Diözesanmuseum Kolumba

Das Projekt sucht nach einer baulichen Synthese zwischen dem Vergangenen – der kriegszerstörten Kirche-, dem Bestehenden – der kleinen Kapelle – und dem Künftigen – dem Diözesanmuseum. Die Kirchenruine St. Kolumba soll «überbaut» und die Kapelle «Maria in den Trümmern» von Gottfried Böhm soll in ein neues, grösseres Gebäudevolumen eingebunden werden. Den Mauerlinien der letzten Kirche weitgehend folgend, wird das Museumsgebäude die Volumetrie der Kirche St. Kolumba in neu interpretierter Form wiederherstellen. Diese Vorgehenweise adaptiert die jahrhundertealte Tradition, die Kirchengebäude «aus sich heraus» zu verändern, zu ergänzen, zu vergrössern – aber den Standort, den geweihten Ort beizubehalten.

Die Ruine wird zwar befestigt und geschützt, sie bleibt aber erkennbar. Analog den konservierenden Ausmauerungen der Fensteröffnungen werden die Fassadenreste der Kirche zum Schutz der erosionsgefährteten Mauerkronen und der offenen Ausgrabungsstätte aufgemauert.

Das oberste Museumsgeschoss, das die Ruine zu grossen Teilen überdeckt, lässt über der Stätte wieder einen Raum entstehen – einen «inneren» Aussenraum. Einen Raum, dessen Wände und Dach löchrig sind – wie dessen Boden.

Der Museumsbau vermag so zum Schutzdach und zur Schutzhülle für die Ueberreste der zerstörten Kirche zu werden, während er in seinem Inneren kirchliche Kunstgegenstände neu beheimatet, bewahrt und schützt. Das Museum wird zum Bindeglied zwischen Kunstobjekt und geweihtem Ort – als Behausung des einen und «Beschirmung» des anderen.

Die kleine Kapelle wird als eigener Baukörper eingebunden in das neue Volumen – wie ein Stein in eine Fassung. Das Museumsgebäude öffnet sich mit einem riesigen Hof über der Kapelle, sodass deren Hauptteil, das Oktogon, unter freiem Himmel steht.

Die Konstruktion des Museums besteht hauptsächlich aus zwei Materialien: Beton zum Tragen und schwarzes Klinker-Mauerwerk zum Verkleiden, Umhüllen und Schützen. Die primären Tragelemente aus Beton, die raumhaltigen Pfeiler, gepaart mit tragenden Scheiben,  verdichten sich im obersten Geschoss zu einem räumlichen Geflecht von Scheiben, Böden und Decken.

Die Aufmauerung der Kirchenumfassungswände und auch der luftdurchlässige, ebenfalls unbeheizte Oberlicht-Dachstock bestehen aus versetzt gemauertem, dunklem Klinker. Eben dieser Stein, aber ohne Lücken vermauert, bildet auch die äussere, verkleidende Schale der tragenden Betonwände. An den Fassaden verweisen die unterschiedlich durchlässigen Mauerwerksschichten auf die dahinter liegenden, geschlosssenen Innenräume oder die offenen Aussenräume – mit dieser Eigenschaft an die durchbrochenen Konstruktionen des Kölner Doms errinnernd.

Die Museumsräume besitzen ein Oberlicht, ein Seitenlicht oder teilweise auch beides. Die Wände bestehen aus rohem Beton oder können gestrichen werden – weiss, farbig oder in goldener Farbe wie eines der Kunstwerke – die Wandmalerei von Jannis Kounellis.

Ort Köln, Deutschland

Wettbewerb 1997, 2. Preis

Team GG Markus Lüscher, Katrin Jaggi

Bauingenieur Branger + Conzett, Chur

Haustechnik Waldhauser Haustechnik AG, Münchenstein

Tageslichttechnik Institut für Tageslichttechnik Stuttgart, Deutschland

Kunstlichttechnik Lichtdesign, Köln, Deutschland

Büro- und Servicecenter

Das Projekt sollte ein architektonischer «Massanzug» sein für die Aufgabe, im Industriegebiet des kleinen Ortes Coesfeld für das Textilhandelsunternehmen Ernsting’s Family ein Service-Center zu bauen. Der Standort im gewerblich genutzten Areal Coesfeld-Lette, in der Nachbarschaft des Vertriebs- und Anlieferungsgebäudes und einer Betonfabrik, legte eine Architektur nahe, die bezüglich ihrer Kubatur, aber auch ihrer Materialität und Konstruktion eine Verwandtschaft zu gewerblichen Bauten aufweist.

