Projektkategorie: Wettbewerbe (nicht realisiert)
Stadion Letzigrund
Das neue Stadion Letzigrund, Austragungsort des jährlichen Leichtathletik-Meetings, ist als Kombination aus Fussball- und Leichtathletikstadion konzipiert und steht darüber hinaus für Grossevents zur Verfügung.
Das Fussballfeld liegt exzentrisch innerhalb der Leichtathletikbahnen, so dass die Idealgeometrie des umlaufenden Tribünenovals leicht gestaucht wird. Weitere Differenzierungen ergeben sich aufgrund der Zusatznutzungen, die unterschiedlich auf die Erdgeschosszone verteilt sind: Während sich die Standfläche des Stadions im Bereich der Badener-, Herdern- und Baslerstrasse auf einen schmalen Streifen reduziert und somit eine starke Auskragung des Tribünenbaus zur Folge hat, vergrössert sich die Schicht auf der Nordwestseite, wo sich die publikumsintensiven Hauptnutzungen konzentrieren – ein Restaurant mit Konferenzzentrum und eine Turnhalle, die auch als Pressezentrum dienen kann. Dazu kommen die speziellen Räume der unterschiedlichen Betreiber sowie – im Untergeschoss – Garderoben, Nasszellen sowie Kraft- und Massageräume. Wichtig ist eine grosse Flexibilität der Nutzungen je nach Art der Veranstaltungen.
Ein raumhaltiges Tragwerk aus Stahl bildet das schwebende, trichterförmige Volumen des Stadionkörpers. Schotten folgen der Geometrie der Laufbahn und werden an der Aussenseite mit Aussteifungen gehalten. Im Normschnitt ist der Fachwerkbinder dreifach geknickt und setzt sich aus vier Teilen zusammen: Das erste Element ist der auskragende Tribünenträger, das zweite bildet den Tribünenkranz, das dritte formt die Dachauskragung, das vierte hält den Beleuchtungskranz. Gitter-Drahtgeflechte verkleiden die aussteifenden Aussenseiten der Tribünenkonstruktion und lassen sie je nach Blickwinkel wie ein körperhaftes Volumen wirken.
Die Haupteingänge befinden sich im Osten und Süden, mithin an den als Vorplätze ausgebildeten Ecken der Parzelle; die weit auskragende Tribüne wirkt wie eine einladende Geste.
Wiederum durch Gitter kann das Umfeld des Stadions, zu dem auch zwei weitere Sportfelder im Nordosten gehören, so räumlich differenziert werden, dass die Nutzungen sich auf die jeweilige Form der Veranstaltung abstimmen lassen.
Text: Hubertus Adam
New Museum of Contemporary Art
Das New Museum soll seinen Standort auf einer Parzelle finden, die in die Baufront auf der Ostseite der Bowery im New Yorker Stadtteil SoHo eingegliedert ist. Ziel ist es hier ein weiteres Mal, die Architektur des Museums in den Dienst der Kunst zu stellen, für die es entworfen wird. Die Bauherrschaft formuliert die Losung des Gebäudes im Wettbewerbsprogramm folgendermassen: ‚The building should be so great that you can’t miss it on the outside, and so great that you don’t notice it on the inside.‘
Die unterschiedlichen Funktionsbereiche des Museums sind zu einem Turm von 48 Meter Höhe gestapelt, der die Nachbargebäude deutlich überragt. Den Sockel bildet eine grosszügige, mehrgeschossige Lobby als Bindeglied zwischen aussen und innen. Buchladen, Kasse, Garderobe und Erschliessungskerne sind als verglaste Kuben in die Halle eingestellt; ein Saal für Wechselausstellungen liegt auf der Rückseite. Über der lobby folgen im Galeriegeschoss das der Strasse zugewandte Café, dann eine Media-Lounge und die Museumsverwaltung.
Die obersten fünf Geschosse beherbergen die Ausstellungsräume, deren Höhen zwischen 5,50 und 6,70 Meter variieren. Der Erschliessungskern liegt hier leicht von der Mitte des Gebäudes versetzt, sodass die umgebenden Ausstellungsräume jeweils unterschiedlich proportioniert sind. Jedes Geschoss bildet so einen eigenen, abwechslungsreichen Rundgang. Auf der siebten Ebene erlaubt ein für das New Yorker Baureglement typisches Setback eine öffentliche Terrasse als Rastplatz und Aussichtspunkt auf dem Weg durch die Ausstellung.
