Wohnüberbauung Labitzke Areal

Zürich Altstetten erfährt eine dynamische Verdichtung und wandelt sich zu einem urbanen Quartier mit Wohnen und Arbeiten. Auf dem ein Hektar grossen ehemaligen Fabrikareal Labitzke entstanden 277 Mietwohnungen mit Gewerbeflächen und Ateliers im Erdgeschoss, die um kleine Plätze angeordnet sind.
Acht zueinander versetzte, unterschiedlich hohe und verschieden breite Baukörper mäandern zwischen den Nachbarparzellen von der viel befahrenen Hohlstrasse zur ruhigen Albulastrasse. Durch die Anordnung der Kubaturen entstehen gefasste Aussenräume, die je nach Lage und Gestaltung ihren eigenen Charakter haben. Durchgänge verbinden die Plätze miteinander, erschliessen das Areal nach allen Seiten fussläufig und verankern es in dem Quartier. Die ehemalige atmosphärische Qualität der heterogenen Gewerbebauten, galt es in neuer Form fortbestehen zu lassen.

Am westlichen und östlichen Zugang, zu den belebten Strassenseiten, markieren zwei Turmhäuser mit 15 und 21 Geschossen das Areal. Hier und an den äusseren Plätzen liegen ein Bistro, die Gewerberäume, Büros und eine Kindertagesstätte. Niedrige, langgestreckte Volumen, mit Familien- und Atelierwohnungen befinden sich in der ruhigen Mittelzone. Entsprechend seiner Lage und Ausrichtung hat jedes Haus eine eigene Wohntypologie, die der vielfältigen Bewohnerschaft unterschiedliche Wohnungstypen bietet. Von der grosszügigen 4.5-Zimmer Wohnung, über Split-Level Wohnungen und solche mit überhohen Räumen in den Türmen, bis zu Atelierwohnungen mit kleinem Garten und einfachen Studios.
Die Fassaden sind gegliedert durch ein Raster aus vertikalen und horizontalen Elementen, die auf unterschiedlichen Ebenen liegen und die Anordnung der Wohnungstypen nach Aussen abzeichnen. Die tektonische Struktur und farbliche Differenzierung in der Höhe über alle Fassaden vereinen die Baukörper zu einer Grossform. Die Vergangenheit des Areals als Farbenfabrik widerspiegelt sich im Farbkonzept: Im Inneren ist jedem Haus ein Farbton zugeordnet. Diese begleiten die Erschliessungswege, in den Entrées als keramischer Wandbelag, und als Farbanstrich in den Treppenhäusern. In den Durchgängen überschneiden sich die Farben der Häuser und leuchten in den Aussenraum.

Ort Zürich Altstetten

Nutzung 8 Gebäude, 4–19 Stockwerke mit zwei Wohntürmen: 46m und 64m Höhe, 7 Höfe, 277 Wohnungen, 17 Gewerbeflächen im Erdgeschoss: Bistro, Kindertagesstätte, Büros, Läden, Boarding House (H6), 123 PKW-Stellplätze, davon 20 für Besucher, 1 Carsharing-Stellplatz, 670 Velo-, 11 Motorradstellplätze; davon in der Tiefgarage: PKW-Stellplätze, 169 Velostellplätze, 11 Motorradstellplätze

Wettbewerb 2013, 1. Preis

Planung/Ausführung 2013–2018

Bauherrschaft Mobimo AG, Küsnacht

Label MINERGIE® Zertifikat

Geschossfläche 39‘986 m2

Team GG Planung/Ausführung: Mike Guyer, Christian Maggioni (Teamleitung 01/2016–), Volker Mencke (Teamleitung –12/2015), Urs Meyer (Projektleitung 11/2014–), Cornelia Schmidt (Projektleitung 2013–10/2014), Philippe Volpe, Andy Gratwohl, Arend Kölsch, Maxim Moskalenko, Stefanie Bittig, Chiara Giovanola, Rodrigo Jorge
Wettbewerb: Stefan Thommen, Christoph Dober, Leyla Illman

Totalunternehmung Implenia Schweiz AG, Dietlikon

Landschaftsarchitektur Schmid Landschaftsarchitekten GmbH, Zürich

Bauingenieur Wettbewerb: Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Zürich
Ausführung: Dr. J. Grob & Partner AG, Bauingenieure SIA/USIC, Winterthur

Elektrotechnik HKG Engineering AG, Schlieren

Haustechnik Wettbewerb/Submission: PB P. Berchtold Dipl. Ing. HTL/HLK, Sarnen
Ausführung: JOP Joseph Ottiger + Partner AG, Rothenburg