Der neue Baukörper ist nahe an die Strasse gesetzt, um eine spannungsvolle Konfiguration mit dem unmittelbaren Nachbarbau zu bilden und überdies einen möglichst grossen Freiraum zu belassen für zukünftige Erweiterungen. Infolgedessen entwickelt sich der Baukörper in die Höhe statt in die Tiefe. Die zunächst einfache Grundform des Bauvolumens wird durch die Addition verschiedener Volumina zu einer komplexen Figur gesteigert. Eingangshalle, Kantine, Konferenzraum, aber auch die tentakelartige Passerelle und der Dachaufbau lagern sich an die Grundform an.

Das frei bleibende Grundstück im Süden ist das Bindeglied zur angrenzenden kleinmassstäblichen Bebauung mit Einfamilienhäusern. Die Fläche sollte patternartig in Grünflächen und  befestigte Flächen aufgeteilt sein. Gegossene grossflächig gefugte Betonplatten bilden den Bodenbelag für den Aussensitzplatz, für die Erschliessungsstrasse und die Parkplätze. Die Grünflächen selbst werden weiter unterteilt in längliche Felder, die mit dicht belaubten Bäumen heckenartig bepflanzt sind, in Flächen, welche mit Obstbäumen hainartig bewachsen sind, und in kleinere Rasenflächen. Sie laden die Mitarbeiterinnen dazu ein, im Sommerhalbjahr die Mittagspausen im Freien zu verbringen und von den Fruchtbäumen Obst zu pflücken.

Das Projekt sieht nicht nur konventionelle Büros für administrative Arbeiten vor, sondern auch Räume für die Bearbeitung von Stoffen und Kleidern, die bezüglich Höhe und Lichtverhältnissen an Ateliers erinnern. Der viergeschossige Empfangsraum stellt das räumliche Verbindungselement zwischen den Büros und den Textilbearbeitungsräumen dar. Er erstreckt sich über vier Niveaus und bildet den Ort für kleine festliche Anlässe und Ausstellungen.

Die Architektur des Gebäudes, das als Dienstleistungszentrum für die siebenhundert kleinen Ernsting's Family Läden verstanden wird, nimmt Bezug auf das Erscheinungsbild des Unternehmens.

Die für die Corporate Identity der Firma charakteristischen Farben und Formen werden zu architektonischen Komponenten – sie bilden den «Stoff», aus dem die Architektur «geschneidert» wird: Rot, Weiss, Schwarz einerseits und eine Metallfassade als Träger der Farben andererseits – analog  zu den Lieferwagen, die täglich von Coesfeld ausschwärmen.

Ort Coesfeld, Deutschland

Wettbewerb 1998

Auslober Wettbewerb Ernsting’s Family

Team GG Pascal Müller, Stefan Thommen

Erweiterung Nelson-Atkins Museum

Das den beiden Lösungsvorschlägen zugrundeliegende Konzept basiert auf einem Neubau im Norden, der mittels eines Sockelteils an den historischen Baukörper anschliesst. Der Neubau wird als modernes Pendant des Altbaus verstanden. Während sich das historische Gebäude statisch, massiv, opak zeigt, wirkt der neue Baukörper schlank, hoch, transluzent. Das Sockelgeschoss verbindet und distanziert die beiden unterschiedlichen Baukörper gleichermassen. Dem Neubauteil zugehörig und analog materialisiert, ist er trotzdem als  «Zwischenbau», als «Gartenbauwerk» lesbar.

Während in William Wights historistischem Gebäude von 1930 weiterhin Kunstwerke aus dem 17.,18. und 19 Jahrhundert aus China, Japan, Amerika und Europa gezeigt werden, sollen im  Neubauteil die «zeitgenössischeren» Exponate ausgestellt werden: die Sammlung der Gegenwartskunst, Photographie, Afrikanische Kunst (als eine der Inspirationsquellen moderner Kunst), Zeichnungen und die Wechselausstellungen.

