Die Gliederung des Bauvolumens in drei Baukörper folgt der solitären Wohnbebauung in der Nachbarschaft am Zürichberg. Sie gruppieren sich um einen gemeinsamen, platzartigen Zugangsraum. Die Aufteilung in drei Gebäude erlaubt eine vierseitige Orientierung der Wohnungen sowie die natürliche Belichtung und Belüftung fast aller Räume. Die dienenden Räume sind als «geschlossene» Kerne in die kontinuierliche «Wohn-Raum-Fläche» gestellt und gliedern diese, so dass sich mittels grossflächiger Schiebtüren Zimmer abtrennen lassen. Die Loggien sind als «raumhaltige» Betonfassaden konzipiert, die sich über die jeweilige Fassadenlänge erstrecken. Aus Beton besteht auch die Baustruktur, die gegossenen Böden, ebenso wie die Kunststeinplatten in den dienenden Räumen. Lasierende Anstriche mit matten, mineralischen Pigmenten vereinzeln die Baukörper und verbinden sie gleichzeitig kompositorisch zu einem Ensemble. Die Farbtöne wurden in Zusammenarbeit mit dem Künstler Adrian Schiess bestimmt.
Projektkategorie: Wohnen
Einfamilienhaus im Kanton Zürich
Die Parzelle liegt am Rande der Einfamilienhauszone eines Dorfes, angrenzend an Obstbaumkulturen und mit Sicht auf den nahe gelegenen See. Rigide örtliche Bauvorschriften suchen hier die ländliche Idylle um den See zu bewahren.
Der Baukörper ist an die nördliche Landwirtschaftsgrenze gerückt und parallel zu See und Hang gestellt, um den Räumen entweder die Seesicht gegen Norden oder ein maximales Mass an Sonne zukommen zu lassen. Ein mit hölzernen Spalieren begrenztes, vorgelagertes Gartengeviert mit Gartenhaus definiert den südlichen Grünraum zwischen den Nachbarhäusern.
Die Raumanordnung im Hausinneren kommt ohne Korridore aus. Im Erdgeschoss ist eine auf den südlichen Garten blickende Essdiele den Zimmern und der Küche vorgelagert. Diese Grundrissanordnung wird im Obergeschoss wiederholt: Der Vorraum bildet hier die Spieldiele für die Kinder.
Innerhalb der vorgeschriebenen Neigungswinkel faltet sich das Dach in einer Art Wellenbewegung über das gesamte Volumen: Beginnend bei der Garage, steigt es im Bereich des Treppenhauses steil an, flacht über dem Dachgeschoss noch einmal ab und neigt sich nach dem First in ununterbrochener Fläche nach Nordwesten, um gegen die Wetterseite ein Vordach auszubilden. Sämtliche Nebenräume sind folglich direkt unter der Dachschräge angeordnet.
Das Haus ist aus isolierendem Einsteinmauerwerk gebaut; innen angeschlagene Holzfenster bilden tiefe, hölzern verkleidete Leibungen aus. Klappläden sind im offen Zustand in die Leibungen einfaltet. Im geschlossenen Zustand wirken die Fensteröffnungen durch die Läden gleichsam kistenartig «verrammelt». Das Holzwerk ist bis auf die Simse rot gestrichen. Ein mineralischer Kalk-Zement Verputz und naturfarbene Betonziegel – ebenfalls bestehend aus Kalk und Zement – bilden die äusserste Schutzschicht. Bei Regen verfärben sich Dach und Fassaden dunkel grau und trocknen anschliessend aquarellartig wieder aus.
Wohnüberbauung Broëlberg I
Das dem Herrenhaus Broëlberg zugehörige Areal, ein 5.7 Hektar grosses, parkartiges Grundstück im Übergang zur offenen Landschaft in der Gemeinde Kilchberg, war gemäss Zonenplan als Einfamilienhauszone ausgewiesen. Mittels eines Gestaltungsplans liess sich die geplante, flächendeckende Überbauung mit eingeschossigen Einfamilienhäusern in eine Bebauung umwandeln, die punktuell verdichtetes Wohnen vorsah. Ein Grossteil des Grundstücks kann auf diese Weise als parkähnliche Freifläche erhalten bleiben.
