Verkehrshaus der Schweiz – Städtebauliches Entwicklungskonzept

Das Entwicklungskonzept für das Verkehrshaus Luzern geht aus von einer städtebaulichen Konfiguration, wie sie im südlichen Teil der Anlage schon besteht – einer Addition von thematischen, solitärhaften Einzelgebäuden. Im künftigen städtebaulichen Layout sollen die Einzelbaukörper mit Stegen, Brücken und Rampen auf verschiedenen Niveaus verbunden werden. Zwischen den Gebäuden entsteht somit sukzessive ein «zentraler» Aussenraum, der durch die Position der Bauten und der Stege eine Gliederung und Zonierung erfährt. Das additive Prinzip ermöglicht eine leichte Auffindbarkeit der einzelnen Themenbereiche für die Besucher, eine einfache, stufenweise Realisierung der künftigen Bauvorhaben sowie eine stilistische Pluralität der Gebäude – anstelle des Versuchs, eine einheitliche Gestaltung über Jahrzehnte hinweg festzulegen.

Die erste Bauphase , das «Forum Strasse», ist als Neubau am östlichen Rand des Areals platziert. Es begrenzt an dieser Stelle den Aussenraum, der sich heute spannungslos in das Wohnquartier hinaus ausweitet. Das Thema des Fahrens, des «Sich-auf-Rädern-Fortbewegens» wird baulich aufgegriffen mittels Erschliessungsrampen, die das Gebäude auf verschiedenen Geschossen stufenlos zugänglich machen. Zwei Brücken verbinden das Gebäude mit der Schifffahrtshalle und der Schienenhalle. In einem künftigen Entwicklungsschritt wird zusätzlich eine «Transversale» vom Eingangsbereich her zum «Forum Strasse» führen.

Die Ausstellungsbereiche sind auf drei Geschossen angeordnet. Sie gliedern sich in Flächen, die entlang den Fassaden mit Tageslicht belichtet sind, und in mittig angeordnete Kunstlichtzonen. Elektrisch gesteuerte Sonnenschutzrouleaus in Form von Stoffen (wie bei den Cabriolets-Dächern) oder plastifizierte Planen (wie bei den Lastwagenverschlägen) regeln den Licht- und Wärmehaushalt des Gebäudes bei Sonnenschein.

Die Tragkonstruktion widerspiegelt die Nutzungsanordnung: Schräggestellte Stahl-Beton-Verbundstützen bilden die äussere Tragkonstruktion und steifen das Gebäude entlang seiner Hülle aus. Die filigrane Statik der Brücken und Rampen, die um das Gebäude herum und auf das Gebäude zu «fahren», prägt auch die Fassade des Baukörpers. Beton-Wandscheiben und ein Treppenhaus- und Liftkern, die in ihrer Platzierung frei wählbar sind, übernehmen die Tragfunktion im Inneren. Die Decken sind mit einer Stärke von 40 – 45 cm in der Lage, die Lüftungsleitungen aufzunehmen, sodass auf abgehängte Deckenelemente verzichtet werden kann.

Die Materialisierung ist rohbauartig. Betonböden und -decken, sowie eine stählerne Tragkonstruktion erinnern an Industriebauten, Strassen- und Brückenbau. Die grossflächigen Verglasungen der Fassaden vermitteln über die «garagenhafte» Stimmung hinaus jedoch die Atmosphäre des Präsentierens – ähnlich der eines Showrooms oder Autosalons.

Ort Luzern

Wettbewerb 1999, 1. Preis

Auslober Wettbewerb Verkehrshaus der Schweiz, Luzern

Team GG Markus Lüscher, Dalila Chebbi, Christian Meyer, Roger Naegeli

Bauingenieur Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Zürich

Ausstellungsarchitektur Lars Müller, Baden

Résidence du Pré-Babel

Auf der ehemaligen Sport- und Parkanlage, östlich des Genfersees, wurden in drei Etappen mehrgeschossige Wohnbauten verschiedenen Standards fertig gestellt: «Pré-Babel», «Grange-Canal» und jüngst «Le Corylus». Das Grundstück befindet sich in einer der umliegenden Gemeinden Genfs, die aufgrund des stetigen Wachstums der Stadt und der dadurch herrührenden Wohnungsknappheit verdichtet werden. Die Neubauten folgen dem Konzept der punktuellen Verdichtung, um einen offenen Parkraum und möglichst viele Bäume zu erhalten.