Die Ausstellungsräume für die Objekte unterschiedlicher Kunstgattungen sind grundsätzlich einfache «Behälter», rohbauähnliche Räume hinsichtlich ihrer materialmässigen und räumlichen Ausformulierung. Sie lassen sich in kleinere Raumkompartimente unterteilen und weiter ausbauen. Grossflächige Verkleidungen und Auskleidungen mit Geweben und Stoffen greifen das Prinzip der Fassadenverkleidung auf und erlauben es, den einzelnen Objekten und Kunstgattungen angepasste Raumstimmungen zu generieren.

Die Belichtung der Ausstellungsräume kann entweder – gemäss Vorschlag A – vorwiegend vermittels Kunstlicht erfolgen oder auch – gemäss Vorschlag B – durch Tageslicht. Dieses würde durch seitliche Glaswände, die raumseitig mit feinen Textilien bespannt sind, diffus in den Ausstellungsräume verteilt. So dient die Fassadenseite in jedem Raum als grossflächiger Lichtspender. Aussen liegende Lamellenstoren, die durch Lichtsensoren gesteuert sind, justieren die Lichtmenge, die in die Räume dringen darf. Die äusserste Fassadenhüllle bilden Glaspaneele mit feinem Metallgewebe, die einen halben Meter vom Gebäudekörper distanziert sind. Sie vermindern die Lichteinstrahlung, die Gebäudeerwärmung und dienen überdies als Regenschutz.

Diese Fassadenhülle aus gewebehaltigen Gläsern umspannt den gesamten Baukörper. Die dahinter befindlichen Isolationsmatten sind ebenfalls von feinem, stoffähnlichem Metallgewebe gehalten und geschützt. In der Fernwirkung erzeugt die Ueberlagerung der Gewebe feine Interferenzen – ein Moiré-Effekt, der scheinbar die Fassaden sanft bewegt. Es entsteht ein Lichtspiel, das auf die eigentliche Funktion der Gläser verweist – den Lichteinfall ins Innere des Gebäudes zu kontrollieren.

Die Ausbildung der Sockelfassaden mit distanzierten, gröberen Metallgeweben als Kletter- und Rankgerüste für Pflanzen erweitert das Verkleidungsthema um eine zusätzliche Variante. Wilder Wein, Glyzinien und Efeu ranken sich entlang dieser Netze.

Die Besucher betreten das Museum zukünftig durch den Neubauteil. Ein Verbindungssteg leitet die Besucher von der Strasse in das Erdgeschoss des Neubaus, wo ihnen bereits  der Blick auf die repräsentative Eingangsfassade des historistischen Gebäudes eröffnet wird.

Alt- und Neubau sind auf zweierlei Weise verbunden: durch einen breiten Weg, der im Freien über den Dachgarten des Sockelgeschosses führt – und durch einen Ausstellungsraum im Sockel selbst, der durch drei versenkte Höfe belichtet wird. Die verschiedenen Geschosse des Neubaus werden mit versetzten Treppen erschlossen. Sie sind jeweils an den Fassaden angelagert und erlauben den Besuchern die Orientierung und die Sicht ins Freie. Es entsteht so ein Weg durch das Gebäude, der einprägsam und leicht auffindbar ist und gleichwohl mäandrierend alle Ausstellungsbereiche miteinander verbindet.

Ort Kansas City, Missouri, USA

Wettbewerb 1999

Auslober Wettbewerb The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, USA

Team GG Urs Birchmeier, Arnault Biou, Caspar Bresch, Stefan Thommen, Roger Naegeli

Landschaftsarchitektur Zulauf Seippel Schweingruber, Baden

Bauingenieur Aerni + Aerni, Zürich

Signaletik Trix Wetter, Zürich

Cidade da Cultura

Die ‘Cidade da Cultura’ als identitätsstiftenden Ort für die ausgewanderten, die seefahrenden und die ansässigen Galizier zu bauen, das bedeutet einen einprägsamen Ort zu schaffen, ein räumliches Monument zu bauen. Die verwendeten Mittel sind, verglichen mit dem Anspruch wider Erwarten einfach: die Topographie des ‘Monte do Gaias’, vier leicht unterschiedliche Kuben, eine verbindende, platzartige Ebene – sie bilden zusammen die ‘Bühne’. Die ‘Akteure’ sind Sicht, Sonne, Regen, Wind, Wolken, eine sich während der Jahreszeiten verändernde Vegetation und die Menschen. Das ‘Stück’ ist die Kultur Galiziens – die vergangene, die gegenwärtige und die zukünftige.