Bauphysik BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH, Zürich

Brandschutz Wettbewerb/Submission: Hautle Anderegg + Partner AG, Bern
Ausführung: Conti Swiss AG, Zürich

Fassadenplanung Aeplan, Eschelbach Metallbauplanung GmbH, Wikon

Farbgestaltung Harald F. Müller, Öhningen, Deutschland

Fotos © Roman Keller

Mehrfamilienhaus in Küsnacht

Das im Zentrum von Küsnacht gelegene Mehrfamilienhaus liess eine Erbengemeinschaft als Ersatz für ein in die Jahre gekommenes Wohnhaus mit angegliederter Spenglerei errichten.

Der fünfgeschossige Neubau, mit seitlichem, eingeschossigen Anbau, nutzt die maximale Fläche der schmalen Parzelle. Zur Strasse ist ein begrünter Vorbereich angelegt, zu dem sich die flexibel nutzbaren Räume im Erdgeschoss orientieren und die nun einer Schule als Klassenräume dienen. Rückwärtig liegt der gemeinschaftliche Garten, der über Treppen auch von den oberen Wohnungen und der seitlichen Terrasse des Anbaus zugänglich ist. In den drei Obergeschossen sind pro Etage eine 2,5 und eine 3,5-Zimmer-Wohnung angeordnet, im zurückspringenden Attikageschoss gibt es eine durchgehende grössere Wohnung mit 3,5 Zimmern. Die Etagen sind über das zentrale Treppenhaus zugänglich oder einen direkt in die Wohnungen führenden Lift. Im Untergeschoss befinden sich Kellerräume, Lagerflächen für die Gewerbenutzung, die gemeinsame Waschküche und ein kleines Gästeapartment.

Neben altersgerechten Wohnungen und Ausblick auf den Zürichsee, waren der Bauherrschaft gemeinschaftliche Flächen, Aussenbereiche für die Wohnungen und direkte Zugänge in den Garten wichtig. Die windmühlenartige Anordnung des seitlichen Anbaus sowie die auf der südlichen und westlichen Seite vorspringenden Balkone gliedern das rechteckige Volumen.
Zugunsten einer Grosszügigkeit sind die Grundrisse offen gestaltet. Die einzelnen Räume sind entlang der Fassade durch raumhohe Schiebetüren miteinander verbunden und bieten unterschiedliche Blickbeziehungen. Eine zentrale Küchenzeile und die Wandschränke wirken wie eingestellte Raumteiler, die den Grundriss gliedern. Der loftähnliche Charakter wird durch den durchgehenden Eichenboden und die Sichtbetondecke unterstützt.
Eine feingliedrige Fassade aus gewellten Aluminiumblechen, mit abgerundeten Ecken, umhüllt den Baukörper. Vor den raumhohen Fensterflügeln aus Eichenholz, den Balkonen und den Treppen sind die Brüstungsbänder perforiert ausgeführt. Die vertikale Teilung der Wellbleche folgt den Geschossen, bindet die Balkone in das Volumen ein und ermöglicht gestalterisch deren Weiterführung über die Stahltreppen in den Garten. In der Materialität der Fassade wird der Charakter des Vorgängergebäudes mit einer Mischung aus Wohnen und Werkstatt fortgeführt.

Ort Küsnacht

Nutzung Mehrfamilienhaus mit Gewerberäumen, 7 Wohnungen, drei 2.5 Zimmer, vier 3.5 Zimmer

Beauftragung 2013

Planung/Ausführung 2015–2018

Bauherrschaft privat

Geschossfläche 1‘243 m2

Team GG Mike Guyer, Stefan Thommen (Teamleitung), Daniela Schadegg (Projektleitung 2016–), Matthias Rösner (Projektleitung –2015), Katja Fröhlich

Bauleitung Rohbau/ Fassade: Junod Epper GmbH Bauagentur, Zürich
Innenausbau: Eidos AG, Küsnacht

