Projektkategorie: Studien/Wettbewerbe
Steinbildhauerschule St.Gallen
Die Gebäudetrakte der Steinbildhauerschule sind auf dem flachen Teil des Geländes so situiert, dass sie das Grundstück gegen die Erschliessungsstrasse hin in einen Eingangsplatz und gegen Süden in einen Werkhof gliedern. Der steile Teil des Grundstückes bleibt unüberbaut.
Aus den aus Gründen der Bodenbeschaffenheit nötigen Pfahlfundamenten des Gebäudes leitet sich die Skelettbauweise als Baustruktur ab. Die Tragkonstruktion besteht aus massiven Backsteinpfeilern bzw. Backsteinmauerwerk als Ausfachung. Sowohl die Backsteinpfeiler als auch die Mauerwerksausfachungen erreichen dank der zusätzlichen Luftkammern des Backsteines und der entsprechenden Massivität der Pfeiler ohne weitere Isolationsmaterialien den vorgeschriebenen Wärmeschutz. Die Decken des Schultraktes bestehen aus Stahltonelementen.
Im Inneren sind die Backsteinpfeiler fein verputzt oder geschlämmt. Die Bodenbeläge des Schultraktes bestehen aus roten Ton- bzw. Keramikplatten. Sie sind also ebenfalls aus gebranntem Material gefertigt, im Unterschied zum Mauerwerk aber roh belassen. Nach aussen ist das Mauerwerk verputzt.
Die Architektur, wie auch die Materialisierung der Steinbildhauerschule sind bewusst schlicht gehalten. Den eigentlichen «Reichtum» des Gebäudes werden die Arbeiten der Steinhauer-, Bildhauer- und Steinmetzlehrlinge bilden. Schülerarbeiten sollen nicht nur im Werkhof aufgestellt sein oder ab und zu eine Wand schmücken, sondern integraler Bestandteil der Architektur der Schule werden.
Alljährlich könnten ein oder auch zwei «Fensteröffnungen» mit von Schülern angefertigten Steingewänden ausgekleidet werden. Die Gewände würden aus verschiedenen Steinsorten fabriziert. Sie wären gestockt, scharriert oder geschliffen, und wiesen Schriften oder Halbreliefs auf; von der Architektur her ist einzig das Mass der Maueröffnung und eine maximale Steinstärke in Bezug auf das Fensterlichtmass bestimmt. Die Steinarbeiten sollten durch die Schüler selbst versetzt werden.
Die Fensterbänke aus wetterbeständigem, bakelisiertem Sperrholz sind also nur Provisorien. Sie erfüllen ihren Zweck bis zu dem Zeitpunkt, da sie Stück für Stück, Jahr für Jahr durch Steingewände oder Steinbänke aus der «Produktion» der Gewerbeschule ersetzt werden.
Hinsichtlich der Verwendung von Steingewänden und verputztem Mauerwerk nimmt die Steinbildhauerschule Bezug auf die klassizistischen Schulhausarchitekturen der Region. Die Skelettbauweise und die Ausbildung der Oberlichter mit Sheds verweisen darüber hinaus auf den gewerblichen Charakter der Schule.
Bibliothekserweiterung Winterthur
Das historische Gebäude der Architekten Rittmeyer & Furrer von 1914, in dem drei Institutionen untergebracht sind – die Bibliothek, die Naturwissenschaftliche Sammlung und das Kunstmuseum – soll, nachdem eine provisorische Erweiterung für die Museumsnutzung auf privater Basis erstellt wurde, auch für die Bibliotheksnutzung erweitert werden.
Das Projekt sucht den historischen Bau in seiner äusseren Erscheinung wie auch im Inneren möglichst wenig zu verändern. Die Fassaden werden folglich nicht tangiert, aus dem bestehenden, zur Versorgung mit Licht und Luft nötigen Aussenhof wird kein klimatisierter Innenraum gemacht. Der Hauptteil der Bibliothekserweiterung – die neue Ausleihe, der neue Lesesaal und die Studienbibliothek – befinden sich in denjenigen Teilen des Grundstücks, die nicht der Altbau einnimmt.