Wie ‘Leuchtürme’ für das in alle Himmelsrichtungen emigrierte Volk der Galizier sind die vier Gebäude gegen Norden, Süden, Westen und Osten auf dem Grat des ‘Monte do Gaias’ positioniert. Sie spannen einen Zwischenraum auf, der im Vergleich mit innerstädtischen Verhältnissen als riesiger Platz erscheint, aber nur als grosse Fläche wirkt, vergleicht man ihn mit der Weite der umgebenden Landschaft. Die Gebäude markieren den Raum eher, als dass sie ihn begrenzen. Definierend hingegen wirkt die Topographie, die Aussicht nach Westen, in Richtung der Stadt – und der Blick nach Osten in die agrarisch geprägte Landschaft mit ihren implantierten Gärten und kleinen Parks.

Die Gebäude sind einfache Kuben. Sie sind spezifisch geformt aufgrund ihrer unterschiedlichen Nutzungen und ihrer Lage im Terrain. Gemeinsam ist allen Baukörpern, dass sie Höfe besitzen und dass sie steinern sind. Die Höfe vermitteln vom weiten Platz zu den kleinteiligeren Innenräumen der Bauten. Dieser tradierte Gebäudetypus lässt die Volumina für Besucher permeabel werden, ohne dass die Gebäude betreten und entsprechend ihren Funktionen ‘benutzt’ werden müssten.

Die Bauten sind dem Sehen (Museum of Galicia), dem Hören (Opera and Sound & Image Library), dem Lernen/Studieren/Lesen (Library and Newspaper Library) und dem Sprechen sowie der Interaktion (Auditorium, Lecture Hall, Multi-Purpose) gewidmet. Das thematische Zusammenfassen der Nutzungen und die damit verbundene Konzentration der Volumina erzeugt imposante, einprägsame Baukörper mit entsprechender Nah- und Fernwirkung. Gleichwohl erleichtert die Aufteilung in vier Gebäude die etappenweise Realisierung des Projekts.

Die Baukörper sind aus Stein und lagenweise aufgebaut. Verschiedene Steinsorten Galiziens und vereinzelte Steine aus aller Welt werden entweder schichtweise vermauert oder als Lagen in Beton gegossen und durch Sandstrahlen und Schleifen wieder freigelegt. Gemauert oder eingegossen, können die Steine gleichsam als materielles Gedächnis der Geschichte Galiziens verstanden werden. Metallisch reflektierende Fenstergläser kontrastieren mit dem matten Stein. Sie bilden im wörtlichen Sinn Spiegelflächen für die Gegenwart.

Die heutige Agrarlandschaft fungiert als strukturbildende Grundlage für die landschaftsgärtnerischen Interventionen. Wie in ganz Galizien ist sie in diesem Gebiet gekennzeichnet durch Kleinteiligkeit (Microfundismo). Einzelne Gärten und Parkelemente werden entlang den Wegen in das landwirtschaftliche Muster ‘implantiert’: zum Beispiel ein Regengarten, ein Garten für die Bäume des 'Libredon', ein Ort zum Thema des 'Ultramar', ein Garten der Kohlsuppe, ein Maronenhain, das Eukalyptuswäldchen und andere mehr. Das buschartige Matoral-Gebiet westlich der 'cidade' soll sukzessive mit einheimischen Eichen aufgeforstet werden. Ein verdichtetes Wegnetz erlaubt das Wandeln von Garten zu Garten, von Station zu Station.

Ort Santiago de Compostela, Spanien

Wettbewerb 1999

Auslober Wettbewerb Stadt Santiago de Compostela, Spanien

Team GG Dalila Chebbi, Markus Lüscher, Arnault Biou, Stefan Thommen, Roger Naegeli

Landschaftsarchitektur Zulauf Seippel Schweingruber, Baden

Ausbildungszentrum Roche Forum

Ausgangspunkt des architektonischen Konzepts war die landschaftlich einmalig schöne Situation der Halbinsel Buonas am Zugersee. Ein kräftig moduliertes Terrain, Waldstücke, Wiesenland, einzelne Bäume und zwei Landstrassen prägen den für den Neubau vorgesehenen Ort, den landschaftlichen Umraum des Schlosses zuvorderst auf der Landzunge. Der Entwurf interpretiert die ländliche Charakteristik des Ortes und akzentuiert sie.