Sechs Orte wurden ausgewählt, an denen innerhalb klar definierter Mantellinien konzentrierte, volumetrisch unterschiedliche, dreigeschossige Gebäude mit verschiedenen Wohnkonzepten gebaut werden könnten; 1996 wurde Broëlberg I realisiert.
Die schöne Lage mit freiem Blick über den Zürichsee, in die Landschaft und auf das alte Dorf Kilchberg, aber auch die ortsüblichen Bodenpreise und die steuerlichen Vorteile der Gemeinde erforderten einen Wohnungsbau mit gehobenem Standard.
Drei Gebäudekörper werden mittels eines Sockelgeschosses, das hauptsächlich als Parkgarage genutzt wird, volumetrisch zu einem grossen Gebäudekomplex zusammengebunden. Das Dach der Einstellhalle bildet als erhöhter Hof oder Podium den Zugangsbereich zu den einzelnen Gebäuden. Zwei der Volumina beinhalten je vier Geschosswohnungen und eine grosszügige Attikawohnung; eines setzt sich aus vier Reihenhäusern zusammen. Die Wohnungen sind mehrheitlich so angelegt, dass Küchen und Essplätze zum Podium hin orientiert sind, während die Wohnzimmer mit ihren vorgelagerten Wintergärten wie auch die Schlafzimmer in Richtung Landschaft ausgerichtet sind.
Das Podium selbst, eine grosse, mit gegossenen Betonplatten, Glasbausteinelementen und Kies belegte Fläche, wird mittels pavillonartigen, sperrholzbeplankten Stahlgerüsten in einen öffentlichen Zugangsbereich sowie halbprivate Aussensitzplätze unterteilt.
Grosse Fenster, riesigen Augen gleich, thematisieren den eigentlichen Luxus der Wohnanlage – die wunderbare Sicht auf die Landschaft und über den See. Die Fenster sind ohne äussere Sprossung und Geländer ausgeführt. Ein breiter Aluminiumrahmen, ähnlich einer Edelstein-Fassung, verdeckt und integriert Rolladen, Führungsschienen und Fensterrahmen. Die freie Anordnung der geschosshohen öffnungen gibt einen Hinweis auf die verschiedenen Wohnungstypen. Die zurückversetzten, zu den Terrassen orientierten Fassaden der Attikageschosse sind gänzlich in Aluminium gehalten. Die Hauptfassaden hingegen bestehen aus Mauerwerk, Aussenisolation und einem feinen, gleichmässig eingefärbten Verputz, der gleich einer glatten Haut die Volumina umspannt.
Die äusseren Fassaden sind in einem dunklen Braunton gehalten, der die volumetrische Erscheinung verstärkt, und an die Farben von gepflügten Feldern, Baumstämmen und anonymen Landwirtschaftsgebäuden erinnert sowie nicht zuletzt auch auf den «weichen», organischen Fassadenaufbau verweist. Der Künstler Harald F. Müller hat diesen Braunton präzisiert und hat auf den zum Podium gerichteten, einander zugewandten Fassaden dem Braun einen hellen Orangeton gegenübergestellt, der einen intensiven Farbraum generiert. Der Orange- und der Braunton sind miteinander verwandt, ist doch das Braun eine dunklere Variante des Orange und das Orange eine hellere Ausführung des Braun. Beim Farbwechsel an den Gebäudekanten intensivieren sich die Farben gegenseitig, flächig eingesetzt divergieren sie jedoch stark in ihrer Wirkung. Das Braun wirkt ruhig, integrierend, natürlich, zurückhaltend, nobel – das Orange indessen schrill, künstlich, fremd und beglückend schön.