Der Erweiterungsbau, der sich mit den drei Restflächen um und im bestehenden Gebäude bescheiden muss, findet eine eigene Identität und Regelhaftigkeit in der Art, wie er sich als unterirdisches Gebäude mit Oberlichtkuben nach aussen darstellt. Mit diesen Elementen vermag der Neubau auch in eine präzise architektonische und nicht nur nutzungsmässige Beziehung zum historischen Gebäude zu treten. Die Komposition der gekreuzten steinernen Längsvolumina des Rittmeyer & Furrer-Baus wird durch die transluszenten gläsernen Oberlichtkörper des Neubaus erweitert und ergänzt.
Während des Tages erscheinen die Oberlichtkörper als grosse, weisslich schimmernde, gläserne Kuben und während der Nacht wirken sie als mächtige, leuchtende Laternen.
Die Oberlichtkörper entwickeln sich aus der Stützen-Ebenen-Struktur der eingegrabenen Baukörper und wachsen als reine Skelettstrukturen ans Licht. Im Gebäudeinneren bilden sie jene Räume aus, die für das konzentrierte individuelle Arbeiten und die Oeffentlichkeit gedacht sind: den Lese- Zeitschriftensaal, die Studienräume und im Hof den Ausleihe- und Empfangsbereich.
Das Projekt folgt dem Idealtypus eines Bibliothekraums: Grosse überhöhte Räume mit Oberlichtern, in denen die Menschen sich in anonymer Gemeinschaft aufhalten und gleichwohl vereinzelt sind durch die Konzentration auf ihre Studienobjekte. Die Struktur des Tragwerks bildet eine feine Raumdivision für die virtuelle Separierung der Studierenden.
Für die drei Institutionen wird vermittels einer grossformatigen Beschriftung mit metallischen Buchstaben geworben, die als mächtige Intarsie in den Bodenbelag des Vorplatzes bzw. in den Dachbelag des neuen Gebäudeteils eingesetzt sind. Die grossen, eingelegten Schriftzüge, über die man geht, auf denen man steht, verweisen über ihre Beschriftungsfunktion hinaus auf die «Tiefgründigkeit» des Bodens unter den Füssen der Besucher.
Der gemeinsame Zugang für die drei Institutionen durch den Portikus wird belassen, so dass das wunderbare Treppenhaus von Rittmeyer & Furrer weitgehend erhalten werden kann. Die Treppe, die heute die drei Institutionen erschliesst, wird durch einen Abgang zum neuen Bibliothekshauptgeschoss ergänzt.
Kurszentrum Rückversicherung
Grundlegend für die Anbindung des neuen Gebäudekomplexes an die Villa war vornehmlich die Gartenanlage: Ein Zusammenspiel von formalem, «französischen» Garten, der unmittelbar dem herrschaftlichen Haus zugeordnet ist und sozusagen die Mitte der Anlage darstellt, und einem «englischen» Gartenteil, der den Übergang zur Landschaft bildet.
Die Harmonie zwischen Villa und geometrischem Garten respektierend, sind die neuen Volumina in freier Form im landschaftlichen Teil des Parkes angeordnet, indem sie die gärtnerisch gestaltete Topographie des Gartens gleichsam kubisch nachvollziehen.
Der Hauptbaukörper mit dem Forum und den Konferenzräumen ist auf den künstlichen Hügel gesetzt und gibt den Blick frei in den Park und über die Baumkronen hinaus auf den See. Der Zimmertrakt orientiert sich als einbündige Anlage gegen Süden und die Landschaft.
Der Raum zwischen Forum und Zimmertrakt bildet die Ankunfts- und Erschliessungshalle. Von hier aus führt der Weg über eine breite Treppe entlang dem Zimmertrakt hinunter zum «französischen» Garten und von dort entlang der Begrenzungsmauer zu den Verpflegungsräumen und Sitzungszimmern der Villa.
Eine Charakteristikum des Versicherungsgeschäfts, die Redundanz, spiegelt sich im Aufbau des Gebäudes. Die Konstruktion der beheizten Räume besteht aus zwei betonierten, selbsttragenden Wänden mit isoliertem Zwischenraum. Die nicht beheizten Räume sind einschalig gebaut. Stahlstützen erlauben relativ grosse Öffnungen. Sie lassen sich als eine Art freigelegter, «massiver Armierung» verstehen. Weiter bilden äussere, leicht getönte, einfachverglaste Schiebefenster gegen Süden, Westen und Osten ähnlich Sonnenbrillen den primären Sonnenschutz vor den innenliegenden, isolierenden Schiebefenstern mit farblosem Glas. Im Zwischenraum ist Platz für den zusätzlich regulierbaren Sonnen- und Blendschutz, wobei das Kastenfensterprinzip die Windunempfindlichkeit der Verdunkelungssysteme unterstützt.