Die Lage der  Baukörper im Gelände setzt die Volumina zueinander in Beziehung und vereinzelt sie gleichwohl - in ihrer Verteilung und Form erinnern sie an mächtige Steine in der Landschaft. Das grösste Volumen, das eigentliche Kurszentrum, ist an den südlichen Rand der Mulde gerückt und überschaut mit einem Teil seiner Nutzungen den Hangrücken in Richtung See. Die beiden kleineren Baukörper, die Unterkunftsgebäude, liegen an den nördlichen und westlichen Rändern des Grundstücks. Kleinere oberirdische Kuben bilden die Garagenabfahrt und deren vereinzelte Belichtungs- und Belüftungselemente. Die Garage selbst ist wie ein mächtiger Findling in das Terrain eingelassen.

Die Form der Baukörper - zu unregelmässigen Vielecken verzogene Rechtecke - erlaubt eine Anpassung der Volumina an das komplex geformte Terrain. Im Gebäudeinnern entstehen aufgrund der feinen Abweichungen vom rechten Winkel spannungsreiche Zwischenräume, Hallen, Aufenthaltszonen und Foyers. Die der Dachentwässerung wegen geneigten und gefalteten Dachflächen formen die Kuben auch in der dritten Dimension zu ungleichmässigen Polyedern.

Die Materialität der neuen Baukörper ist folglich 'steinern'. Wie die Aussenwände bestehen auch die Dachflächen aus zweischaligem Beton. Mit unterschiedlichen Sand- und Kiesarten 'gefärbte' Betonschichten werden als ‘sedimenthafte’ Schichten in verschiedenen Stärken gegossen und lassen auf diese Weise den Prozess des Betonierens anschaulich werden. Mal unregelmässig, mal regelmässig angeordnete, mehrheitlich liegende Fenster unterstreichen das Konzept der horizontalen Schichtung der Baukörper. Ein äusseres, leicht farbig getöntes Glas als Schiebefenster ergibt wie bei einer Sonnenbrille einen ersten Sonnenschutz. Ein inneres Schiebefenster besorgt die Wärmedämmung und die Winddichtung.

Die Zufahrtswege zum Kurszentrum und die Gehwege zwischen den Häusern besitzen weiterhin die Merkmale von ländlichen Strassen oder Gartenwegen: Es sind gesplittete Asphaltstrassen und Kieswege. Die Umgebung, die Waldstücke, das Wiesenland und die vereinzelten Bäume bleiben unverändert. Dort, wo die Parkgarage in den Grund der Mulde eingelassen wird, soll eine leichte Aufschüttung und Nivellierung der Sohle erfolgen - eine Art neues, diesmal künstliches, kleines Feuchtgebiet. Birken werden als flachwurzelnde Bäume über den von Erde überdeckten Tiefbauten zu einem lichten Hain heranwachsen.

Ort Buonas

Wettbewerb 1999

Auslober Wettbewerb F. Hoffmann-La Roche AG, Basel

Team GG Pascal Müller, Caspar Bresch, Christian Meyer

Landschaftsarchitektur Zulauf Seippel Schweingruber, Baden

Bauingenieur Conzett, Bronzini, Gartmann AG, Chur

Elektrotechnik Elkom Partner AG, Chur

Haustechnik Waldhauser Haustechnik AG, Münchenstein

Landtagsgebäude Vaduz

1987 legte Luigi Snozzi den Plan für eine Neugestaltung des Regierungsviertels in Vaduz vor: Ein Landtagsgebäude sollte sich dem Regierungsgebäude beigesellen, hinterfangen von einer geschwungenen Häusermauer am Fusse des Schlossbergs. Aber das Stimmvolk lehnte den Entwurf 1993 ab.

