Stellwerk Vorbahnhof

Das Gebäude steht am Rande des Gleisfelds, nahe der Gottlieb Duttweiler Brücke, auf der Höhe des Übergangs von der städtischen Wohnbebauung zum industriell besetzten Aussenquartier. Der Bau dient der Überwachung des Bahnverkehrs im Bereich des Vorbahnhofs von Zürich. Innerhalb der drei Geschosse wird nur die oberste Ebene als Arbeits- und Aufenthaltsbereich genutzt. Die unteren Geschosse beherbergen ausschliesslich technische Einrichtungen wie Relais Rechner, Umformer, Bahnstromversorgung, Notstrombatterien und Lüftung.

Da einzelne Installationen sehr viel Wärme abgeben, die Räume jedoch ein ausgeglichenes Klima benötigen, d.h. geheizt und gekühlt werden müssen, galt es, eine Klimahülle zu konstruieren, die sowohl Wärme speichern als auch in genügendem Mass an die Umgebung abgeben kann. Eine zweischalige Betonkonstruktion als Gebäudehülle dient als Speichermasse. Sie ist nach Massgabe der Wärmebedürfnisse im Inneren mehr oder weniger gedämmt. Im Sinne eines Faradayschen Käfigs werden die Armierungseisen des Betons benutzt, um die empfindliche Elektronik im Inneren vor störenden, äusseren Einflüssen abzuschotten.

Die durch den Bremsstaub der Züge entstehende, patinaartige Verfärbung aller Gegenstände und Häuser im Bereich der Gleise legte nahe, das kleine Gebäude von vornherein diese Familie der rostrot / braun gefärbten Dinge zu integrieren. Der Beton ist mit braunroten Eisenoxid-Pigmenten eingefärbt: Pigmente, welche dieselbe chemische Basis haben wie der Bremsstaub der Züge - oxidierte Eisenpartikel.

Für den Anstrich der Holzeinbauten in den Personalräumen wählte der Künstler Harald F. Müller jene Farben, die er an Gegenständen im unmittelbaren Umkreis des Stellwerks vorfand und welche beim Ausblick aus den Fenstern wiedererkennbar sind: ein kräftiges Blau, ein leuchtendes Rot, ein Gelb und wiederum ein dunkles Braun.

Die Fenster der Kommando- und Aufenthaltsräume im obersten Geschoss geben Überblick und Ausblick auf das Gleisfeld. Die Lichtregulierung für die Computerarbeitsplätze im Kommandoraum geschieht über Lamellenstoren sowie ein äusseres Licht und Wärme reflektierendes Sonnenschutzglas - eine metallisch bedampfte Scheibe. Während das braune Eisenoxid im Beton den Baukörper in die vom Eisenstaub verfärbte Umgebung integriert, ja beinahe tarnt, kontrastiert die rotgolden spiegelnde Metallbedampfung der Gläser mit der dumpfen Stimmung des dunklen Betons. In der Nacht von innen beleuchtet und während des Tages stark reflektierend, symbolisieren die Fenster rund um die Uhr die Funktion des Gebäudes - das Überwachen des Gleisfelds.

Ort Zürich

Nutzung Arbeits- und Aufenthaltsbereich, technische Einrichtungen wie Relais Rechner, Umformer, Bahnstromversorgung, Notstrombatterien und Lüftung

Wettbewerb 1996, 1. Preis

Planung/Ausführung 1997–1999

Bauherrschaft Schweizerische Bundesbahnen SBB

Team G/G Planung/Ausführung: Philippe Vaucher (Projekt-/Bauleitung), Markus Lüscher
Wettbewerb: David Leuthold

Statik Conzett, Bronzini, Gartmann AG, Chur

Signaletik Harald F. Müller, Öhningen, Deutschland

Fotos © Heinrich Helfenstein
© Harald F. Müller