Die farbige Tönung der äusseren Sonnenschutzgläser erzeugt im Inneren eine leichte Färbung der Räume. In den Erschliessungsräumen ergeben die verschiedenen Farben der Verglasung eine feine Polychromie des Lichts.
Diözesanmuseum Kolumba
Das Projekt sucht nach einer baulichen Synthese zwischen dem Vergangenen – der kriegszerstörten Kirche-, dem Bestehenden – der kleinen Kapelle – und dem Künftigen – dem Diözesanmuseum. Die Kirchenruine St. Kolumba soll «überbaut» und die Kapelle «Maria in den Trümmern» von Gottfried Böhm soll in ein neues, grösseres Gebäudevolumen eingebunden werden. Den Mauerlinien der letzten Kirche weitgehend folgend, wird das Museumsgebäude die Volumetrie der Kirche St. Kolumba in neu interpretierter Form wiederherstellen. Diese Vorgehenweise adaptiert die jahrhundertealte Tradition, die Kirchengebäude «aus sich heraus» zu verändern, zu ergänzen, zu vergrössern – aber den Standort, den geweihten Ort beizubehalten.
Die Ruine wird zwar befestigt und geschützt, sie bleibt aber erkennbar. Analog den konservierenden Ausmauerungen der Fensteröffnungen werden die Fassadenreste der Kirche zum Schutz der erosionsgefährteten Mauerkronen und der offenen Ausgrabungsstätte aufgemauert.
Das oberste Museumsgeschoss, das die Ruine zu grossen Teilen überdeckt, lässt über der Stätte wieder einen Raum entstehen – einen «inneren» Aussenraum. Einen Raum, dessen Wände und Dach löchrig sind – wie dessen Boden.
Der Museumsbau vermag so zum Schutzdach und zur Schutzhülle für die Ueberreste der zerstörten Kirche zu werden, während er in seinem Inneren kirchliche Kunstgegenstände neu beheimatet, bewahrt und schützt. Das Museum wird zum Bindeglied zwischen Kunstobjekt und geweihtem Ort – als Behausung des einen und «Beschirmung» des anderen.
Die kleine Kapelle wird als eigener Baukörper eingebunden in das neue Volumen – wie ein Stein in eine Fassung. Das Museumsgebäude öffnet sich mit einem riesigen Hof über der Kapelle, sodass deren Hauptteil, das Oktogon, unter freiem Himmel steht.
Die Konstruktion des Museums besteht hauptsächlich aus zwei Materialien: Beton zum Tragen und schwarzes Klinker-Mauerwerk zum Verkleiden, Umhüllen und Schützen. Die primären Tragelemente aus Beton, die raumhaltigen Pfeiler, gepaart mit tragenden Scheiben, verdichten sich im obersten Geschoss zu einem räumlichen Geflecht von Scheiben, Böden und Decken.
Die Aufmauerung der Kirchenumfassungswände und auch der luftdurchlässige, ebenfalls unbeheizte Oberlicht-Dachstock bestehen aus versetzt gemauertem, dunklem Klinker. Eben dieser Stein, aber ohne Lücken vermauert, bildet auch die äussere, verkleidende Schale der tragenden Betonwände. An den Fassaden verweisen die unterschiedlich durchlässigen Mauerwerksschichten auf die dahinter liegenden, geschlosssenen Innenräume oder die offenen Aussenräume – mit dieser Eigenschaft an die durchbrochenen Konstruktionen des Kölner Doms errinnernd.
Die Museumsräume besitzen ein Oberlicht, ein Seitenlicht oder teilweise auch beides. Die Wände bestehen aus rohem Beton oder können gestrichen werden – weiss, farbig oder in goldener Farbe wie eines der Kunstwerke – die Wandmalerei von Jannis Kounellis.
Büro- und Servicecenter
Das Projekt sollte ein architektonischer «Massanzug» sein für die Aufgabe, im Industriegebiet des kleinen Ortes Coesfeld für das Textilhandelsunternehmen Ernsting’s Family ein Service-Center zu bauen. Der Standort im gewerblich genutzten Areal Coesfeld-Lette, in der Nachbarschaft des Vertriebs- und Anlieferungsgebäudes und einer Betonfabrik, legte eine Architektur nahe, die bezüglich ihrer Kubatur, aber auch ihrer Materialität und Konstruktion eine Verwandtschaft zu gewerblichen Bauten aufweist.