Das neue Projekt für ein Landtagsgebäude basiert auf dem einst von Snozzi vorgeschlagenen Standort und setzt die Neugestaltung des Ortszentrums von Vaduz fort, die 2000 mit der Eröffnung des Kunstmuseums ein erstes bauliches Resultat fand. Zwischen Landesmuseum und Verweserhaus im Norden sowie Regierungsgebäude im Süden steht der Neubau als mächtiger Solitär, der den vorgelagerten, ebenfalls neu gestalteten Staatsplatz dominiert. Konzipiert ist das Landtagsgebäude als mächtiges orthogonales Volumen, das über einem offenen Erd- und Erschliessungsgeschoss schwebt. Gläserne Kuben scheinen den massiven Baukörper zu tragen, während raumhaltige Stützen in Form von Lift-, Treppen- und Sanitärkernen im Innern die Lasten übernehmen. Das Konzept erinnert an das Piloti-System der Moderne ebenso wie an den traditionellen Bautyp des Rathauses mit freiem Erdgeschoss. Die optische Transparenz des Erdgeschosses akzentuiert die Blickbeziehung zwischen dem Staatsplatz und dem bewaldeten Hang hinter dem Neubau.

Vom verglasten Eingangsbereich mit Garderobe und Hauswartsloge im Erdgeschoss gelangt man über eine grosszügige Treppe zum Landtagssaal im ersten Obergeschoss, der sich zum Platz hin orientiert und umgeben ist von einer Foyerzone im Norden und dem Bereich des Wandelgangs im Osten, von wo aus der Blick auf den Wald fällt. Über dem Landtagssaal befinden sich im zweiten Obergeschoss die Fraktions- und Sitzungsräume, zuoberst schliesslich Bibliothek und Büros.

Konstruktiv besteht das Gebäude aus einem in Ortbeton gegossenen Tragwerk, das mit Erschliessungskernen ausgesteift ist. Die Aussenhaut bildet eine zweite Betonschale, welche durch eine Sequenz von mit unterschiedlichen Sandzusätzen eingefärbten, geschosshohen Feldern geprägt ist. Die Felder lassen die einzelnen Betonieretappen erkennen, verweisen aber auch auf die dahinter befindlichen Raumeinheiten. Durch eine Sandstrahl-Behandlung in unterschiedlicher Intensität wird die Oberfläche weiter differenziert.

Text: Hubertus Adam

Ort Vaduz, Liechtenstein

Wettbewerb 2000

Auslober Wettbewerb Regierung des Fürstentums Liechtenstein

Team GG Christof Bhend, Pieter Rabijns, Katja Schubert, Mathias Brühlmann

Bauingenieur Aerni + Aerni, Zürich

Neubau HIT, ETH Hönggerberg
Gebäude für Forschung, Lehre und Dienstleistung, e-Science Lab

Das HIT-Gebäude für das e-Science Lab ist Teil der dritten Erweiterungsphase auf dem Campus Hönggerberg der ETH Zürich und befindet sich nahe der Nordwestecke des Areals. Es folgt der schon im ursprünglichen Masterplan angelegten Grundgeometrie aus einzelnen Gebäudekomplexen, welche sich in einen weitgehend orthogonalen Strassenraster einfügen. Der fünf- und sechsgeschossige Neubau besteht aus einem winkelförmigen Baukörper entlang der Hauptstrassen im Norden und Osten, an den sich ein weiterer Winkel anschliesst – und zwar dergestalt, dass die Gesamtstruktur einerseits das Rechteck der Parzelle und die imaginäre Quaderform des Volumens andeutet und sich andererseits Richtung Süden und Westen in Form von Höfen öffnet. Auf diesen Seiten wären Erweiterungsbauten denkbar. Eine Eingangssituation mit Blick in den ersten Hof ergibt sich durch die zweigeschossige Öffnung auf der Ostseite.

Vom Durchgang aus gelangt man links in die Cafeteria, über der sich die Schulleitung befindet, nach rechts in den Haupteingangsbereich des HIT-Gebäudes. Hörsäle und Seminarzonen sind im östlichen Teil des Nordflügels angeordnet, während die Forschungsbereiche u-förmig den nordwestlichen Hof umgeben.

