Züri, Heinrichstrasse

Im ehemaligen Industriegebiet von Zürich-West, eingegliedert in eine gründerzeitliche Blockrandbebauung, wurde in den 1980er Jahren das Hotel «Senator» errichtet. Dieses sollte zum «Hotel Züri by Fassbind» umgebaut werden. Dabei konnte die konstruktive Grundstruktur mit Betondecken und Trennwänden fast unverändert erhalten bleiben – mit Vorteil, denn ein Ersatzbau wäre aus baurechtlichen Gründen kleiner ausgefallen, bei höherem Verbrauch von grauer Energie. Das Dach und die Fassaden wurden jedoch komplett erneuert. Ein Merkmal der historischen Wohn- und Fabrikbauten des Quartiers sind Klinkersteine, ob vorgemauert oder in Rahmenstrukturen eingefüllt. An der Hotelfassade wurden sie in die selbsttragenden, vorgestellten Betonelemente als «Intarsien» eingegossen. Ebenfalls ersetzt wurde der gesamte Innenausbau mitsamt Bädern und Installationen. Sowohl die innere als auch die äussere Erscheinung sind von Gegensatzpaaren geprägt: Tag und Nacht, hell und dunkel, Liegen und Stehen, gemessene Materialfarben und starke Spektralfarben.

So wurden zur Strasse hin dunkelbraune Klinkersteine in die vorfabrizierten Elemente der Fassadenverkleidung eingelegt, zum Hofraum hin beige. Unterschiedlich grosse «Betonköpfe» formen jeweils die oberen beziehungsweise seitlichen Abschlüsse und erklären dabei die Konstruktionsweise mit Elementen. Manche der Pfeiler und Stürze sind gänzlich in Beton gehalten, desgleichen das schützende, schwere Vordach des Eingangsbereichs. Wie die 4 cm tiefen Klinkersteine mit Hilfe von Matrizen in der Betonschalung fixiert wurden, kann man im Durchgang zum Hof nachvollziehen – dort wurden die Matrizen nämlich ohne eingesetzte Steine ausgegossen.

In die grosszügigen Fassadenöffnungen sind raumgrosse Holz-Metall-Fenster aus massivem, dunklem Eichenholz eingefügt. Für die Belichtung der neuen Dachzimmer werden die Chromstahl-Dachflächen abwechselnd von Lukarnen und Dachflächenfenstern durchstossen. Je zwei zusammengefügte Lukarnen akzentuieren die Ecken des Hofflügels – und bereichern im Inneren die zeltartigen Dach-Eckzimmer mit einer «Tageslichtlaterne».

In den Hotelzimmern bestehen die Einbaumöbel aus hellem und dunklem Eichenholz. Grossflächige Spiegel leiten in den Raum und weiten ihn – ebenso wie die Fenster, die die Zimmer zur Stadt hin öffnen. Eine textil bespannte Bank dient als Kofferablage und Sitzgelegenheit. In den grau-beigen Teppichen formulieren eingewobene Buchstaben Guten-Tag- und Gute-Nacht-Wünsche in englischer, französischer, italienischer und deutscher Sprache. Partielle Farbflächen an den Wänden tönen das Licht in den Räumen – das Tageslicht und vor allem das Kunstlicht der eigens für diese Räume geschaffenen LED-Wand- und Stehleuchten.

Grosse Leuchten und Farbflächen akzentuieren auch die Hotelkorridore und «verkürzen» sie optisch. Robuste metallische und zementöse Brusttäfer schützen die Wände vor Rollkoffern und Wäschewagen, und wiederum dämpfen hier schrifttragende Teppiche die Schritte.

Die Lobby im Erdgeschoss weitet sich zusammen mit der Lounge und dem Frühstücksbereich zu einem Raumkontinuum, das sich mit grossen «Schau-Fenstern» zur Heinrichstrasse und zur Stadt ausrichtet. Die Klinkersteine der Fassade bilden hier als eingegossene Scherben den robusten Bodenbelag. Eine Rezeption aus Eiche und Schwarzblech sowie langgezogene Sitzbänke entlang den Wänden und speziell gefertigte Tische, Stühle und Hängelampen empfangen die Gäste.

An der Heinrichstrasse lädt ein weiter Vorplatz mit gegossenen Betonflächen unter dem Halbschatten der Bäume zum Frühstücken im Freien. Im Hof wird das Patchwork der Bodenbeläge mit grobem Kies ergänzt, und grosse Pflanzkörbe aus Armierungseisen ermöglichen den neu gesetzten Laubbäumen oberhalb der Tiefgarage Wurzeln zu schlagen.

Ort Zürich

Nutzung Umbau Hotelgebäude aus den 1980er Jahren (ehemals Hotel Senator)
neu: 167 Zimmer, 317 Betten (vorher: 121 Zimmer, 242 Betten), Lobby mit Lounge und Frühstücksraum, Wellnessbereich, Tiefgarage
Erhalt des Gebäudevolumens und der konstruktiven Grundstruktur, neu: Fassaden, Dach, Innenausbau, haustechnische Installationen

Beauftragung 2012

Planung/Ausführung 2012–2017

Bauherrschaft Hotels by Fassbind

Geschossfläche 6‘280 m2

Team G/G Bauprojekt und Ausführung: Martin Feichtner (Projektleitung), Cornelia Schmidt (Projektleitung Stellvertretung), Eva Rosenova, Matthias Clivio, Christian Gammeter, Nicolas Hunkeler, Maxim Moskalenko, Luisa Wittgen
Vorprojekt bis Baueingabe: Pieter Rabijns (Teamleitung bis Baueingabe), Markus Seiler (Teamleitung bis Vorprojekt), Franziska Bächer (Projektleitung), Martin Schwarz, Meret Morgenthaler

Bauleitung Ghisleni Partner AG, Rapperswil (Subplaner)

Landschaftsarchitektur Rainer Zulauf, Studio Vulkan Landschaftsarchitektur, Zürich

Statik Henauer Gugler AG, Zürich

Elektrotechnik pbp ag engineering, Zürich

Haustechnik Gruenberg + Partner AG, Zürich

Bauphysik Gartenmann Engineering AG, Zürich

Brandschutz Basler & Hofmann AG, Zürich

Akustik Gartenmann Engineering AG, Zürich

Fotos © Roman Keller