Zwischen den spiegelnden Gläsern, welche die Landschaft, die bauliche Umgebung und den Himmel reflektieren, und den matten, farbhaltigen Putzflächen mit ihren feinkörnigen Oberflächen entstehen Wechselwirkungen, die intensiv auf die unterschiedlichen Lichtstimmungen reagieren.
Ersatzneubau Wohnüberbauung Hangenmoos
Eine neue Wohnüberbauung auf dem Wädenswiler Hangenmoos Areal ersetzt die Siedlung aus den 1960er Jahren. Das gut drei Hektar grosse Areal liegt am Rande des historisch gewachsenen Stadtkerns und ist geprägt durch die längliche Ausrichtung zur Zugerstrasse und das ansteigende Gelände nach Westen.
Die verdichtete Wohnüberbauung orientiert sich mit der freien Setzung der Baukörper in einer parkähnlichen Anlage an der Idee der Gartenstadt. Dabei wird die Anordnung der Gebäude durch verschiedene Faktoren definiert: den Verlauf der Topografie, der Ausrichtung der Wohnungen, den Seeblick, der Nachbarbebauung und der verkehrsreichen Strasse. Themen wie der durchgehende, differenzierte Aussenraum, Staffelung, Durch- und Ausblicke bestimmen die Komposition der Gebäude.
Drei Wohntypologien, sowie verschiedene Wohnungsgrössen bieten eine vielfältige Durchmischung der Siedlung, die etappenweise durchgeführt wird.
Zur viel befahrenen Zugerstrasse ist das Areal durch schlanke, zueinander versetzte Baukörper begrenzt. Hier sind die Treppenhäuser entlang der Fassade angeordnet, die Wohn- und Essräumen orientieren sich beidseitig, Schlafzimmern und Balkonen sind zum ruhigen Park hin ausgerichtet.
Dahinterliegend, hangaufwärts, sind fünf- bis siebengeschossige Gebäude, entlang der ruhigeren Holzmoosrütistrasse angeordnet. Sie orientieren sich an dem Terrainverlauf und der Aussicht zum See. Diese grossen und präsenten Gebäude bilden das Rückgrat der neuen Überbauung und weisen die höchste Dichte auf. Pro Geschoss gruppieren sich hier drei bis sechs Wohnungen um einen innenliegenden Erschliessungskern. Die grösseren Wohnungen sind jeweils über Eck oder als Durchwohntypen angelegt, die kleineren Wohnungen sind einseitig zum See ausgerichtet. Trotz der knappen Flächen, verleihen vielfältige Durch- und Ausblicke den Wohnungen Tiefe und Grosszügigkeit. Zusammen mit den niedrigeren Gebäuderiegeln der Zugerstrasse formen sie eine differenzierte Grünanlage mit fussläufigem Wegenetz.
In den Gebäuden der dritten Typologie sind pro Geschoss vier Wohnungen vorgesehen. Die beiden fünfgeschossigen Gebäude sind parallel zum Geländeverlauf ausgerichtet und zueinander versetzt. Der kreuzförmige Grundriss mit einem innenliegenden Erschliessungskern bietet nach drei Seiten ausgerichtete, helle und grosszügige Wohnungen.
Die Gliederung und Komposition der Baukörper, schaffen eine Siedlung mit verwandten Gebäudestrukturen, die trotz der unterschiedlichen Bedingungen des Areals eine Einheit bilden. Vielfältige Sichtverbindungen und Durchblicke öffnen die Aussenräume und geben der angestrebten Verdichtung eine dem Ort entsprechende Massstäblichkeit.
Bahnhof Baar mit Läden, Büros und Wohnungen
Die neue Bebauung schliesst den Bahnhofplatz gegen den nördlichen Geleiseraum und setzt der heterogenen Struktur im Süden einfache Volumen gegenüber. Eine Reihung von länglichen Baukörpern – verbunden durch ein gemeinsames Dach – fassen den Bahnhofplatz zu einem klar gegliederten städtischen Aussenraum.