Ein Stahlbeton-Skelettbau mit aussteifenden Kernen bildet die Tragstruktur des Neubaus und garantiert dank der Trennung von Konstruktion und Installation die Flexibilität der Nutzung. Die Aussenhaut des neuen Gebäudes besteht aus einer durchgängigen Glasfassade mit Kastenfenstern. Ein matt-metallischer Farbauftrag im Siebdruckverfahren oszilliert je Geschoss zwischen opak und transparent und lässt einen Farbverlauf entstehen, welcher die Deckenstirnen und Rouleaus verdeckt und – im diffusen Bereich – als Sonnenschutz wirkt.

Das überarbeitete Projekt sieht stattdessen einen Wechsel von Brüstungsverkleidungen und Festverglasungen mit schmaleren Lüftungsflügeln vor. Die grünlichen Gläser sind mit dunklen Streifen versehen – auf Höhe der Fenster aufgrund der Rahmen, im Brüstungsbereich als rhythmisches Element, das ondulierende Farbverläufe in der Horizontalen entstehen lässt. Die regelmässigen Streifenmuster der Fallarm-Markisen überlagern und steigern die Wirkung des Rhythmus noch.

Text: Hubertus Adam

Ort Zürich

Wettbewerb 2001

Auslober Wettbewerb ETH Zürich

Team GG 1. Stufe: Barbara Schlauri, Markus Seiler, Veronika Steiger, Sergej Klammer, Raul Mera
2. Stufe: Barbara Schlauri, Christof Bhend, Esther Righetti

Landschaftsarchitektur Zulauf Seippel Schweingruber, Baden

Bauingenieur Aerni + Aerni, Zürich

Elektrotechnik Elkom Partner AG, Chur

Haustechnik 3-Plan Haustechnik AG, Winterthur

Fassadenplanung D. Kopitsis, Wohlen

Erweiterung Museum Rietberg

Das auf aussereuropäische Kunst spezialisierte Museum Rietberg bezog 1952 die Villa Wesendonck, gelegen im Rieterpark, einer der schönsten Parkanlagen Zürichs. Die 1857 von Leonhard Zeugheer erbaute Villa gilt als ein Hauptwerk spätklassizistischer Architektur in Zürich. Der steigende Raumbedarf des Museums, der auch mit der 1978 bezogenen Dépendance in der benachbarten, inzwischen von Arthur Rüegg und Silvio Schmed restaurierten Villa Schönberg (Alfred Friedrich Bluntschli, 1888) nicht gedeckt werden konnte, war ausschlaggebend für die Projektierung einer Erweiterung.

Der Entwurf sieht einen dreigeschossigen Kubus vor, der sich aus einem unterirdischen, rhizomartigen Verbindungsgebäude heraus entwickelt. Zusammen mit den beiden bestehenden Baukörpern - der Villa Wesendonck und dem Dienstgebäude - bildet der Ergänzungsbau als drittes Volumen ein Ensemble und vermag dabei der Institution Museum gegen aussen eine angemessene Präsenz zu verleihen. Er ist so platziert, dass er sich von der Strasse gesehen als Zugangsgebäude präsentiert, vom Park aus hingegen in den Hintergrund tritt. Der historische Park bleibt so weitgehend unberührt.

Im Erdgeschoss beherbergt der Neubau den Kassen- und Shopbereich sowie den Multimediaraum als flexibles Raumgehäuse aus Schiebetrennwänden. In den beiden Obergeschossen befindet sich die neue Dauerausstellung. Über grosszügige Treppen und einen unterirdischen Verbindungsraum zwischen den beiden Häusern ist der Sonderausstellungsraum erschlossen.

Dieser ist als flexibler, vielfältig inszenierbarer Raum ohne Tageslicht konzipiert. Die neuen Dauerausstellungsräume hingegen zeichnen sind durch seitliche Ausblicks- und Belichtungsmöglichkeiten sowie Oberlichter im zweiten Obergeschoss aus. Dank einer geschossüberspannenden Deckenkonstruktion sind auch sie flexibel nutzbar.

Der oberirdische Baukörper ist rundum mit vorfabrizierten Beton-Glasbausteinelementen verkleidet. In Ergänzung zu den Fenstern fungieren sie als Tageslichtquellen für diffuses Licht. Die Anreicherung des Betons mit Quarzsanden und das Sandstrahlen der Platten verleihen dem Volumen eine fein irisierende Oberfläche.

Die Villa Wesendonck erfährt nur im Bereich des bisherigen Treppenhauses eine Veränderung: eine neue Treppe führt vom Untergeschoss direkt in das bestehende Treppenhaus der Villa.