Landschaftsarchitektur Bischoff Landschaftsarchitektur GmbH, Baden

Bauingenieur Alfred Mühlethaler Ingenieurbüro, Zürich
Lukas Baumann AG, Baden

Elektrotechnik Eidos AG, Küsnacht

Haustechnik VC Engineering AG, Neftenbach

Bauphysik Kurt Ritter, aik Architektur und Ingenieur Kollektiv, Zürich

Fotos © Seraina Wirz

Auszeichnungen Baupreis 2019 des Architektur Forum Zürcher Oberland

Löwenbräu-Areal – Kunstzentrum, Wohnhochhaus und Bürogebäude

Die Geschichte des Löwenbräu-Areals, einer ehemaligen Bierbrauerei, ist geprägt durch häufiges Umbauen, Ergänzen und Ersetzen bestehender Gebäudeteile. Hierbei stellt die Umnutzung vom Brauereibetrieb zum Kunsthallen- und Galeriekomplex in den 1990er-Jahren einen entscheidenden Wendepunkt dar. Das neue Projekt basiert auf dieser jüngsten, erfolgreichen Umnutzung und ergänzt und steigert die Vielfalt des bestehenden Komplexes nochmals um neue Wohn-, Büro- und Ausstellungsnutzungen. Der denkmalpflegerische Erhalt der Bausubstanz bildet dabei eine wichtige Massnahme für die Identität des ehemaligen Industriequartiers und belässt ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte lesbar.

Das städtebauliche Konzept sieht innerhalb der bestehenden Anlage eine Konzentration auf drei bauliche Eingriffe in Form von Neubauten vor: den Neubau West als Erweiterung der Kunstnutzungen, den Büroneubau Ost und das Wohnhochhaus Mitte. Letzteres prägt als Hochhaus zusammen mit dem Stahlsilo und den Silos der Swissmill die Silhouette des Areals und ein Stück weit sogar die der Stadt neu.
Durch die Ergänzung des Gebäudebestandes mit Neubauten entsteht auf selbstverständliche Art eine neue städtebauliche Einheit mit dem Wohnhochhaus Mitte als herausragender Figur. Die langgestreckten Altbauten mit dem Brauereihauptgebäude an der Limmatstrasse werden durch die Aufstockung des Kunstraums im Westen und den höheren Kopfbau des Büroneubaus Ost am Bahnviadukt eingefasst.
Die Öffentlichkeit kann das neue Löwenbräuareal nunmehr aber nicht nur von der Strasse und von fern, sondern auch über seine zwei Höfe erfahren. Der historisch geschützte ehemalige Brauereihof erschliesst die angrenzenden Gebäude und gewinnt als verkehrsfreier Aussenraum Aufenthaltsqualitäten. Am offeneren Kunsthof befinden sich der neue hofseitige Eingang zu den Kunstinstitutionen, die Besucherparkplätze und die Anlieferung.
Der Neubau West bildet zusammen mit den Gebäudeteilen ‚Erschliessung Kunst‘ und der ‚Aufstockung Kunst‘ einen gewinkelten Körper, der hofseitig an die vormaligen Werkstätten angebaut ist. Er enthält Ausstellungsräume für Kunst, ein Boarding House und Büros. Die Ausstellungsräume sind zusammen mit einem multifunktionalen Raum frei einteilbar, über Seitenfenster belichtet und direkt vom Bauteil ‚Erschliessung Kunst‘ her zugänglich. Die ‚Erschliessung Kunst‘ bietet eine neue, grosszügige Treppenhalle mit Liften. Die Treppenhalle ist im Erdgeschoss an den durchgehenden Eingangsraum mit Zugängen von der Limmatstrasse und an den Kunsthof angeschlossen.
Das Wohnhochhaus Mitte mit seiner grossen Auskragung nach Süden beinhaltet pro Geschoss eine bis vier Wohnungen, insgesamt 37, mit jeweils mehrseitiger Orientierung und Aussicht auf die Stadt, den See und das Limmattal. Das Hochhausvolumen geht in einen winkelförmigen Sockelbau über, der im Brauereihof fusst. Die 21 Wohnungen im Sockel sind nach Süden auf den ruhigen Hof orientiert. Im Erdgeschoss befinden sich eine Passage zwischen den beiden Höfen, die Eingangshallen der Wohnungen sowie Dienstleistungsnutzungen.
Der Büroneubau Ost ist ebenfalls ein winkelförmiges Volumen mit einem höheren Gebäudeteil an der Limmatstrasse und einem niedrigeren zwischen dem Dammweg und dem Brauereihof. Im Erdgeschoss ist unter der Auskragung die Eingangslobby der Büros angeordnet, im Hof befindet sich der Zugang zu den Galerie- und Ladenräumen. In den oberen Bürogeschossen lassen unterschiedliche Raumtiefen verschiedene Bürotypen zu.
Die Fassaden der Neubauten Wohnhochhaus Mitte und Büroneubau Ost sind in Anlehnung an die farbigen Ziegelsteine der Altbauten aus profilierten keramischen Elementen konzipiert, die schwarz und rot glasiert sind. Doppelte Aluminiumfenster mit zusätzlichen Lüftungsflügeln bestehen aus einem äusseren Einfachglas, einem inneren Isolierglas und einem dazwischenliegenden Sonnenschutz. Speziell für das Wohnhochhaus konstruierte Kipp-Hub-Fenster lassen sich grossflächig unter die Decke fahren und verwandeln in den warmen Jahreszeiten den Innen- in einen Aussenraum.
Der Wohnturm Mitte ragt hinter der vielfältigen Gebäudezeile mit Alt- und Ergänzungsbauten entlang der Limmatstrasse als dunkel glänzende Figur auf. Die Wandflächen bilden Gitterstrukturen, deren Keramikoberflächen je nach Lichtsituation in die Fensterflächen übergehen und der Stadt wechselnde Ansichten bieten.
Der rote Büroneubau Ost orientiert sich nicht nur hinsichtlich seines Materials, sondern auch farblich an der Grundstimmung der Altbauten. Die Wellenstruktur, der Materialglanz und die bündigen Fenster verankern das Gebäude jedoch auch in der Gegenwart.
Der Neubau West ist als innen gedämmte, homogene Konstruktion aus weissem Beton konzipiert. Die Fenster in den Kunsträumen sind Kastenfenster. Während Neu- und Altbauteile hier volumetrisch und bezüglich ihrer Nutzung eng miteinander verschränkt sind, setzt sich die Materialität des Ergänzungsbaus vom Bestand ab. Es entsteht ein Ensemble, das den dreidimensional ausgreifenden Neubaukörper ablesbar belässt und die neuen Kunstnutzungen innerhalb des Komplexes auszeichnet.