Ausgehend von der grossen, verbindenden Überdachung des Abgangs in die Personenunterführung und der Längsausrichtung der Volumen, bestimmt die Stapelung der unterschiedlich geschnittenen, horizontalen Platten und die umlaufenden Brüstungsbänder aus vorfabrizierten Betonelementen den Ausdruck des Gebäudes. Die umlaufenden Bänder vereinen Gebäude und Überdachung, während die wechselnden Rhythmen der Einfüllungen zwischen den Bändern die verschiedenen Nutzungen widerspiegeln. Die vorfabrizierten Betonelemente des Perrondachs bei Hauptgebäuden und Platz sind mit orangebraunen Eisenoxydpigmenten eingefärbt, in Anlehnung an die Geleisefeldpatina. Die Farbgestaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem Künstler Adrian Schiess entwickelt.
Résidence du Pré-Babel
Auf der ehemaligen Sport- und Parkanlage, östlich des Genfersees, wurden in drei Etappen mehrgeschossige Wohnbauten verschiedenen Standards fertig gestellt: «Pré-Babel», «Grange-Canal» und jüngst «Le Corylus». Das Grundstück befindet sich in einer der umliegenden Gemeinden Genfs, die aufgrund des stetigen Wachstums der Stadt und der dadurch herrührenden Wohnungsknappheit verdichtet werden. Die Neubauten folgen dem Konzept der punktuellen Verdichtung, um einen offenen Parkraum und möglichst viele Bäume zu erhalten.
Die erste Bauetappe Pré-Babel umfasst drei dreigeschossige Wohnhäuser (1,2 und 3) mit insgesamt 28 Eigentumswohnungen im Hochpreissegment. In der zweiten Bauetappe Résidence du Parc de Grange-Canal sind auf der gleichen Parzelle drei hohe Baukörper mit Wohnungen im mittleren Standard und – entsprechend einer Besonderheit der Genfer Bauordnung - auch mit subventionierten Wohnungen vorgesehen. Für alle drei Wohntypen eine Architektursprache und ähnliche Wohntypologien zu finden, bildete eine der Herausforderungen bei der Bebauung des Parks.
Lage und Form der Gebäude erzeugen Aussenräume, die abwechselnd entweder mit Bäumen durchsetzt sind oder offene Freiflächen bilden. Die Wohnungstypen profitieren von jeweils drei- bis vierseitiger Orientierung mit Aussicht auf Wiesenflächen und Baumgruppen.
Die Zugangswege zu den Häusern 1, 2 und 3 winden sich durch den Park und führen zu leicht abgesenkten Hauseingängen. Um den Park möglichst wenig mit Verkehr zu beeinträchtigen, führen die Zufahrten zu den Parkgaragen unterirdisch zu den Häusern. In der Eingangshalle treffen sich beide – Zugang zum Park und zur Parkgarage. Geländer aus poliertem Chromstahl weiten den Raum optisch zusätzlich, ebenso wie hellgraue Bodenbeläge aus Terrazzo und Kunststein mit Marmorkieseln. Die Wohnungseingänge bestehen aus dunklen Eichentüren und sind flankiert von Leuchtkörpern gleichen Formats. Wände aus Sichtbeton kontrastieren diese festlichen Elemente des Treppenhauses mit einer gemessenen Alltäglichkeit.
Das natürlich belichtete Treppenhaus erschliesst zwei bis drei Wohnungen und ein Studio pro Geschoss. Die Wohnungen selbst sind grosszügige, dreiseitig orientierte Etagenwohnungen mit einer überdurchschnittlichen Raumhöhe von 2,70 Meter. Beginnend mit einer Eingangshalle teilen sie sich in zwei Hauptzonen, einen Tagesbereich mit Küche, Esszimmer, Wohnraum und Bibliothek sowie einen Nachtbereich, bestehend aus Schlafzimmern mit dazu gehörenden Nasszellen und Ankleideräumen. Jede der Wohnungen hat einen gedeckten Balkon und zusätzlich einen Wintergarten. Jeweils eine der Wohnungen im obersten Geschoss hat privaten Zugang zur grossen Dachterrasse mit Pavillonaufbauten.