Die erste Bauetappe Pré-Babel umfasst drei dreigeschossige Wohnhäuser (1,2 und 3) mit insgesamt 28 Eigentumswohnungen im Hochpreissegment. In der zweiten Bauetappe Résidence du Parc de Grange-Canal sind auf der gleichen Parzelle drei hohe Baukörper mit Wohnungen im mittleren Standard und – entsprechend einer Besonderheit der Genfer Bauordnung - auch mit subventionierten Wohnungen vorgesehen. Für alle drei Wohntypen eine Architektursprache und ähnliche Wohntypologien zu finden, bildete eine der Herausforderungen bei der Bebauung des Parks.

Lage und Form der Gebäude erzeugen Aussenräume, die abwechselnd entweder mit Bäumen durchsetzt sind oder offene Freiflächen bilden. Die Wohnungstypen profitieren von jeweils drei- bis vierseitiger Orientierung mit Aussicht auf Wiesenflächen und Baumgruppen.

Die Zugangswege zu den Häusern 1, 2 und 3 winden sich durch den Park und führen zu leicht abgesenkten Hauseingängen. Um den Park möglichst wenig mit Verkehr zu beeinträchtigen, führen die Zufahrten zu den Parkgaragen unterirdisch zu den Häusern. In der Eingangshalle treffen sich beide – Zugang zum Park und zur Parkgarage. Geländer aus poliertem Chromstahl weiten den Raum optisch zusätzlich, ebenso wie hellgraue Bodenbeläge aus Terrazzo und Kunststein mit Marmorkieseln. Die Wohnungseingänge bestehen aus dunklen Eichentüren und sind flankiert von Leuchtkörpern gleichen Formats. Wände aus Sichtbeton kontrastieren diese festlichen Elemente des Treppenhauses mit einer gemessenen Alltäglichkeit.

Das natürlich belichtete Treppenhaus erschliesst zwei bis drei Wohnungen und ein Studio pro Geschoss. Die Wohnungen selbst sind grosszügige, dreiseitig orientierte Etagenwohnungen mit einer überdurchschnittlichen Raumhöhe von 2,70 Meter. Beginnend mit einer Eingangshalle teilen sie sich in zwei Hauptzonen, einen Tagesbereich mit Küche, Esszimmer, Wohnraum und Bibliothek sowie einen Nachtbereich, bestehend aus Schlafzimmern mit dazu gehörenden Nasszellen und Ankleideräumen. Jede der Wohnungen hat einen gedeckten Balkon und zusätzlich einen Wintergarten. Jeweils eine der Wohnungen im obersten Geschoss hat privaten Zugang zur grossen Dachterrasse mit Pavillonaufbauten.

Die Baukörper aus vorfabrizierten horizontalen und vertikalen Betonelementen wirken wie eine Komposition mit beinahe klassischer Anmutung. Grau eingefärbte horizontale Betonbänder verbinden sich mit vertikalen, unterschiedlich breiten Elementen mit gelber Pigmentierung, die die Sandsteinfarbtöne der Stadt Genf anklingen lässt. Schiebefenster mit feinen Aluminiumprofilen wechseln sich mit den gelben Betonelementen ab. Zusätzlich zu den Fenstern spiegeln reflektierende Glasbrüstungen den Park und verstärken gleichzeitig den Eindruck der Fassade als «geometrisches Gewebe mit eingeflochtenem Silberfaden».

Ort Genf

Nutzung 3 Wohnhäuser mit insgesamt 24 Eigentumswohnungen (3–7 Zimmer-Wohnungen mit 132–339 m2), 4 Studios, 2 Parkanlagen mit 60 Parkplätzen

Wettbewerb 2004, 1. Preis

Planung/Ausführung 2004–2008

Bauherrschaft Frontimmo SA, Chêne-Bougeries, Genf

Geschossfläche 11‘053 m2

Team GG Planung/Ausführung: Gilles Dafflon (Projektleitung), Matthias Clivio, Christine Jahn, Andréanne Pochon, Pieter Rabijns, Katja Schubert, Michael Wagner
Wettbewerb: Gilles Dafflon, Katja Schubert

Bauleitung Roberto Carella Architectes, Genf

Landschaftsarchitektur Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, Zürich

Bauingenieur Fiechter Ingénierie SA, Chêne-Bourg

Elektrotechnik ECE SA, Bernex

Haustechnik Ryser Eco Sàrl, Genf und Mike Humbert, Genf

Fotos © Joël Tettamanti