Der neue Baukörper ist nahe an die Strasse gesetzt, um eine spannungsvolle Konfiguration mit dem unmittelbaren Nachbarbau zu bilden und überdies einen möglichst grossen Freiraum zu belassen für zukünftige Erweiterungen. Infolgedessen entwickelt sich der Baukörper in die Höhe statt in die Tiefe. Die zunächst einfache Grundform des Bauvolumens wird durch die Addition verschiedener Volumina zu einer komplexen Figur gesteigert. Eingangshalle, Kantine, Konferenzraum, aber auch die tentakelartige Passerelle und der Dachaufbau lagern sich an die Grundform an.
Das frei bleibende Grundstück im Süden ist das Bindeglied zur angrenzenden kleinmassstäblichen Bebauung mit Einfamilienhäusern. Die Fläche sollte patternartig in Grünflächen und befestigte Flächen aufgeteilt sein. Gegossene grossflächig gefugte Betonplatten bilden den Bodenbelag für den Aussensitzplatz, für die Erschliessungsstrasse und die Parkplätze. Die Grünflächen selbst werden weiter unterteilt in längliche Felder, die mit dicht belaubten Bäumen heckenartig bepflanzt sind, in Flächen, welche mit Obstbäumen hainartig bewachsen sind, und in kleinere Rasenflächen. Sie laden die Mitarbeiterinnen dazu ein, im Sommerhalbjahr die Mittagspausen im Freien zu verbringen und von den Fruchtbäumen Obst zu pflücken.
Das Projekt sieht nicht nur konventionelle Büros für administrative Arbeiten vor, sondern auch Räume für die Bearbeitung von Stoffen und Kleidern, die bezüglich Höhe und Lichtverhältnissen an Ateliers erinnern. Der viergeschossige Empfangsraum stellt das räumliche Verbindungselement zwischen den Büros und den Textilbearbeitungsräumen dar. Er erstreckt sich über vier Niveaus und bildet den Ort für kleine festliche Anlässe und Ausstellungen.
Die Architektur des Gebäudes, das als Dienstleistungszentrum für die siebenhundert kleinen Ernsting's Family Läden verstanden wird, nimmt Bezug auf das Erscheinungsbild des Unternehmens.
Die für die Corporate Identity der Firma charakteristischen Farben und Formen werden zu architektonischen Komponenten – sie bilden den «Stoff», aus dem die Architektur «geschneidert» wird: Rot, Weiss, Schwarz einerseits und eine Metallfassade als Träger der Farben andererseits – analog zu den Lieferwagen, die täglich von Coesfeld ausschwärmen.
Erweiterung Nelson-Atkins Museum
Das den beiden Lösungsvorschlägen zugrundeliegende Konzept basiert auf einem Neubau im Norden, der mittels eines Sockelteils an den historischen Baukörper anschliesst. Der Neubau wird als modernes Pendant des Altbaus verstanden. Während sich das historische Gebäude statisch, massiv, opak zeigt, wirkt der neue Baukörper schlank, hoch, transluzent. Das Sockelgeschoss verbindet und distanziert die beiden unterschiedlichen Baukörper gleichermassen. Dem Neubauteil zugehörig und analog materialisiert, ist er trotzdem als «Zwischenbau», als «Gartenbauwerk» lesbar.
Während in William Wights historistischem Gebäude von 1930 weiterhin Kunstwerke aus dem 17.,18. und 19 Jahrhundert aus China, Japan, Amerika und Europa gezeigt werden, sollen im Neubauteil die «zeitgenössischeren» Exponate ausgestellt werden: die Sammlung der Gegenwartskunst, Photographie, Afrikanische Kunst (als eine der Inspirationsquellen moderner Kunst), Zeichnungen und die Wechselausstellungen.
Die Ausstellungsräume für die Objekte unterschiedlicher Kunstgattungen sind grundsätzlich einfache «Behälter», rohbauähnliche Räume hinsichtlich ihrer materialmässigen und räumlichen Ausformulierung. Sie lassen sich in kleinere Raumkompartimente unterteilen und weiter ausbauen. Grossflächige Verkleidungen und Auskleidungen mit Geweben und Stoffen greifen das Prinzip der Fassadenverkleidung auf und erlauben es, den einzelnen Objekten und Kunstgattungen angepasste Raumstimmungen zu generieren.