Die Baukörper aus vorfabrizierten horizontalen und vertikalen Betonelementen wirken wie eine Komposition mit beinahe klassischer Anmutung. Grau eingefärbte horizontale Betonbänder verbinden sich mit vertikalen, unterschiedlich breiten Elementen mit gelber Pigmentierung, die die Sandsteinfarbtöne der Stadt Genf anklingen lässt. Schiebefenster mit feinen Aluminiumprofilen wechseln sich mit den gelben Betonelementen ab. Zusätzlich zu den Fenstern spiegeln reflektierende Glasbrüstungen den Park und verstärken gleichzeitig den Eindruck der Fassade als «geometrisches Gewebe mit eingeflochtenem Silberfaden».
Résidence du Parc de Grange-Canal
Auf der ehemaligen Sport- und Parkanlage, östlich des Genfersees, wurden in drei Etappen mehrgeschossige Wohnbauten verschiedenen Standards fertig gestellt: «Pré-Babel», «Grange-Canal» und jüngst «Le Corylus». Das Grundstück befindet sich in einer der umliegenden Gemeinden Genfs, die aufgrund des stetigen Wachstums der Stadt und der dadurch herrührenden Wohnungsknappheit verdichtet werden. Die Neubauten folgen dem Konzept der punktuellen Verdichtung, um einen offenen Parkraum und möglichst viele Bäume zu erhalten.
Die erste Bauetappe Pré-Babel umfasst drei dreigeschossige Wohnhäuser mit insgesamt 28 Eigentumswohnungen im Hochpreissegment. In der zweiten Bauetappe Résidence du Parc de Grange-Canal sind auf der gleichen Parzelle drei hohe Baukörper mit Wohnungen im mittleren Standard und – entsprechend einer Besonderheit der Genfer Bauordnung – auch mit subventionierten Wohnungen vorgesehen. Für alle drei Wohntypen eine Architektursprache und ähnliche Wohntypologien zu finden, bildete eine der Herausforderungen bei der Bebauung des Parks.
Die Häuser der Résidence du Parc de Grange-Canal (Haus 40, 42 sowie 38) sind als sieben- bis neungeschossige Hochhäuser konzipiert. Sie beinhalten achtzig Eigentumswohnungen mit regulierten Verkaufspreisen sowie im Haus 38 insgesamt fünfzig Sozialwohnungen mit subventionierten Mieten (Ausführungsplanung und Realisierung hier durch Cerutti Architekten), die folglich einem einfacheren Standard entsprechen. Diese werden im Haus 42 durch möblierte Kleinwohnungen ergänzt. Auch in diesen Gebäuden verfügt jede Wohnung über einen gedeckten Balkon mit einem verglasten Wintergarten; die Dachwohnungen haben jeweils eine eigene Dachterrasse.
Die Baukörper aus vorfabrizierten horizontalen und vertikalen Betonelementen wirken wie eine Komposition mit beinahe klassischer Anmutung. Grau eingefärbte horizontale Betonbänder verbinden sich mit vertikalen, unterschiedlich breiten Elementen mit gelber Pigmentierung, die die Sandsteinfarbtöne der Stadt Genf anklingen lassen. Die gelb pigmentierten Betonelemente sind als wärmegedämmte Sandwichelemente ausgebildet. Dunkel beschichtete Holz-Metall-Fenster mit festverglasten Brüstungen rhythmisieren die Fassadenflächen.
Wohnüberbauung Entrepôt Macdonald
Im Nordosten von Paris, unweit des Parc de la Vilette, entstanden auf der grossmassstäblichen Struktur einer ehemaligen Lagerhalle Wohnbauten, Büros und Läden. Das ehemalige «Entrepôt Calberson-Macdonald» wurde 1969 von dem Architekten Marcel Forest entlang der Bahngleise errichtet und gibt heute mit seiner markanten Betonstruktur und einer Länge von mehr als 600 Metern die Rahmenbedingung für die Erweiterung und städtische Verdichtung vor.