Die Ausstellungsräume des New Museum werden grundsätzlich als ‚Gefässe‘ für die Kunst aufgefasst. Sie sind als klare, zumeist rechtwinklige Räume konzipiert, mit einem sorgfältig komponierten Zusammenspiel von Proportionen, Materialien und Beleuchtung. Hoch liegende, seitliche Fensteröffnungen aus geätztem Glas versorgen die Ausstellungsgeschosse mit gleichmässigem, diffusem Tageslicht. Die Böden bestehen aus gegossenem Beton.
Die Fassaden spiegeln die verschiedenen Bedingungen des Gebäudes: die Besonderheiten des Bauplatzes, die Konstruktion und den städtischen Kontext. Verschiedene Glasoberflächen generieren faszinierende, diffus fliessende Übergänge zwischen klarem, reflektierendem und geätztem Glas, in dem sich die Umgebung sowohl spiegelt als auch wieder verliert. Die hierfür verwendeten Materialien sind zwar charakteristisch für New York, werden aber auf unkonventionelle Weise verwendet. Das Äussere des Gebäudes macht die Funktionen des Museums ablesbar und verschleiert sie zugleich, es arbeitet und spielt mit dem Licht und bringt dadurch nicht zuletzt zum Ausdruck, dass es ein gebautes ‚Instrument der Wahrnehmung‘ ist.
Erweiterung Tel Aviv Museum of Art
Casa de la Historia
Die Aufgabe bestand darin, ein Besucherzentrum für eine keltische Ausgrabungsstätte im spanischen La Coruña zu entwerfen und das umliegende Areal zu strukturieren, das nicht zuletzt durch die britisch-französische Schlacht von La Coruña (1809) bekannt geworden ist. Der Entwurf beruht auf dem landschaftsgestalterischen Konzept, bestehende Vegetation, Wegeführung und Anbauflächen in das Gesamtprojekt zu integrieren: Der Parque de Elviña umfasst den Bereich der archäologischen Ausgrabung (Castro), eine nach heutigem Forschungsstand rekonstruierte keltische Siedlung (Neo Castro), neu gepflanzte Waldflächen mit ursprünglichen Pflanzen (Eichen, Edelkastanien, Lorbeer, Haselnuss) und heute bestehende Waldbereiche. Dazu treten neu angepflanzte Heideflächen mit ursprünglichen Pflanzen (Stechginster, Brombeere, Sandelholzbäume), Demonstrationsflächen früherer Agrarkultur sowie heutige Ackerzonen. Hinzu kommen überdies das Museum sowie Abstellflächen für Autos.
Der neue Museumskomplex, zwischen Parkplatz sowie altem und neuem Castro gelegen, setzt sich aus drei unterirdisch verbundenen Volumina unterschiedlicher Grössen zusammen – das Ensemble ist gleichsam die Grundform einer Siedlung und symbolisiert zudem die Entwicklung der menschlichen Behausung von der Hütte bis zum Hochhaus. Die Neubauten sind markant, lassen aber dem authentischen Ort den Vortritt.
Während der kleinste Baukörper neben dem Shop Administrationsräumlichkeiten beherbergt, dient der mittlere als Café-Restaurant; ausserdem befinden sich dort eine Kinderkrippe und Übernachtungsmöglichkeiten. Das Museum schliesslich ist im grössten der Baukörper untergebracht: Über dem Foyer im Erdgeschoss und den Wechselausstellungsbereichen des ersten Obergeschosses erstreckt sich eine Sequenz von Ausstellungsräumen über insgesamt zehn Halbgeschosse. Zuoberst erlaubt eine Terrasse den weiten Blick über Castro und Umgebung.
Die Ausstellungsräume wirken neutral und ermöglichen Bespielungen auf vielfache Weise; Kastenfenster erlauben von fast allen Räumen aus die Beziehung zur Landschaft – dem eigentlichen «Ausstellungsgut».
Die Verkleidung des Tragwerks besteht aus Blechen – mattierten beim Restaurant, strukturierten beim Shop und glänzenden, spiegelnden, die Umgebung wiedergebenden und von weit her sichtbaren beim Museum.
Text: Hubertus Adam
Wohnüberbauung De Driehoek, Science Park
Der städtebauliche Masterplan von KCAP und Karres&Brands sieht 600 bis 700 neue Wohnungen in dem Science Park bei Amsterdam vor. Das Gebiet liegt zwischen dem Flevopark, dem Indischen viertel und der Eisenbahnstrecke Amsterdam – Almere. Das Konzept sieht fünf archipelähnliche Inseln vor, die jeweils ihren eigenen Charakter haben. Die „Insel“ De Driehoek befindet sich zwischen dem Deich Oosterringdijk und der Allee McGillavrylaan und ist eine Komposition aus drei Türme auf einem durchgehenden Sockel.