Die Belichtung der Ausstellungsräume kann entweder – gemäss Vorschlag A – vorwiegend vermittels Kunstlicht erfolgen oder auch – gemäss Vorschlag B – durch Tageslicht. Dieses würde durch seitliche Glaswände, die raumseitig mit feinen Textilien bespannt sind, diffus in den Ausstellungsräume verteilt. So dient die Fassadenseite in jedem Raum als grossflächiger Lichtspender. Aussen liegende Lamellenstoren, die durch Lichtsensoren gesteuert sind, justieren die Lichtmenge, die in die Räume dringen darf. Die äusserste Fassadenhüllle bilden Glaspaneele mit feinem Metallgewebe, die einen halben Meter vom Gebäudekörper distanziert sind. Sie vermindern die Lichteinstrahlung, die Gebäudeerwärmung und dienen überdies als Regenschutz.
Diese Fassadenhülle aus gewebehaltigen Gläsern umspannt den gesamten Baukörper. Die dahinter befindlichen Isolationsmatten sind ebenfalls von feinem, stoffähnlichem Metallgewebe gehalten und geschützt. In der Fernwirkung erzeugt die Ueberlagerung der Gewebe feine Interferenzen – ein Moiré-Effekt, der scheinbar die Fassaden sanft bewegt. Es entsteht ein Lichtspiel, das auf die eigentliche Funktion der Gläser verweist – den Lichteinfall ins Innere des Gebäudes zu kontrollieren.
Die Ausbildung der Sockelfassaden mit distanzierten, gröberen Metallgeweben als Kletter- und Rankgerüste für Pflanzen erweitert das Verkleidungsthema um eine zusätzliche Variante. Wilder Wein, Glyzinien und Efeu ranken sich entlang dieser Netze.
Die Besucher betreten das Museum zukünftig durch den Neubauteil. Ein Verbindungssteg leitet die Besucher von der Strasse in das Erdgeschoss des Neubaus, wo ihnen bereits der Blick auf die repräsentative Eingangsfassade des historistischen Gebäudes eröffnet wird.
Alt- und Neubau sind auf zweierlei Weise verbunden: durch einen breiten Weg, der im Freien über den Dachgarten des Sockelgeschosses führt – und durch einen Ausstellungsraum im Sockel selbst, der durch drei versenkte Höfe belichtet wird. Die verschiedenen Geschosse des Neubaus werden mit versetzten Treppen erschlossen. Sie sind jeweils an den Fassaden angelagert und erlauben den Besuchern die Orientierung und die Sicht ins Freie. Es entsteht so ein Weg durch das Gebäude, der einprägsam und leicht auffindbar ist und gleichwohl mäandrierend alle Ausstellungsbereiche miteinander verbindet.
Cidade da Cultura
Die ‘Cidade da Cultura’ als identitätsstiftenden Ort für die ausgewanderten, die seefahrenden und die ansässigen Galizier zu bauen, das bedeutet einen einprägsamen Ort zu schaffen, ein räumliches Monument zu bauen. Die verwendeten Mittel sind, verglichen mit dem Anspruch wider Erwarten einfach: die Topographie des ‘Monte do Gaias’, vier leicht unterschiedliche Kuben, eine verbindende, platzartige Ebene – sie bilden zusammen die ‘Bühne’. Die ‘Akteure’ sind Sicht, Sonne, Regen, Wind, Wolken, eine sich während der Jahreszeiten verändernde Vegetation und die Menschen. Das ‘Stück’ ist die Kultur Galiziens – die vergangene, die gegenwärtige und die zukünftige.
Wie ‘Leuchtürme’ für das in alle Himmelsrichtungen emigrierte Volk der Galizier sind die vier Gebäude gegen Norden, Süden, Westen und Osten auf dem Grat des ‘Monte do Gaias’ positioniert. Sie spannen einen Zwischenraum auf, der im Vergleich mit innerstädtischen Verhältnissen als riesiger Platz erscheint, aber nur als grosse Fläche wirkt, vergleicht man ihn mit der Weite der umgebenden Landschaft. Die Gebäude markieren den Raum eher, als dass sie ihn begrenzen. Definierend hingegen wirkt die Topographie, die Aussicht nach Westen, in Richtung der Stadt – und der Blick nach Osten in die agrarisch geprägte Landschaft mit ihren implantierten Gärten und kleinen Parks.