Auf der bestehenden Gebäudestruktur wurden die neuen Aufbauten der 15 beteiligten Architekturbüros, im Rahmen der städtebaulichen Vorgaben, errichtet. Der Bestand zum Boulevard, mit der charakteristischen langgestreckten Fassade, blieb dabei weitgehend erhalten und bildet den Sockel als verbindendes Element des Ensembles. Der Mittelteil des 80 Meter tiefen Gebäudes wurde für die notwendige natürliche Belichtung und zugunsten eines begrünten Hofes bis auf das durchgehende Erdgeschoss abgebrochen.
Gigon/Guyer wurden mit dem Bau von 84 Sozialwohnungen im östlichen Teil des Grundstücks beauftragt. Das entlang des Boulevards Macdonald gelegene Gebäude mit einer Nord-Süd Ausrichtung umfasst acht Geschosse, wovon zwei Teil des Bestands sind. Es galt, innerhalb der urbanistischen Vorgaben des Gesamtprojektes und den Möglichkeiten des sozialen Wohnungsbaus, die Überbauung als eigenständige Architektur mit einer Vielfalt unterschiedlicher Wohntypologien zu entwickeln.
Das längliche Hauptgebäude und zwei vertikale Hofbauten bilden einen kammartigen Grundriss mit zwei inneren Erschliessungskernen in den Kreuzungspunkten. Gartenseitig wird so der Aussenraum gegliedert, zugleich ermöglicht die grossflächige Fassadenabwicklung eine optimale Süd-Ost, Süd-West Ausrichtung der Wohnungen und vielfältige Grundrisse. Die kleineren Wohnungen sind einseitig ausgerichtet, die grösseren Wohnungen orientieren sich beidseitig, mit Küche und Wohnzimmer zum ruhigen Hof. In den Anbauten sind die ebenerdigen Wohnungen doppelgeschossig zum Hof gelegen und verfügen über private Gärten. In den beiden obersten Geschossen finden sich Duplex Wohnungen mit Schlafzimmern in der Attika und Dachterrassen.
Zum Hof sind die Fassade und die Balkone in Abhängigkeit der verschiedenen Wohnungstypen unterschiedlich zueinander geknickt. Dadurch setzt die Fassadengestaltung das Thema der Verschränkung von Innen- und Aussenraum im Hauptvolumen fort. Sie ist mit vertikal fein gewellten, glänzenden Aluminiumblechen verkleidet, die je nach Lichtsituation unterschiedlich wirkt und dem Gebäude seine Leichtigkeit verleiht. Verstärkt wird der Eindruck der Transparenz durch die Perforierung der brüstungshohen Paneele. Diese laufen als durchgehendes Band über die gesamte Länge des Gebäudes, werden boulevardseitig in den mittleren Geschossen fortgeführt und betonen die horizontale Struktur der Fassade. Vor den Balkonen falten sich die gelochten Elemente nach Aussen, verblenden die französischen Fenster und lassen den roten Anstrich durchscheinen.
Der Masterplan sieht boulevardseitig eine Fassadengliederung in horizontalen, kristallinen und mineralischen Schichten vor – mit einem markanten Rahmen aus Leichtbetonelementen, der die obersten drei Geschosse zusammenfasst. Das Erdgeschoss ist verglast, die beiden Sockelgeschosse mit den breiten horizontalen Bändern und den feinen Gliederungen sind im bestehenden, sorgfältig renovierten Beton materialisiert. Ein feingliedriges, vertikales Geflecht von goldig eloxierten Profilen mit zurückgesetzten Fenstern und geschlossenen Flächen bilden die Füllung der gerahmten, obersten drei Geschosse, in Referenz zur horizontalen Teilung im Betonsockel. Auf Höhe des zweiten und dritten Obergeschosses öffnet ein grosses Stadtfenster den Block und gibt Ein- und Ausblick in den innenliegenden Hof und auf den belebten Boulevard.