Ort Zürich

Nutzung Umbau und Erweiterung einer ehemaligen, zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Bierbrauerei; Museen, Galerien, Veranstaltungssaal, Ateliers, Ladenflächen, 58 Wohnungen 2.5–5.5 Zimmer (21 Hofwohnungen, 37 Turmwohnungen), Büroneubau, Lagerflächen, Tiefgarage

Wettbewerb 2003, zwei 1. Preise: Gigon/Guyer und Atelier WW Architekten

Planung/Ausführung 2005–2014

Bauherrschaft PSP Properties AG

Geschossfläche 48‘328 m2

Team GG Wettbewerb:
Gigon/Guyer: Volker Mencke
Atelier WW: Martin Danz
Planung/Ausführung:
Mitarbeit Gigon/Guyer:
Mike Guyer, Christian Maggioni, Volker Mencke (Planungs-/Teamleitung), Bettina Gerhold, Daniel Friedmann, Reto Killer, Kathrin Sindelar, Damien Andenmatten, Yvonne Grunwald, Alex Zeller, Pieter Rabijns

Totalunternehmung Steiner AG, Zürich

Landschaftsarchitektur Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, Zürich

Bauingenieur Arbeitsgemeinschaft Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Zürich Henauer Gugler AG, Zürich

Elektrotechnik Planung/Submission: Schneider Engineering + Partner Zürich AG, Zürich
Ausführung: Mosimann & Partner, Zürich; Schmidiger + Rosasco, Zürich

Haustechnik Gruenberg + Partner AG, Zürich

Bauphysik braune roth ag, Binz

Brandschutz Makiol + Wiederkehr Dipl. Holzbau-Ingenieure HTL/SISH Beinwil am See

Fassadenplanung Planung/Submission: gkp fassadentechnik ag, Aadorf
Ausführung: Josef Gartner GmbH, Gundelfingen

Signaletik Integral Ruedi Baur, Zürich
Umbau Eingangsbereich: Teo Schifferli, Zürich
Signito, Zürich

Farbgestaltung Harald F. Müller, Öhningen, Deutschland

Fotos Löwenbräukunst, Umbau Eingangsbereich: © Roman Keller
© Thies Wachter
© Shinkenchiku-sha, Tokyo
Kunsthalle Zürich Ausstellungen: © Stefan Altenburger Photography
Luma Westbau Schwarzescafé: mit freundlicher Genehmigung Luma Westbau | Luma Stiftung © Stefan Altenburger
Wohnung Hof: © Laura Egger
© Christian Scholz
Baustelle: © Thomas Zwyssig

Kunstzentrum

Wohnturm

Brauerei Hauptgebäude

Büroneubau Ost

Geschichte