Die Gebäude sind einfache Kuben. Sie sind spezifisch geformt aufgrund ihrer unterschiedlichen Nutzungen und ihrer Lage im Terrain. Gemeinsam ist allen Baukörpern, dass sie Höfe besitzen und dass sie steinern sind. Die Höfe vermitteln vom weiten Platz zu den kleinteiligeren Innenräumen der Bauten. Dieser tradierte Gebäudetypus lässt die Volumina für Besucher permeabel werden, ohne dass die Gebäude betreten und entsprechend ihren Funktionen ‘benutzt’ werden müssten.
Die Bauten sind dem Sehen (Museum of Galicia), dem Hören (Opera and Sound & Image Library), dem Lernen/Studieren/Lesen (Library and Newspaper Library) und dem Sprechen sowie der Interaktion (Auditorium, Lecture Hall, Multi-Purpose) gewidmet. Das thematische Zusammenfassen der Nutzungen und die damit verbundene Konzentration der Volumina erzeugt imposante, einprägsame Baukörper mit entsprechender Nah- und Fernwirkung. Gleichwohl erleichtert die Aufteilung in vier Gebäude die etappenweise Realisierung des Projekts.
Die Baukörper sind aus Stein und lagenweise aufgebaut. Verschiedene Steinsorten Galiziens und vereinzelte Steine aus aller Welt werden entweder schichtweise vermauert oder als Lagen in Beton gegossen und durch Sandstrahlen und Schleifen wieder freigelegt. Gemauert oder eingegossen, können die Steine gleichsam als materielles Gedächnis der Geschichte Galiziens verstanden werden. Metallisch reflektierende Fenstergläser kontrastieren mit dem matten Stein. Sie bilden im wörtlichen Sinn Spiegelflächen für die Gegenwart.
Die heutige Agrarlandschaft fungiert als strukturbildende Grundlage für die landschaftsgärtnerischen Interventionen. Wie in ganz Galizien ist sie in diesem Gebiet gekennzeichnet durch Kleinteiligkeit (Microfundismo). Einzelne Gärten und Parkelemente werden entlang den Wegen in das landwirtschaftliche Muster ‘implantiert’: zum Beispiel ein Regengarten, ein Garten für die Bäume des 'Libredon', ein Ort zum Thema des 'Ultramar', ein Garten der Kohlsuppe, ein Maronenhain, das Eukalyptuswäldchen und andere mehr. Das buschartige Matoral-Gebiet westlich der 'cidade' soll sukzessive mit einheimischen Eichen aufgeforstet werden. Ein verdichtetes Wegnetz erlaubt das Wandeln von Garten zu Garten, von Station zu Station.
Ausbildungszentrum Roche Forum
Ausgangspunkt des architektonischen Konzepts war die landschaftlich einmalig schöne Situation der Halbinsel Buonas am Zugersee. Ein kräftig moduliertes Terrain, Waldstücke, Wiesenland, einzelne Bäume und zwei Landstrassen prägen den für den Neubau vorgesehenen Ort, den landschaftlichen Umraum des Schlosses zuvorderst auf der Landzunge. Der Entwurf interpretiert die ländliche Charakteristik des Ortes und akzentuiert sie.
Die Lage der Baukörper im Gelände setzt die Volumina zueinander in Beziehung und vereinzelt sie gleichwohl - in ihrer Verteilung und Form erinnern sie an mächtige Steine in der Landschaft. Das grösste Volumen, das eigentliche Kurszentrum, ist an den südlichen Rand der Mulde gerückt und überschaut mit einem Teil seiner Nutzungen den Hangrücken in Richtung See. Die beiden kleineren Baukörper, die Unterkunftsgebäude, liegen an den nördlichen und westlichen Rändern des Grundstücks. Kleinere oberirdische Kuben bilden die Garagenabfahrt und deren vereinzelte Belichtungs- und Belüftungselemente. Die Garage selbst ist wie ein mächtiger Findling in das Terrain eingelassen.
Die Form der Baukörper - zu unregelmässigen Vielecken verzogene Rechtecke - erlaubt eine Anpassung der Volumina an das komplex geformte Terrain. Im Gebäudeinnern entstehen aufgrund der feinen Abweichungen vom rechten Winkel spannungsreiche Zwischenräume, Hallen, Aufenthaltszonen und Foyers. Die der Dachentwässerung wegen geneigten und gefalteten Dachflächen formen die Kuben auch in der dritten Dimension zu ungleichmässigen Polyedern.