Ort Zürich

Wettbewerb 2002, 3. Preis

Auslober Wettbewerb Amt für Hochbauten der Stadt Zürich

Team GG Esther Righetti, Sarah Righetti, Barbara Schlauri, Raul Mera

Landschaftsarchitektur Hager Landschaftsarchitektur AG, Zürich

Bauingenieur Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Zürich

Elektrotechnik Elkom Partner AG, Chur

Haustechnik Waldhauser Haustechnik AG, Münchenstein

Nationalparkzentrum Zernez

In Zernez, an der Grenze zwischen Ober- und Unterengadin, besteht seit 1968 ein Besucher- und Verwaltungszentrum für den Schweizerischen Nationalpark, der 1914 als erster seiner Art in den Alpen gegründet wurde. Im Zuge einer Anpassung an zeitgenössische Anforderungen wünschte der Auslober eine Neuordnung und Ergänzung der bisher im historischen Schloss Planta-Wildenberg und weiteren Gebäuden untergebrachten Funktionen.

Der Entwurf schlägt eine landschaftlich-architektonische Gestaltung des gesamten, von der alten Dorf- und der neuen Umgehungsstrasse eingefassten Areals vor, ohne in Konkurrenz zu den prägenden Bestandteilen des Ortsbilds zu treten. Während im Schloss die Verwaltungsräume und im Wirtschaftsgebäude der Vortragssaal untergebracht werden, entsteht für das Informationszentrum ein Neubau. Dieser nimmt bewusst keine typologischen Anleihen beim Schloss, sondern verleiht der neuen Nutzung einen eigenständigen Ausdruck. Der lang gestreckte, mehrheitlich eingeschossige Baukörper mit gefaltetem Dach und körperhaften Öffnungen erinnert eher an ein ‚naturhaftes‘, ‚landschaftliches‘ Gebilde als an ein Haus.

Form und Lage des Volumens erlauben eine Anbindung von allen Seiten – vom Schlosshof, von der Kantonsstrasse und von der alten Dorfstrasse über den neu entstehenden Platz. Im Inneren verbindet eine Art Wegnetz die drei Eingänge, welches auch die öffentlichen, nicht öffentlichen und eintrittspflichtigen Bereiche gliedert. Der Weg durch die Ausstellung bildet eine ‚Rundwanderung‘ mit Aussichtsmöglichkeiten in die Landschaft, die Berge, das Dorf und zum Himmel. Die Ausstellungsräume sind als zusammenhängende Flächen gestaltet, die flexibel in kleinere Einheiten unterteilt werden können. Dunkle und helle, seitlich und von oben belichtete Zonen wechseln sich ab.

Die Tragkonstruktion von Dach und Wänden besteht aus Beton, im Innenraum teils roh belassen, teils verputzt, gestrichen oder mit Holz ausgekleidet. Die Fassaden sind mit geröllartigem Steinmaterial aus der Umgebung vorgemauert, die Dächer mit den gleichen Steinen belegt. Zusammen mit den Geröll- und Kiesflächen der Aussenräume nehmen sie Bezug auf die gebaute Umgebung und auf die Natur und Landschaft des nahen Nationalparks.

Ort Zernez

Nutzung Besucherfoyer, Infoschalter, Ausstellungsräume, Saal für 150 Personen, Shop, Seminarraum, Büros Verkehrsverein, Lagerflächen

Wettbewerb 2002
In Zusammenarbeit mit Othmar Brügger, Davos

Auslober Wettbewerb Stiftung Schweizerischer Nationalpark

Team GG Volker Mencke, Barbara Schlauri

Bauingenieur Walter Bieler, Bonaduz

Wohntürme Kattendijkdok

Ort Antwerpen, Belgien

Nutzung 90 Apartments

Beauftragung 2002

Planung/Ausführung 2002–2004 (nicht realisiert)
Städtebau zusammen mit Diener & Diener Architekten, Basel/Berlin, und David Chipperfield Architects, Berlin

Geschossfläche 600 m2

Auslober Wettbewerb Project² NV/SA, Antwerpen, Belgien

Team GG Volker Mencke

Kontaktarchitekten ELD, Antwerpen, Belgien