Koordination Architekten/Masterplan:
FAA+XDGA / Floris Alkemade et Xaveer de Geyter Architects, Arge, Paris, Frankreich
Résidence «Le Corylus»
Auf der ehemaligen Sport- und Parkanlage, östlich des Genfersees, wurden in drei Etappen mehrgeschossige Wohnbauten verschiedenen Standards fertig gestellt: «Pré-Babel», «Grange-Canal» und jüngst «Le Corylus». Das Grundstück befindet sich in einer der umliegenden Gemeinden Genfs, die aufgrund des stetigen Wachstums der Stadt und der dadurch herrührenden Wohnungsknappheit verdichtet werden. Die Neubauten folgen dem Konzept der punktuellen Verdichtung, um einen offenen Parkraum und möglichst viele Bäume zu erhalten.
Die erste Bauetappe Pré-Babel umfasst drei dreigeschossige Wohnhäuser mit insgesamt 28 grossen Eigentumswohnungen im oberen Preissegement. In der zweiten Bauetappe Résidence du Parc de Grange-Canal beinhalten drei sieben- bis neungeschossige Hochhäuser auf der gleichen Parzelle 80 Eigentumswohnungen im mittleren Standard und 50 subventionierte Wohnungen. In der dritten Bauetappe Corylus befinden sich 12 Eigentumswohnungen und 4 Büros im Erdgeschoss im viergeschossigen Gebäude. Die zueinander versetzten Baukörper verhelfen den Wohnungen zu mehrseitigen Orientierungen in den Park und den Erschliessungen zu Tageslicht. Jede Wohnung hat einen gedeckten Balkon mit verglastem Wintergarten, teilweise sind die Dächer durch Maisonette- und Dachwohnungen mit eigenen Terrassen genutzt. Um die Adressen zu unterscheiden, sind die Eingangshallen und Treppenhäuser in den Etappen jeweils anders materialisiert. Bei Corylus sind die durchgehenden Eingangshallen mit den offenen, versetzt angeordneten Treppen beidseitig belichtet. Helle Terrazzoböden und Sichtbetonflächen kontrastieren mit dunklen, geölten Walzblechen bei den Türen und Geländern. Leuchtkörper über den Eingängen und eine in Gold gestrichene, vertikale Wandfläche entlang den Treppenläufen ergänzen die Raumstimmung.
Die Baukörper aus vorfabrizierten horizontalen und vertikalen Betonelementen wirken wie Kompositionen mit beinahe klassischer Anmutung. Grau eingefärbte horizontale Betonbänder verbinden sich mit vertikalen, unterschiedlich breiten Elementen mit gelber Pigmentierung, die die Sandsteinfarbtöne der Stadt Genf anklingen lassen. Die gelb pigmentierten Betonelemente sind als wärmegedämmte Sandwichelemente ausgebildet. Dunkel beschichtete Holz-Metall-Fenster mit festverglasten Brüstungen rhythmisieren die Fassadenflächen. Die gemeinsame Architektursprache überspielt die unterschiedlichen Wohntypologien und gibt dem Ensemble eine eigene, starke Identität.
Umbau ehemaliges Bauernhaus, Kanton Aargau
Das Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde mehrfach erweitert und umgebaut. In seiner heutigen Nutzung als Wohnhaus sollte es eine Aktualisierung erfahren. Gemeinsam mit der Bauherrschaft wurden verschiedene Eingriffe entwickelt – sanfte Rekonstruktionen, aber auch tiefgreifende, kontrastierende Massnahmen: von neuen Holztäfelungen bis zu tragenden Holzdecken, von ergänzten Vorfenstern nach traditonellem Vorbild bis zu modernen Metallfenstern mit Isolierverglasungen. Dabei waren die vielschichtige Bausubstanz, energetische und denkmalpflegerische Gesichtspunkte sowie erhöhte statische Anforderungen abzuwägen, nicht zuletzt beeinflusst durch den Schädlingsbefall an bestehenden Balken und Täfelungen.