Die Materialität der neuen Baukörper ist folglich 'steinern'. Wie die Aussenwände bestehen auch die Dachflächen aus zweischaligem Beton. Mit unterschiedlichen Sand- und Kiesarten 'gefärbte' Betonschichten werden als ‘sedimenthafte’ Schichten in verschiedenen Stärken gegossen und lassen auf diese Weise den Prozess des Betonierens anschaulich werden. Mal unregelmässig, mal regelmässig angeordnete, mehrheitlich liegende Fenster unterstreichen das Konzept der horizontalen Schichtung der Baukörper. Ein äusseres, leicht farbig getöntes Glas als Schiebefenster ergibt wie bei einer Sonnenbrille einen ersten Sonnenschutz. Ein inneres Schiebefenster besorgt die Wärmedämmung und die Winddichtung.
Die Zufahrtswege zum Kurszentrum und die Gehwege zwischen den Häusern besitzen weiterhin die Merkmale von ländlichen Strassen oder Gartenwegen: Es sind gesplittete Asphaltstrassen und Kieswege. Die Umgebung, die Waldstücke, das Wiesenland und die vereinzelten Bäume bleiben unverändert. Dort, wo die Parkgarage in den Grund der Mulde eingelassen wird, soll eine leichte Aufschüttung und Nivellierung der Sohle erfolgen - eine Art neues, diesmal künstliches, kleines Feuchtgebiet. Birken werden als flachwurzelnde Bäume über den von Erde überdeckten Tiefbauten zu einem lichten Hain heranwachsen.
Landtagsgebäude Vaduz
1987 legte Luigi Snozzi den Plan für eine Neugestaltung des Regierungsviertels in Vaduz vor: Ein Landtagsgebäude sollte sich dem Regierungsgebäude beigesellen, hinterfangen von einer geschwungenen Häusermauer am Fusse des Schlossbergs. Aber das Stimmvolk lehnte den Entwurf 1993 ab.
Das neue Projekt für ein Landtagsgebäude basiert auf dem einst von Snozzi vorgeschlagenen Standort und setzt die Neugestaltung des Ortszentrums von Vaduz fort, die 2000 mit der Eröffnung des Kunstmuseums ein erstes bauliches Resultat fand. Zwischen Landesmuseum und Verweserhaus im Norden sowie Regierungsgebäude im Süden steht der Neubau als mächtiger Solitär, der den vorgelagerten, ebenfalls neu gestalteten Staatsplatz dominiert. Konzipiert ist das Landtagsgebäude als mächtiges orthogonales Volumen, das über einem offenen Erd- und Erschliessungsgeschoss schwebt. Gläserne Kuben scheinen den massiven Baukörper zu tragen, während raumhaltige Stützen in Form von Lift-, Treppen- und Sanitärkernen im Innern die Lasten übernehmen. Das Konzept erinnert an das Piloti-System der Moderne ebenso wie an den traditionellen Bautyp des Rathauses mit freiem Erdgeschoss. Die optische Transparenz des Erdgeschosses akzentuiert die Blickbeziehung zwischen dem Staatsplatz und dem bewaldeten Hang hinter dem Neubau.
Vom verglasten Eingangsbereich mit Garderobe und Hauswartsloge im Erdgeschoss gelangt man über eine grosszügige Treppe zum Landtagssaal im ersten Obergeschoss, der sich zum Platz hin orientiert und umgeben ist von einer Foyerzone im Norden und dem Bereich des Wandelgangs im Osten, von wo aus der Blick auf den Wald fällt. Über dem Landtagssaal befinden sich im zweiten Obergeschoss die Fraktions- und Sitzungsräume, zuoberst schliesslich Bibliothek und Büros.
Konstruktiv besteht das Gebäude aus einem in Ortbeton gegossenen Tragwerk, das mit Erschliessungskernen ausgesteift ist. Die Aussenhaut bildet eine zweite Betonschale, welche durch eine Sequenz von mit unterschiedlichen Sandzusätzen eingefärbten, geschosshohen Feldern geprägt ist. Die Felder lassen die einzelnen Betonieretappen erkennen, verweisen aber auch auf die dahinter befindlichen Raumeinheiten. Durch eine Sandstrahl-Behandlung in unterschiedlicher Intensität wird die Oberfläche weiter differenziert.
Text: Hubertus Adam