Der Entwurf bietet 177 Eigentumswohnungen, mit Flächen zwischen 70 und 120 Quadratmetern. Die Wohnungen sind in den drei Turmen angeordnet und bieten weite Ausblicke auf den Flevopark, den angrenzenden Fluss sowie auf die Allee und den Platz vor dem Gebäude.
Façade-enveloppe de l’Île Seguin
Museum Folkwang
Erweiterung Städel Museum
Der neue Erweiterungsbau des Städelmuseums ergänzt den Gartenflügelanbau (der Architekten von Hoven und Heberer) und den Westflügelannex (von Peichl) zu einer Gebäudekonfiguration, die den Gartenraum umschliesst. Sie belässt diesen Grünraum jedoch für den Festsaal nutzbar sowie weiterhin von der Strasse aus zugänglich und erlebbar.
Die strassenseitige Vorgartenzone mit reichem Baumbestand erfährt eine Öffnung die den Blickbezug auf den Erweiterungsbau und in den Hofgartenraum ermöglicht. Grüne ‚Pflanzteppiche’ mit Birken und Robinien wechseln sich dort mit einem hellen Kies-Ton-Belag ab und Skulpturen sowie Sitzgelegenheiten bilden künftig die ‚Möblierung’.
Der Erweiterungsbau schließt mit seinem ‘Kopf’ als brückenartiges, eingeschossiges Volumen an das Hauptausstellungsgeschoss des historischen Gartenflügels an. Der Hauptkörper der Erweiterung liegt als schlanker, dreigeschossiger Riegel parallel zur Kunstakademie und zum Gartenflügel und dockt im rechten Winkel an den Westflügel an. Der Neubau bildet mit seinem Volumen weitgehend die Wegeführung in seinem Innern ab.
Über das große bestehende Haupttreppenhaus und den Gartenflügel gelangen die Besucher in den neuen Erweiterungsbau. Der 'Kopf' des Neubaus wird durch den östlichen Erschließungstrakt gebildet, beginnend mit dem Verteil- und Orientierungsraum, der an den Gartenflügel andockt. Von hier führt einer der möglichen Rundgänge hinauf zu den Sälen des zweiten Obergeschosses, über den westlichen Treppenraum in die Kunsträume des ersten Obergeschosses und zurück zum ‚Kopf’, ins 'Gartenzimmer' und die erdgeschossigen Ausstellungsräume. Das ‚Gartenzimmer’ ist als Kunst-Café vorgesehen. Hier interagieren Innen und Außen, Strasse und Gartenraum, Kunst- und Kaffeegenuss.
Die Ausstellungsräume sind zurückhaltend gestaltet: Parkettböden mit Dielen aus Räuchereiche, fein verputzte, gestrichene Wände und Decken mit Fluoreszenzleuchten bilden den ruhigen ‚Hintergrund’ der Kunstwerke. Fenster in Form von kristallartigen, unterschiedlich auskragenden gläsernen ‚Erkern’ bieten sich den Besuchern auf dem Rundgang von Raum zu Raum als Orientierungspunkte und Pausenzonen an. Die Ausstellungsräume auf den drei Ebenen im Hauptbaukörper sind so beschaffen, dass sie eine Vielzahl von möglichen Bespielungen erlauben, insbesondere die spannungsvolle Interaktion von Museumssammlung und Sammlungskonvoluten. Dazu trägt sowohl die stützenfreie Überspannung der Gebäudetiefe, als auch die Lüftungsführung in den Außenwänden bei. Die lichten Raumhöhen von 5.45 Metern ermöglichen zudem großzügige räumliche Zusammenhänge.
Die Tragkonstruktion des Erweiterungsbaus ist in Beton gefertigt. Eine Fassadenhülle aus rhythmisch gefalteten Edelstahlblechen schützt die Isolationsschichten. Es ist eine Verkleidung, die den Himmel, die historischen Bauten und die Bäume vielfach wiedergibt. Der Baukörper spielt und arbeitet mit dem Licht – durch die facettenreiche Reflektion seiner Umgebung gewinnt er Präsenz und erzeugt aber gleichzeitig Weite und Distanz zu den bestehenden Museumsbauten.