Der Baubestand umfasst das ehemalige Bauernhaus, eine grosse Scheune und freistehende Nebengebäude. Der Gebäudekern mit dicken Geröllsteinmauern und schönem Gewölbekeller erfuhr 1943 die wesentliche Vergrösserung zu den heutigen Dimensionen. Ende der 1980er Jahre wurde Richtung Südosten unter dem verlängerten Dach ein Nebenraum zum geschützten Sitzplatz mit Feuerstelle umgebaut und ein gedrungener Balkon unter dem Vordach ergänzt. Das Haus bekam damals auch eine Zentralheizung sowie eine zusätzliche Tannenholztäfelung im Inneren. Beim aktuellen Umbau konnten die Aussenmauern und die bestehende Dachkonstruktion erhalten werden. Die mittlere Tragwand musste aus Gründen der Erdbebensicherheit ersetzt werden. Deren statische Aufgaben übernimmt eine neue, raumhaltige Sichtbetonstruktur mit Öffnungen und Nischen für Schränke und eine Feuerstelle mitsamt Kamin, die den vormaligen Ofen ersetzt.
Der Küchenraum reicht neu über zwei Geschosse. Er erhält zusätzlich zenitales Licht über ein grosses Dachfenster, dessen Trichter den Dachboden durchstösst. Ein Betonsteg quert den hohen Raum und verbindet die Schlafkammern im Obergeschoss. Mit rohen Betonflächen, verputzen Mauern und einem Fussboden aus zerbrochenen Betonplatten formt die Küche einen «steinernen» Raum. Die umliegenden Räume sind in Analogie zum vormaligen Innenausbau als hölzerne Einbauten konzipiert: Neue Konstruktionen aus Tannenholz bilden nun die Decke über dem Erdgeschoss, die Trennwände und die Treppe. Bodenbelag und Wände sind aus roh belassenen, massiven Tannenholzbrettern.
Die Aussenmauern wurden mit Innendämmung und zwei neuen, grossen Fensteröffnungen versehen. Drei der bestehenden Öffnungen wurden vergrössert und leicht versetzt; die Mehrzahl blieb jedoch unverändert. Die Fenster selbst wurden auf ungewohnte Art «rekonstruiert»: In die bestehenden und neuen Steinleibungen wurden traditionelle, hölzerne Vorfenster mit Fenstersprossen eingesetzt. Kontrastierend dazu bilden Isolierverglasungen in schlanken, schwarzbraunen Stahlprofilen jeweils das innere Fenster. Dunkle Metallbleche verkleiden die tiefen inneren Leibungen. Die hölzernen Fensterläden wurden überarbeitet und auch bei den neuen Fenstern hinzugefügt.
Dort, wo der Fassadenverputz erneuert oder ergänzt werden musste, wurde er jeweils mit einer anderen Struktur ausgeführt – grober Kellenwurf auf den fein verputzten Seiten, feiner Abrieb an den Fassaden mit grobem bestehendem Putz. Für den Ersatz der hölzernen Giebelverkleidung gegen Südosten kamen braun gebeizte, versetzt angeordnete Holzlatten zum Einsatz. Mit breiteren Abständen finden sie sich auch beim rekonstruierten, aber tiefer gesetzten Balkon und beim vormals verglasten Sitzplatz, der damit die Anmutung eines Vorbaus zurückgewinnt.
Der Ersatzbau für die ehemalige eternitverkleidete Garage besteht aus tragenden, roh belassenen Holzverbundplatten. Die Wände sind wiederum mit vertikalen dunkelbraun gebeizten Holzlatten verkleidet. Unter dem gekantetem Blech der Dachbedeckung bleiben Dachlatten und Konterlatten jedoch unbehandelt. Die Lage der ehemaligen freistehenden Hühner- und Schweineställe ist als versteinerter Fussabdruck in Form einer Betonplatte ablesbar, die nun einen sommerlichen Sitzplatz mitten auf der Wiese bildet.